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Förderung für junge Choreografen: "Weltweit herausragend"
Kultur 3 Min. 19.04.2015

Förderung für junge Choreografen: "Weltweit herausragend"

Jill Crovisier gehört zu den "Auserwählten".

Förderung für junge Choreografen: "Weltweit herausragend"

Jill Crovisier gehört zu den "Auserwählten".
Foto: Bohumil Kostohryz
Kultur 3 Min. 19.04.2015

Förderung für junge Choreografen: "Weltweit herausragend"

„Privilegiert“ seien sie, diese jungen Choreografen, die für die erste Auflage des Trois-CL-Förderprojekts „Les émergences“ ausgewählt wurden. Ab dem 23. April zeigen die Talente ihre Arbeiten in der Bannanefabrik.

(dco) - „Privilegiert“ seien sie, diese jungen Choreografen, die für die erste Auflage des Trois-CL-Förderprojekts „Les émergences“ ausgewählt wurden. Wird man eines Tages einen der Auserwählten sagen hören können: „Weißt du noch? Damals in der Bannanefabrik in Bonneweg fing das alles an. Da habe ich meine erste choreografische Arbeit machen können. Der Startpunkt für meine Karriere!“ Zumindest dem Wunsch der heutigen Protagonisten der Luxemburger Tanzszene wie Bernard Baumgarten nach, soll das so sein.

Acht Choreografen bzw. Choreografenduos schicken sich im Projekt „Les émergences“ an, die Tanzszene zu revolutionieren, als Choreografen Frisches zu wagen und mit Rückhalt und der gezielten Weiterbildung von Experten eine solide Basis für den weiteren Karriereweg zu schaffen. Allesamt wurden unter den strengen Blicken einer Jury auf ihr Potenzial ausgewählt.

Léa Tirabasso
Léa Tirabasso
Foto: Bohumil Kosotohryz

Denn leider reicht eine gute Tanzausbildung als Grundlage längst nicht mehr aus, um sich heute als Profikünstler und Choreograf im Markt halten zu können. Gerade deswegen ergänzen Betreuungen und Schulungen die Arbeiten an den künstlerischen Teilprojekten. „Es geht darum, die Teilnehmer auch im Bereich der Verwaltung, der Bühnentechnik und der Kommunikation weiterzubilden“, sagt Trois C-L-Sprecherin Veronika Meindl zu den Projektaktivitäten rund um die kreative Arbeit.

Im Detail bedeutet das, den jungen Talente eben auch zu vermitteln, wie sie ihre Projekte finanzieren oder zum Beispiel Verträge mit Künstlern abschließen. Dazu soll ihnen vermittelt werden, wie sie ihre Projekte auch für das Publikum, Fachleute oder die Presse aufarbeiten und dabei auf Hilfsmittel wie Fotos oder Videos zurückgreifen. Daneben gehören aber auch Workshops zum Thema der Bühnentechnik dazu, um mit Licht-, Bühnen- oder Sounddesign noch mehr Tiefe im Künstlerischen zu erreichen.

Annick Schadeck und Michèle Tonteling
Annick Schadeck und Michèle Tonteling
Foto: Florian Schröder

Nachhaltigkeit?!

„Damit soll aber auch nicht Schluss sein. Wir suchen auch nach Partnern, um die Choreografien auch an weiteren Spielstätten zu zeigen und damit nicht nur die jungen Talente, sondern auch die Luxemburger Tanzszene an sich bekannter zu machen“, so Bernard Baumgarten, Künstlerischer Leiter des Trois C-L.

Für das Luxemburger Publikum gibt es in den kommenden Tagen  vier von acht Choreografien in der Bannanefabrik zu sehen: Simone Mousset („Their past“), Annick Schadeck, Michèle Tonteling, („D'Stéck“), Léa Tirabasso („Love Me Tender“) und Jill Crovisier („We Are We“). Im November folgen mit eigenen Terminen die vier Arbeiten von Grégory Beaumont und Jennifer Gohier („Soli-Tude“), Piera Jovic und Georges Maikel („Fest“), Giovanni Zazzera („Secrets“) und Hannah Ma („Dieu/Monstre“).

Simone Mousset
Simone Mousset
Foto: Bohumil Kostohryz

Was ist aber reell davon zu erwarten? Reicht es für die Teilnehmer hier und da einen Workshop, projektbezogenes Geld (6 000 Euro pro Choreografie) und Coaching der Insider einzurichten? Zumindest ist es im Hinblick auf die Professionalisierung und die Bereicherung der Kulturszene sicher ein wichtiger Schritt, der ausstrahlen könnte. Simone Mousset, die mir ihrer Choreografie „Their Past“ an den Schnittstellen zwischen traditionellem und zeitgenössischem Tanz forscht, schwärmt geradezu: „Das, was mit diesem Programm gemacht wird, ist weltweit herausragend.“ Kaum in einem anderen Land kämen solche Bedingungen für junge Nachwuchstalente zusammen.

Aber es wird sich heraus stellen müssen, ob die spürbare Energie dieses Aufbruchs und der politische wie künstlerische Rückhalt aufrecht zu halten ist. Konzeptionell ist so eine Rundumweiterbildung sicherlich ein Beispiel, von dem man viel lernen kann. Es hängt aber auch von dem Willen der Beteiligten ab, wie professionell sie ihr Handwerk als Mentoren, Betreuer und Experten so vermitteln können, dass es langfristig auch Früchte trägt. Die Jury der kommenden Edition zumindest tagt bereits über den neuen Kandidaturen 2016. 

Vier der acht Choreografen bzw. Choreografenduos stellen ihre Arbeiten jeweils an vier aufeinanderfolgenden Tagen (am 23., 24., 25. April – jeweils um 20 Uhr – und am 26. April um 17 Uhr) in der Bannanefabrik vor. Tickets (15 Euro, 8 Euro ermäßigt) und Infos unter:

www.danse.lu



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