Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Filmlegende Olivia de Havilland gestorben
Kultur 6 4 Min. 26.07.2020

Filmlegende Olivia de Havilland gestorben

Olivia de Havilland 2011 auf der 36ten Cesar-Awards-Zeremonie in Paris.

Filmlegende Olivia de Havilland gestorben

Olivia de Havilland 2011 auf der 36ten Cesar-Awards-Zeremonie in Paris.
Foto: AFP
Kultur 6 4 Min. 26.07.2020

Filmlegende Olivia de Havilland gestorben

Olivia de Havilland zählte zu den letzten Legenden von Hollywoods goldener Ära. Nun ist die Oscar-Preisträgerin mit 104 Jahren gestorben.

(dpa) - Olivia de Havilland hat ihre Leinwandpartner aus dem Südstaatenepos „Vom Winde verweht“ aus dem Jahr 1939 lange überlebt. Clark Gable alias Rhett Butler starb 1960, gerade 59 Jahre alt. Vivian Leigh, die die schöne Scarlett O'Hara spielte, war 53, als sie 1967 leblos neben ihrem Bett gefunden wurde. Leslie Howard, im Film der Gatte der klugen und tugendhaften Melanie Hamilton (de Havilland), kam schon im Zweiten Weltkrieg ums Leben.

Mit 104 Jahren (geboren am 1. Juli 1916) ist nun die zweifache Oscar-Preisträgerin de Havilland in Paris gestorben, wie ihre Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Filmlegende lebte bereits seit vielen Jahren in der französischen Hauptstadt. 1955 hatte sie in zweiter Ehe den französischen Schriftsteller und Journalisten Pierre Galante (1909-1998) geheiratet und Hollywood den Rücken gekehrt.

Bis ins hohe Alter war de Havilland kämpferisch. Einen Tag vor ihrem 101. Geburtstag zog sie in Los Angeles im Streit um die TV-Serie „Feud“ noch vor Gericht. Die im Stil einer Pseudo-Dokumentation gedrehte Serie handelte von der langjährigen Rivalität der beiden Hollywood-Diven Joan Crawford und Bette Davis, de Havilland wurde von Catherine Zeta-Jones dargestellt.

Sorge um ihren Ruf

Sie sei immer um Integrität und Würde bemüht gewesen. Klatsch und Lügen habe sie abgelehnt. In der Serie jedoch würden ihr in einem erfundenen Interview falsche Aussagen in den Mund gelegt. Ihr guter Ruf werde dadurch geschädigt, machte die Schauspielerin, die mit 100 Jahren von der britischen Queen zur „Dame“ geadelt wurde, in der Klage geltend. Doch im März 2018 erlitt sie vor einem Berufungsgericht in Los Angeles eine Niederlage.


(FILES) This file photo taken on September 09, 2010 shows English actress Jacqueline Bisset (R) next to US actress Olivia de Havilland (L) posing for a photograph on September 9, 2010 at the Elysee Palace in Paris.
Screen legend Olivia de Havilland, who turns 100 on Friday, is the last surviving star from "Gone with the Wind" and one of the last great stars of Hollywood's bygone golden era. The two-time Oscar winner and five-time Academy Award nominee came to embody the elegant glamour of the silver screen in the 1930s and 1940s.
 / AFP PHOTO / ERIC FEFERBERG
Olivia de Havilland feiert Geburtstag: Ein ganzes Jahrhundert
Ihre großen Kollegen Clark Gable und Vivian Leigh aus „Vom Winde verweht“ sind längst nicht mehr unter uns. Olivia de Havilland zählt zu den letzten Stars der goldenen Ära Hollywoods.

De Havilland hatte einen Traumstart in Hollywood. Als Kind britischer Eltern - ein Anwalt und eine Schauspielerin - in Tokio geboren, kam sie noch als Kleinkind nach Kalifornien. Der österreichische Theatermann Max Reinhardt entdeckte sie 19-jährig in der Rolle der Hermia in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Das Filmstudio Warner Brothers nahm sie gleich für sieben Jahre unter Vertrag und brachte sie an der Seite von Errol Flynn groß heraus.

Acht Filme drehte sie mit dem Herzensbrecher, darunter die Abenteuerschinken „Der Verrat des Surat Khan“ und „Robin Hood, König der Vagabunden“. Auf der Leinwand knisterte es heftig, doch allen Gerüchten zum Trotz seien sie nie ein Liebespaar gewesen, beteuerte die Schauspielerin.

„Vom Winde verweht“

In einem ihrer seltenen Interviews schaute sie 2015 auf „Vom Winde verweht“ zurück. Sie denke gerne an das Südstaatendrama, das sie „etwa 30 Mal“ gesehen habe, und an ihre Co-Stars, erzählte sie dem US-Magazin „Entertainment Weekly“. Mit dem Film verband sie aber auch eine bittere Enttäuschung. In der Oscar-Nacht 1940 wurde das Kostüm-Epos mit acht Trophäen ausgezeichnet, sie ging als Nebendarstellerin jedoch leer aus. In dieser Sparte gewann die schwarze Darstellerin Hattie McDaniel in der Rolle einer Haushälterin.

