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"Flatland" zeigt ein Südafrika im Zerrspiegel
Kultur 1 2 Min. 13.03.2019

"Flatland" zeigt ein Südafrika im Zerrspiegel

Faith Baloyi spielt Beauty Cuba, im Alltag eine taffe Polizistin, als Privatfrau ein Soap-Fan – und immer noch verliebt einen seit Jahren im Knast sitzenden Sträfling.

"Flatland" zeigt ein Südafrika im Zerrspiegel

Faith Baloyi spielt Beauty Cuba, im Alltag eine taffe Polizistin, als Privatfrau ein Soap-Fan – und immer noch verliebt einen seit Jahren im Knast sitzenden Sträfling.
Foto: Flatland Productions
Kultur 1 2 Min. 13.03.2019

"Flatland" zeigt ein Südafrika im Zerrspiegel

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Nach der Berlinale kommt „Flatland“ von Jenna Bass jetzt beim LuxFilmFest auf das Programm. Er zeigt ein scheinbar extremes Alltagsgefühl zwischen Überlebenskampf und Kitsch, Gewalt und Soap Operas, Missbrauch und südafrikanischen Sprachenwirrwarr, unerfüllbaren Träumen und die Zwänge der offenbar unüberwindlichen Geschlechter-Rollenklischees.

Als die Premiere zum Auftakt des Panorama-Wettbewerbs vor etwa einem Monat bei den Internationalen Filmfestspielen gelaufen ist, liegen sich die Beteiligten an „Flatland“ in den Armen. Diese Luxemburger Koproduktion überhaupt so prominent zeigen zu können, überwältigt die Regisseurin Jenna Bass fast. 

Sie ist mit ihren Darstellerinnnen Faith Baloyi und Izel Bezuidenhout, sowie ihrem Produzenten David Horler eigens aus Südafrika angereist, um – nach „High Fantasy“ in der Jugendreihe des Festivals 2018 – wieder einen ihrer Filme bei der Berlinale zu präsentieren. 

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An ihrer Seite: Désirée Nosbusch und Alexandra Hoesdorff, die sich mit ihrer Luxemburger Filmfirma Deal Productions und Geld aus dem noch recht neuen Topf „Cineworld“ des Filmfunds an diesem dritten Langspielfilm-Projekt der Regisseurin beteiligt haben. Wer diese Situation erlebt hat, merkt, wie viel Herzblut in diesem Film steckt. 

Heldinnen in der winterlichen Halbwüste  

Über Jahre hat Jenna Bass an dem Streifen um drei Frauen gefeilt – und die Luxemburger Koproduktionsfirma hat ihr den Rücken gestärkt. Ein moderner „Western“, wie die Regisseurin sagt, ist da entstanden. 

Die Story in aller Kürze: Die Hochzeitsnacht zwischen Natalie und Bakkies endet im Fiasko. Nach der Vergewaltigung des weißen Polizisten an seiner jungen schwarzen Braut kommt es auf ihrer Flucht zu einem unabsichtlichen Todesschuss. Natalie rettet sich auf der Suche nach Hilfe zu ihrer einst besten Freundin Poppie. 

Mal hart an der Parodie, mal tief bewegend als dramatisch überhöhter Blick: Izel Bezuidenhout und Nicole Fortuin.
Mal hart an der Parodie, mal tief bewegend als dramatisch überhöhter Blick: Izel Bezuidenhout und Nicole Fortuin.
Foto: Flatland Productions

Die Schwangere bietet Natalie ihre Hilfe an, Richtung Cape Town zu fliehen – doch eine Polizistin hat sich schon an ihre Fersen geheftet. Wer wirklich den Abgleich zu historischen Cowboy-Streifen macht, merkt, wie viele Stilprinzipien und dramaturgische Parallelen in „Flatland“ stecken. 

Bis auf die Prämisse des zeitgenössischen Südafrikas – und Frauen als Heldinnen in der winterlichen Halbwüste der Karoo-Region. 

Von Kamerafahrten über Bildschnitte, von Schießereien bis zum Duell, vom Einsatz der Pferde bis zur Einzelkämpfermentalität, mal hart an der Parodie, mal tief bewegend als dramatisch überhöhter Blick, ein Zerrspiegel des heutigen Südafrikas. 

Zwischen Überlebenskampf und Kitsch  

Dieser Film soll aber auch als Kommentar zu der Gesellschaft des Landes und deren Grenzen verstanden werden. Er zeigt ein scheinbar extremes Alltagsgefühl zwischen Überlebenskampf und Kitsch, Gewalt und Soap Operas, Missbrauch und südafrikanischen Sprachenwirrwarr, unerfüllbaren Träumen und die Zwänge der offenbar unüberwindlichen Geschlechter-Rollenklischees. 

Dass „Flatland“ dann bei allem Anspruch der Macherinnen – das Team ist weitgehend weiblich – an Konzept, Aufbau und Charaktere seine Längen entwickelt und durchaus hätte ohne Verluste an inhaltlicher Tiefe gerafft werden können, gilt es zu bemängeln. Oder ist das ein zu europäischer Blick auf ein visuelles Empfinden, das in Afrika durchaus anders sein kann und dazu noch andere Bezugslinien als Mehrwert entfaltet? 
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Vorpremiere am Mittwochabend, um 21.15 Uhr, im Ciné Utopia, Englisch und Afrikaans, mit englischen Untertiteln.


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