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Frankfurter Buchmesse startet mit 150 Ländern
Kultur 9 4 Min. 16.10.2019

Frankfurter Buchmesse startet mit 150 Ländern

Die Frankfurter Buchmesse wurde am Dienstag offiziell eröffnet.

Frankfurter Buchmesse startet mit 150 Ländern

Die Frankfurter Buchmesse wurde am Dienstag offiziell eröffnet.
Foto: Boris Roessler/dpa
Kultur 9 4 Min. 16.10.2019

Frankfurter Buchmesse startet mit 150 Ländern

Insgesamt 7.500 Aussteller aus aller Welt: Die Frankfurter Buchmesse zeigt bis Sonntag neben Literatur auch virtuelle Realitäten und empfängt einen Sonderzug aus dem Norden. Luxemburg ist mit 170 Buchtiteln vertreten.

(dpa/dco)Die Norweger sind angekommen. Mit dem Zug. Inklusive Prinzessin. Das macht dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse so schnell keiner nach. Am Dienstag rollte am Frankfurter Hauptbahnhof der „Literaturzug“ ein. An Bord: Kronprinzessin Mette-Marit und zwei Dutzend der bekanntesten Autoren ihres Landes.

An die 100 norwegische Schriftsteller wollen bis 20. Oktober zur Buchmesse kommen, weiß Margit Walsø, Direktorin von Norwegian Literature Abroad. Zu den Gästen zählen Krimiautor Jo Nesbø, Maja Lunde („Die Geschichte der Bienen“) oder Erik Fosnes Hansen („Choral am Ende der Reise“). 250 Bücher aus Norwegen werden 2019 ins Deutsche übersetzt.

Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto „Der Traum in uns“. Wie der Pavillon aussieht, ist noch geheim. Die Norweger wollen „imaginäre Geografie der norwegischen Literatur“ zeichnen, deutet Walsø an. Kein Geheimnis ist die Rednerliste bei der Eröffnungsfeier: Neben Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg werden Karl-Ove Knausgård und Erika Fatland als literarische Redner sprechen.

Das Gastland genießt stets die größte Aufmerksamkeit, ist aber nur ein Teil der Buchmesse. Buchmessen-Direktor Juergen Boos erwartet etwa 7.500 Aussteller aus 150 Ländern in Frankfurt. 


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Damit läge die Messe auf Vorjahresniveau. Der Ticket-Vorverkauf laufe sogar besser, hatte Boos schon im September gesagt. 2018 waren an den fünf Messetagen mehr als 285.000 Besucher gekommen.

Die Messe ist inzwischen so divers, dass man kaum noch einen Schwerpunkt ausmachen kann. Das ist durchaus gewollt: „Wie ein Brennglas bündelt die Frankfurter Buchmesse die großen Themen der Gegenwart“, sagt Boos. 

Wichtig ist ihm, dass von der Buchmesse auch ein gesellschaftliches Signal ausgeht. Eine ganze Reihe von Kampagnen und Veranstaltungen haben den Kampf um die Meinungsfreiheit im Blick.

Luxemburg mit 170 Buchtiteln in Frankfurt

Insgesamt 170 Titel vom Kinderbuch über den Roman bis zum Wanderführer sollen die Fachwelt begeistern: Nach dem Neustart auf dem Branchentreff im vergangenen Jahr wird der Luxemburger Stand (B 1) in Halle 4.1. größer und neu konzeptioniert – die Erfahrungen aus dem Jahr 2018 sollen einen fokussierten Auftritt ermöglichen. 

Marc Rettel, Koordinator für den diesjährigen Frankfurter Buchmessenauftritt, unter dem Motto „Reading Luxembourg“ ganz im Nation-Branding-Design, sorgt, mit der Berliner Literaturspezialistin Ulrike Ostermeyer, für die Begleitung der Verleger, Autoren und Branchenspezialisten – vorbereitendes Netzwerken im Vorfeld inklusive. Der Saal in der Berliner Botschaft Luxemburgs für das sogenannte Kick-off-Meeting Anfang Oktober sei voll gewesen, das Interesse für die Präsenz in Frankfurt wachse.


