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François Valentiny: „Unvorstellbar, was hier abgeht“
Kultur 2 Min. 27.03.2012 Aus unserem online-Archiv

François Valentiny: „Unvorstellbar, was hier abgeht“

Kultur unter einem nachtklaren Himmel. Mehr als 1000 Menschen kommen seit Mitte März jeden Abend in das neue Amphitheater.

François Valentiny: „Unvorstellbar, was hier abgeht“

Kultur unter einem nachtklaren Himmel. Mehr als 1000 Menschen kommen seit Mitte März jeden Abend in das neue Amphitheater.
Foto: Hermann&Valentiny
Kultur 2 Min. 27.03.2012 Aus unserem online-Archiv

François Valentiny: „Unvorstellbar, was hier abgeht“

Der Luxemburger Architekt François Valentiny hat die Pläne für ein Freilichttheater geliefert, das vor wenigen Tagen in Trancoso in Brasilien fertig gestellt wurde.

Von Fern Morbach

Die Sprache hat es ihm noch nicht verschlagen. Per Telefon meldet sich der Luxemburger Architekt François Valentiny in diesen Tagen gerne bei Freunden und Bekannten, um mit ihnen über sein jüngstes Projekt zu sprechen: den Bau eines Amphi-Theaters und die Gründung eines Musikfestivals in Trancoso in Brasilien.

Magische Momente

Kommt die Telefonverbindung endlich zustande, gerät der Architekt aus Remerschen unverzüglich ins Schwärmen. Tief greift er in die Kiste der Superlative. Es sei ein „Glücksfall, so etwas zu machen“, jeder fühle sich „magisch angezogen“, die Menschen „rasten jeden Abend aus“, es sei schlichtweg „unvorstellbar, was hier abgeht“. Die Zitat-Liste ist erweiterbar.

Gemeinsam mit drei Freunden und Bekannten gründete Valentiny mitten im brasilianischen Urwald das „Festival de Trancoso“. Der Part des Luxemburgs lag auf der Hand: Er lieferte die Pläne für ein Freilicht-Theater, das ursprünglich in einem Canyon entstehen sollte. Weil dann Genehmigungen auf sich warten ließen, entschied man sich kurzerhand für eine Zwischenlösung – statt im Canyon wurde auf einem Plateau ein provisorisches Amphitheater gebaut, mit Platz für rund 900 Zuschauer und fast 100 Musiker.

Vor wenigen Tagen nun wurde das Theater fertig, die Festival-Gründer luden zur Premiere ein und seither hat Trancoso – der Ort liegt 1500 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt – seine Attraktion. Um die Kultur ist es in dieser Ecke des südamerikanischen Landes nämlich nicht zum Besten bestellt. 17 Millionen Menschen leben in der Region Bahia, in der Stadt Salvador gibt es nur ein großes Theater, außerhalb lediglich ein halbes Dutzend Kinos.

Wiener und Berliner Philharmoniker

In der ersten Woche nach dem ersten Konzert im neuen Amphitheater kamen jeden Abend 1000 bis 1200 Menschen nach Trancoso – sie nahmen die Strapazen einer langen und schwierigen Anfahrt in Kauf. Für die 20 Kilometer aus der nächsten Stadt braucht man gut und gerne eine Stunde. Das Amphiteater habe voll eingeschlagen, sagt François Valentiny am Telefon. So was habe es in Süd-Amerika noch nicht gegeben, zitiert er Menschen vor Ort.

Den Vätern und Müttern des Projekt gehe es aber nicht nur um das Freilichttheater im Urwald. Sie möchten der Region kulturell und wirtschaftlich unter die Arme greifen. Mitglieder der Wiener und der Berliner Philharmoniker sind nach Trancoso gekommen, um mit jungen brasilianischen Musikerinnen und Musikern zusammenzuarbeiten, um sie auszubilden und zu fördern. Valentiny: „Nach drei Wochen haben die Jugendlichen bereits enorme Fortschritte gemacht.“

Die ersten großen Erfolge stellen die Gründer des „Festival de Trancoso“ vor ein neues Problem. Ursprünglich war das Freilichttheater ja nur als Provisorium geplant – die ganz große Nummer sollte das Amphitheater in dem benachbarten Canyon werden. Nun jedoch, sagt Valentiny, sei man wohl ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Über die Positionierung des Festivals sei neu nachzudenken.


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