Doch den Verlust machte De Havilland später wett. 1946 gewann sie ihren ersten Oscar in der Hauptrolle von „To Each His Own“. Das Drama um eine ledige Mutter lief in Deutschland unter dem Titel „Mutterherz“. Drei Jahre später kam die Auszeichnung als beste Schauspielerin in William Wylers Rachedrama „Die Erbin“.

George W. Bush und Olivia de Havilland vor der Verleihung der National Medal of Arts 2008.
George W. Bush und Olivia de Havilland vor der Verleihung der National Medal of Arts 2008.
Foto: DPA

Der frühe Ruhm in Hollywood hatte seinen Preis. Der Zeitschrift „Vanity Fair“ vertraute de Havilland im Jahr 2016 an, dass sie damals „keine richtigen Freunde“ hatte und unter dem harten Wettbewerb litt.

Zugleich sorgte die bittere Fehde mit ihrer Schwester Joan Fontaine für Schlagzeilen. Der Streit vertiefte sich, als beide 1942 für einen Oscar nominiert wurden und die jüngere Joan für ihre Rolle in dem Hitchcock-Thriller „Verdacht“ gewann. In ihrer 1978 erschienenen Autobiografie „No Bed Of Roses“ schrieb Fontaine, dass die beiden einander schon als Kinder nicht mochten. Da herrschte zwischen den Schwestern schon lange Funkstille.

De Havilland wies das in dem „Vanity Fair“-Interview vehement zurück. „Ich habe sie als Kind so sehr geliebt“, meint die ältere der Schwestern. Doch mehr sagte sie nicht über den Bruch. Fontaine war 2013 mit 96 Jahren im kalifornischen Carmel gestorben.

Schlagzeilen machte de Havilland auch mit ihrem Feldzug gegen die Macht der Filmstudios. Anfang der 1940er Jahre prozessierte sie erfolgreich gegen Warner Bros., um sich aus einem langjährigen Vertrag zu befreien.

Engagiert bis ins hohe Alter

Ihre letzten großen Auftritte hatte sie als neurotische Exzentrikerin in „Der schwarze Spiegel“ (1946), in der Romanverfilmung „Meine Cousine Rachel“ (1952) und mit ihrer langjährigen Freundin Bette Davis in dem Psychothriller „Wiegenlied für eine Leiche“ (1964).


ARCHIV - 03.09.2008, Großbritannien, London: Der britische Schauspieler Ian Holm trifft zur Weltpremiere des Films "The Duchess" am Odeon Leicester Square ein. Der Darsteller des Bilbo Beutlin aus der Fantasy-Trilogie «Herr der Ringe», Ian Holm, ist gestorben. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Freitag unter Berufung auf seinen Agenten. Foto: Daniel Deme/EPA FILES/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
"Herr der Ringe"-Darsteller Ian Holm gestorben
Ian Holm, der in der "Herr der Ringe"-Triologie den Hobbit Bilbo Baggins gespielt hatte, ist im Alter von 88 Jahren in London verstorben.

Auch im hohen Alter, das man de Havilland kaum ansah, zeigte sich der Hollywood-Star noch in der Öffentlichkeit. 2003 flog sie zum 75. Jubiläum der Oscar-Verleihung nach Los Angeles und sprach auf der Bühne über ihre große Liebe für den Film. 2008 nahm die Schauspielerin vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush die hohe Auszeichnung National Medal for the Arts entgegen. 2009 vertonte sie einen Dokumentarfilm über Alzheimer-Therapien.

Ihre Langlebigkeit schrieb sie laut „Vanity Fair“ den drei L-Worten „Liebe, Lachen und Licht“ zu. Wie die zweifache Mutter „Entertainment Weekly“ vor ihrem 100. Geburtstag verriet, konnte sie ihr rundes Jubiläum kaum erwarten. „Die Vorstellung, ein ganzes Jahrhundert zu leben, gefällt mir sehr. Stellen sie sich das einmal vor. Was für eine Leistung.“

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

„Walk of Fame“: Amy Adams enthüllt "ihren"Stern
Stürmischer Applaus für Amy Adams (42) in Hollywood: Im Herzen der Filmmetropole enthüllte die Schauspielerin am Mittwoch ihren Stern auf dem „Walk of Fame“. Es ist die 2598. Plakette auf dem Hollywood Boulevard.
HOLLYWOOD, CA - JANUARY 11: Actress Amy Adams attends star ceremony on the Hollywood Walk of Fame on January 11, 2017 in Hollywood, California.   Alberto E. Rodriguez/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
New York: Schauspielerin Maureen O'Hara gestorben
Feuerrote Haare und große grüne Augen: Maureen O'Hara war eine Leinwand-Erscheinung. Jahrzehntelang feierte die Schauspielerin Erfolge und gehörte zur großen alten Garde Hollywoods. Jetzt ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben.
Honoree actress Maureen O'Hara poses during the Academy of Motion Picture Arts and Sciences Governors Awards in Los Angeles, California in this November 8, 2014, file photo. O'Hara, known for her flaming red hair and her roles in "The Quiet Man," "How Green Is My Valley," and other movie classics, has died of natural causes at the age of 95, her manager said on October 24, 2015.   REUTERS/Kevork Djansezian/Files