(FILES) In this file photo taken on November 8, 2006 US novellist Toni Morrison attends a press conference at the Louvre museum in Paris. - Toni Morrison, the first African American woman to win the Nobel Prize for Literature, has died following a short illness, her family said in a statement on August 6, 2019. She was 88. "Although her passing represents a tremendous loss, we are grateful she had a long, well lived life," they said. (Photo by FRANCOIS GUILLOT / AFP)
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Das Thema „Mehrsprachigkeit“ sei für Luxemburger vielleicht ein alter Hut, es habe aber das besondere Interesse bei den deutschen Brancheninsidern geweckt – auch weil es den Hauch des „Exotischen“ habe. 

Die österreichische Literaturzeitschrift „Podium“ hat im September ein Länderheft mit dem Schwerpunkt auf Luxemburg vorgelegt, das einen breiten Überblick über das aktuelle Schaffen ermöglicht. 

Neben dem Luxemburger Stand und dem dort vorgesehenen Programm wird es zwei weitere Vorstellungen mit Luxemburger Protagonisten geben, wie Marc Rettel sagt: Auf dem mazedonischen Stand soll Jean Back aus seinem Werk, das übersetzt wurde, lesen. 

Zudem wird Boris Loders Bildband zu seinem Fotoprojekt „Particles“ auf dem Stand des Kehrer Verlags präsentiert werden. Ob die Initiative „Reading Luxembourg“ über die Frankfurt-Präsenz hinauswächst? „Neue Messebeteiligungen prüfen wir, entschieden ist aber noch nichts“, so Rettel. „Erst werden wir Bilanz nach Frankfurt ziehen.“ 

Mehr Raum für bewegte Bilder

Ein weiteres Thema: die Erweiterung des Erzählens. Bewegte Bilder bekommen mehr Raum, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz werden erstmals breiter behandelt. 


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Dafür wird das Frankfurter Festival „Biennale des Bewegten Bildes“ in den Messebereich „The Arts+“ integriert. Zu sehen sind 360-Grad-Ausstellungen, Erlebnisse hinter VR-Brillen und experimentelle Digitalkunst. Ein weiterer Trend sind Audio-Produkte. Erstmals hat die Messe für Hörbücher oder Podcasts einen eigenen Bereich geschaffen. 

Anders als in den Vorjahren gibt es aktuell hoffnungsvolle Signale für Buchhändler und Verlage: Die Umsätze steigen und damit sich der Trend fortsetzt, will die Messe „Zukunftsthemen“ fest im Blick behalten: neue Technik, neue Vermittlungsformen, neue Lesergruppen. 

Für Anbieter technischer Lösungen wurde eine „Start-up Area“ ins Leben gerufen. Es gibt Foren für Bookstagrammer, Buchblogger und BookTuber. Jugendliche bekommen neben den „Kids“ ein eigenes Areal für die „New Generation“.

Während die Messe unter der Woche den Fachbesuchern vorbehalten ist, lockt das Publikumswochenende mit Stars: TV-Moderator Thomas Gottschalk, Waldexperte Peter Wohlleben, Krimiautorin Nele Neuhaus und Klimaaktivistin Luisa Neubauer sind beispielsweise dabei. 


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Die deutsche spielt gegen die norwegische Autoren-Nationalmannschaft, 50 Jahre nach der deutschen Veröffentlichung gibt es ein „Herr der Ringe“-Event. 

30 Veranstaltungen finden auf der Messe, 50 außerhalb statt. Unter anderem sind Ken Follett, Margaret Atwood und Elif Shafak dabei. Zum ersten Mal können Besucher am gesamten Publikumswochenende – also am 19. und 20. Oktober – auf der Messe Bücher kaufen. 

Lange Zeit war das nicht erlaubt, in den vergangenen Jahren durften die Verlage immerhin ab Sonntagmittag ihre Ware verkaufen. Für viele Gäste war das unverständlich, sie hätten am liebsten sofort zugeschlagen. Dem kommt die Messe nun nach. Günstiger sind die Bücher aber nicht, es gilt die Buchpreisbindung und damit der Ladenpreis. 
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Weitere Informationen zum Luxemburger Stand unter www.readingluxembourg.lu


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