Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Flüchtlingsdrama „Styx“ als sehenswerte Allegorie
Kultur 1 2 Min. 11.03.2019

Flüchtlingsdrama „Styx“ als sehenswerte Allegorie

Auf dem Meer herrschen andere Gesetze: Rike (Susanne Wolff) segelt allein und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.

Flüchtlingsdrama „Styx“ als sehenswerte Allegorie

Auf dem Meer herrschen andere Gesetze: Rike (Susanne Wolff) segelt allein und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.
Foto: Schiwago Film & Amour Fou/Benedict Neuenfels
Kultur 1 2 Min. 11.03.2019

Flüchtlingsdrama „Styx“ als sehenswerte Allegorie

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Statt eines Trips in ein Inselparadies erlebt eine Seglerin einen Abstieg in die Totenhölle: „Styx“ ist eine packende Geschichte, die den Zuschauer auf keinen Fall kalt lässt. Das Drama, eine Koproduktion der luxemburgisch-österreichischen Filmgesellschaft Amour Fou, entfaltet seine Sogwirkung langsam, in ruhig gefilmten Bildern.

Als der komplette Abspann von „Styx“ abgelaufen ist, folgen lange Momente der Stille. Erst dann setzt Applaus ein. Gestern haben sich Schüler das Flüchtlingsdrama des österreichischen Regisseurs Wolfgang Fischer in der Cinémathèque angesehen und sich zum Gedankenaustausch getroffen.

„Die Geschichte hat mich sehr mitgenommen“, sagt der 17-jährige David Steichen und erklärt, „der Film hat mir einmal mehr die Augen geöffnet, wie schlimm es den Flüchtlingen ergeht.“

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

„Styx“ ist eine packende Geschichte, die den Zuschauer auf keinen Fall kalt lässt. Das Drama, eine Koproduktion der luxemburgisch-österreichischen Filmgesellschaft Amour Fou, entfaltet seine Sogwirkung langsam, in ruhig gefilmten Bildern. Notärztin Rike (Susanne Wolff) ist es gewohnt, einen kühlen zu Kopf bewahren und besorgt, fremden Menschen das Leben zu retten. 


French animation filmmaker Denis Do who directed the cartoon movie "Funan", poses during the International Animation Film Festival, on June 12, 2018 in Annecy. (Photo by JEAN-PIERRE CLATOT / AFP)
Eine erschütternde Familiengeschichte aus Kambodscha
Der Franko-Kambodschaner Denis Do über seinen preisgekrönten Animationsfilm „Funan".

Sie geht sachlich vor, ihre Stimme bleibt stets ruhig. Macht die kultivierte, in ihrer Sorglosigkeit naive und ambivalente Europäerin Urlaub, segelt sie allein durch den Atlantik. Selbst ein heftiger Sturm bringt sie nicht aus der Ruhe. 

Als sie aber einen havarierten Fischkutter mit rund hundert Flüchtlingen erblickt, ist Rike in einer knallharten Realität angekommen: Sie steckt in einer allein unlösbaren Situation. Zugleich sieht sie sich auf eine Weise mit ihrem Gewissen konfrontiert, die keinen Raum zum Flüchten oder Verstecken zulässt. Nicht umsonst ist „Styx“ in der griechischen Mythologie der Fluss, der das Reich der Lebenden von dem der Toten trennt. 

Starke Botschaft jenseits pathetischer Moral

Dass es diesem Kammerstück auf hoher See gelingt, den Zuschauer zu berühren, ist aber keineswegs selbstverständlich. Die Geschichte fesselt, weil Fischer den starken Stoff unaufgeregt umsetzt, frei von störendem Pathos und schweren Moralkeulen. Und weil der Film von einer überzeugenden Hauptdarstellerin getragen wird, die in ihrem Spiel ebenso auf unnötige Dramatikeinlagen verzichtet. 

Das starke Trio komplett macht die Kameraführung von Benedict Neuenfels, der geradezu dokumentarisch filmt: sowohl die brutal schönen Naturgewalten als auch in Großaufnahmen das Spiel der Hauptdarstellerin. Am stärksten ist diese Bildsprache, wenn sie nur Rikes Blick zeigt, der sich auf Unausgesprochenes jenseits des Kameraausschnittes heftet. 

Notärztin Rike (Susanne Wolff) ist es gewohnt, einen kühlen zu Kopf bewahren und besorgt, fremden Menschen das Leben zu retten.
Notärztin Rike (Susanne Wolff) ist es gewohnt, einen kühlen zu Kopf bewahren und besorgt, fremden Menschen das Leben zu retten.
Foto: Schiwago Film & Amour Fou/Benedict Neuenfels

Es ist ein Kinobesuch, der dazu führt, dass es dem Zuschauer mit seinen Wohlstandssorgen im Kinosessel unbequem wird. Dank ein, zwei Wendungen in der Handlung liegt die Flüchtlingsproblematik dann erst recht wie unter einem Brennglas auf das Wesentliche reduziert vor dem Betrachter: Was tun angesichts gefährdeter Menschen, denen sonst keiner helfen will? 


Filmfestival: Itv Darius Khondji - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Kameramann Darius Khondji: Der Teamplayer
Der Ehrengast des LuxFilmFest 2019 verrät welche Götter in seinem Filmolymp sitzen, warum das Wort seine Initialzündung ist und wem er sein erstes Erfolgserlebnis verdankt.

Die Frage, wie man selbst handeln würde, schleicht sich irgendwann und unkontrollierbar in den Hinterkopf des Zuschauers ein. 

Der mehrfach mit Preisen bedachte Film wurde unter anderem mit drei Österreichischen Filmpreisen (Regie, Drehbuch, Schnitt) und jüngst von der Ökumenischen Jury bei der Berlinale ausgezeichnet. Absolut empfehlenswert.
______
"Styx" läuft ab dem 27. März im Ciné Utopia. Am 3. April findet eine Vorführung mit Susanne Wolff statt, organisiert von Serge Kollwelter der Asbl Table Ronde. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kameramann Darius Khondji: Der Teamplayer
Der Ehrengast des LuxFilmFest 2019 verrät welche Götter in seinem Filmolymp sitzen, warum das Wort seine Initialzündung ist und wem er sein erstes Erfolgserlebnis verdankt.
Filmfestival: Itv Darius Khondji - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
LuxFilmFest, die Neunte
Mit Ansprachen von Kulurministerin Sam Tanson und Festival-Präsidentin Colette Flesch begann am Donnerstagabend Luxemburgs größtes Filmfestival.
LuxFilmFest_2019 / Foto: Steve EASTWOOD
Durchhaltevermögen
Damit Kultur floriert, braucht sie, dringender als Geld, Zeit und den Glauben an sie.
Elf Tage lang verspricht das 9. LuxFilmFest so manch spannende Entdeckung.
D'Woch am Kino: Raus aus der Routine
Von „Captain Marvel“ bis „Sibel": Fünf Filme laufen in dieser Woche in den Kinos an – was sie bei allen Unterschieden eint, sind die aufregenden Geschichten einer Wandlung, die sie erzählen.
Selbst eine Superheldin wie Captain Marvel (Brie Larson) muss ab und an auf den öffentlichen Transport zurückgreifen.
Im Kino: Mehr als Stutenbisse
Die Filmkritik zu "Mary Queen of Scots" und warum die Beziehung zwischen Elisabeth I. und Mary Stuart von Schottland im Film mehr als nur Stutenbissigkeit vor Historienkulisse ist.
So selbstsicher, wie sie sich gibt, ist Königin Elisabeth I. (Margot Robbie) nicht.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.