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Förderpreis für Jazzmusiker Pol Belardi: Drang nach Mehrsprachigkeit
Kultur 2 3 Min. 15.10.2014

Förderpreis für Jazzmusiker Pol Belardi: Drang nach Mehrsprachigkeit

Der Jazzmusiker Pol Belardi.

Förderpreis für Jazzmusiker Pol Belardi: Drang nach Mehrsprachigkeit

Der Jazzmusiker Pol Belardi.
(Foto: Marlene Soares)
Kultur 2 3 Min. 15.10.2014

Förderpreis für Jazzmusiker Pol Belardi: Drang nach Mehrsprachigkeit

Dass die Stiftung zur Förderung junger Künstler in Luxemburg dem Jazzmusiker ihre höchste Auszeichnung am Donnerstag verleihen wird, ist  keine richtige Überraschung.

Von Thierry Hick

Dass die Stiftung zur Förderung junger Künstler in Luxemburg dem Jazzmusiker ihre höchste Auszeichnung am Donnerstag 16. Oktober 2014 verleihen wird, ist keine richtige Überraschung.

„4s“, „Birth and Death of a Star“, „Little Known Facts“, „Charlotte Haesen“, „Larn Pool“, „theCarps'“, DillenDub“, „The Unrevealed Society“ und „Urban Voyage“: Hinter diesen verschiedensten Namen verstecken sich die zahlreichen Projekte oder Bands, in denen Pol Belardi mitwirkt.

„Viele meiner Gruppen tragen nicht meinen Namen, ich muss und will nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Ich bevorzuge die Arbeit im Schatten.“ Mit dieser Bescheidenheit ist der Name Pol Belardi nicht immer dem breiten Publikum bekannt. Der Musiker ist sich dessen bewusst. „Das wird sich in Zukunft vielleicht ändern!“

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Opportunitäten offenlassen

„Ich will meine Arbeit nicht auf eine einzige Musikrichtung konzentrieren. Jazz, Elektro, Pop, Rock, Fusion, Groove oder sogar Hip-Hop können interessante Erfahrungen und Begegnungen hervorrufen“, erkennt der 25-jährige Musiker. Auch wenn er sich regelmäßig der Jazzmusik widmet, will sich Pol Belardi Opportunitäten offenlassen. „Ich brauche ganz einfach diese Vielfalt.“

Der gleiche Drang nach Mehrsprachigkeit findet sich bei der Instrumentenauswahl des Musikers. Im Konservatorium von Esch und Luxemburg absolvierte Pol Belardi ein komplettes Musikstudium: Neben Theoriefächern lernte er Klavier, Schlagzeug und Bassgitarre. Mit diesem Instrument absolvierte er letztes Jahr ein Masterstudium in Amsterdam. „Virtuose auf einem Instrument zu werden, dieses Ziel werde ich sowieso nie erreichen. Mir geht es darum, Verschiedenes auszuprobieren und für Abwechslung in meiner Arbeit zu sorgen.“

Dass Pol Belardi den Weg zum Jazz gefunden hat, ist eher Zufall. Eines Tages begegnete der 14-15-jährige Musikstudent dem jungen Pianisten Yves Wiltgen im Escher Konservatorium. „Als ich die Jazztöne hörte, die er aus dem Klavier hervorzubringen wusste, gingen mir die Ohren auf“, erinnert sich heute Pol Belardi. Seit dieser Entdeckung ist er dem Jazz und seinen zahlreichen Abweichungen treu geblieben. „Jazz war noch immer von zahlreichen Einflüssen geprägt. Heute sind diese noch zahlreicher als früher. Auch wenn Improvisation und Spontaneität die zwei Hauptbestandteile dieser Musik bleiben, sind Stilverschmelzungen grenzenlos. Für mich ist Jazz alles, was mich von nah und fern prägt.“

Sich nicht an John Coltrane 
oder Count Basie wagen

Sich Klassiker von John Coltrane oder Count Basie zum Beispiel anzueignen oder neu zu interpretieren, verbittet sich der Musiker jedoch. „Sich dem Niveau solcher Werke annähern zu wollen, ist unmöglich.“

Neben seiner bereits gut gefüllten Bandmusikerkarriere geht Pol Belardi einer weiteren Leidenschaft nach: dem Komponieren. Dass beides untrennbar ist, zeigt sich in den Setlists seiner Bands.

„Ich habe seit meiner Jugend immer geschrieben“ unterstreicht der Musiker. Dass Komponieren auch eine Frage von Impulsen ist, streitet er nicht ab. „Oft fängt es mit einer einfachen Idee an. Diese wird dann mit Bass- und Harmoniestimmen ausgeweitet oder landet im Mülleimer.“ Das Spielen eigener Werken erlaubt es ihm, nicht nur Interpret anderer Komponisten zu sein. „Dies ist sicherlich der Grund, warum ich mich von der so genannten klassischen Musik entfernt habe. Ich hätte diese Musik nie auf ein anspruchsvolles Niveau bringen können.“

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Das neueste Album „Delusions of Grandeur“ seiner Band „4s“ ist ein prägnantes Beispiel von Belardis Komponistenarbeit und -talent. Mit viel Geschick beschreitet der Musiker durch Verschmelzung von Tönen und Klangfarben unvorhersehbare Wege.

Eine weitere neue Herausforderung erwartet den jungen Musiker: Er wurde als Bassist in die Band vom Vibrafonisten Pascal Schumacher aufgenommen. „Durch die Zusammenarbeit mit Pascal Schumacher werde ich sicherlich viel lernen und weitere Kontakte knüpfen können“, erhofft sich der Bassist.

Nach seinem Studium in Amsterdam – seine Schulabschlussarbeit „Urban Project“ wurde im September dieses Jahres im Blue Note in Amsterdam aufgeführt und von der „Keep on Eye Foundatioun“ ausgezeichnet – steigt Pol Belardi nun in ein vielversprechendes Berufsleben ein. Unterrichtsstunden an den Musikschulen von Differdingen und Petingen erlauben ihm eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit. „So kann ich mir erlauben, meine Auftritte auszusuchen.“ Mit Jazzsendungen auf Radio 100,7 und Konzerten in Luxemburg und im Ausland ist die Agenda des Musikers gut gefüllt. „Mein Ziel ist und bleibt, die einzelnen Projekte, die ich anpacke, so weit wie möglich auszuschöpfen.“

Die Preisüberreichung mit Konzert von Pol Belardi findet am Donnerstag 16. Oktober um 20 Uhr im Kinneksbond in Mamer statt. Freier Eintritt ohne Reservierung.

www.polbelardi.com


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