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Filmkritik: Zum Scheitern verurteilt
Kultur 1 2 Min. 27.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik: Zum Scheitern verurteilt

Zwei Liebhaber schöner Worte und voluminöser Bärte: Mel Gibson (l.) in der Rolle des Linguisten James Murray und Sean Penn als Dr. William Chester Minor.

Filmkritik: Zum Scheitern verurteilt

Zwei Liebhaber schöner Worte und voluminöser Bärte: Mel Gibson (l.) in der Rolle des Linguisten James Murray und Sean Penn als Dr. William Chester Minor.
Fotot: Fastnet Films
Kultur 1 2 Min. 27.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik: Zum Scheitern verurteilt

Mireille MEYER
Mireille MEYER
„The Professor and the Madman“ oder wie man eine an sich faszinierende Story ruiniert.

Ein Linguist, der sich sein beeindruckend umfangreiches Wissen selbst angeeignet hat, und ein im Irrenhaus sitzender wahnsinniger Mörder arbeiten ab 1857 gemeinsam daran, jedes Wort der englischen Sprache, seine Definition und seine Herkunft, im Oxford English Dictionary zusammenzutragen


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Dem Journalisten Simon Winchester ist es 1998 gelungen, über diese wahre und kuriose Geschichte ein erfolgreiches Buch zu schreiben. Doch die Verfilmung des Dramas ist eine geisttötende, blutleere Angelegenheit.

Problematisches Drehbuch

Eines der Probleme ist das Drehbuch. Da geht es um das Sammeln und Eintragen von Wörtern, eine intellektuelle Arbeit, die visuell nur sehr schwer in einer mitreißenden Art darzustellen ist. Darüber hinaus braucht man dafür nun wirklich keine Kinoleinwand. Ein Fernseher tut's auch.

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Dann wären da noch James Murray „der Professor“ (Mel Gibson) und Dr. William Chester Minor „der Madman“ (Sean Penn), die beide auf ihre Weise Underdogs sind, doch für die man zu keinem Moment genug Sympathien entwickelt, um ihnen die Daumen zu drücken.

Und weil so eine Männerrunde ohne Frauen fad ist, wird nicht etwa die Rolle von Murrays Frau Ada (Jennifer Ehle, deren Talent hier total verschwendet wird) ausgebaut. Nein. Da dichten die Autoren doch lieber eine haarsträubende Romanze zwischen Dr. Minor und der Witwe (Natalie Dormer in der Rolle der Eliza Merrett) des Mannes hinzu, für dessen Mord Minor einsitzt.

Einfach nur schräg

Im Schneideraum muss den Filmemachern aufgefallen sein, wie reizlos das Material ist. Denn an all den Stellen, an denen die Bilder nichts bringen, wird mit Musik und Gesang versucht, die Emotionen aus dem Kinobesucher herauszupressen.


Früh übt sich, wer später einmal König werden will – dies nimmt sich auch Löwenjunge Simba (JD McCrary) zu Herzen; sehr zum Leidwesen seines protokollarischen „Lionsitters“, des Rotschnabeltokos Zazu (der britische TV-Starhost John Oliver).
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Ein weiteres Problem sind die Herren Gibson und Penn. Wobei man sagen muss, dass Mel Gibson, der sich gleich nach Erscheinen des Buches die Filmrechte sicherte, die bessere, wenn auch verstaubte, Performance liefert. Sean Penn jedoch ist in der Rolle des ehemaligen Militärarztes einfach nur schräg. 

Der Begriff Nuance kommt in seinem Wörterbuch nicht vor. Wenn er sich brüllend, grunzend oder auch keuchend dem Wahnsinn hingibt, tut man sich schwer damit, sein Spiel nicht für eine Persiflage zu halten. Nur, dass sie nicht geistreich ist, da ist man sich sicher. Die Dialoge sind schwerfällig und manchmal wegen Penns Genuschel fast nicht zu verstehen.


(FILES) This file photo taken on September 01, 2007 shows Dutch Rutger Hauer posing during a photocall at Venice. - Blade Runner actor Rutger Hauer dies aged 75 on July 24, 2019. (Photo by Christophe SIMON / AFP)
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Getoppt wird das Durcheinander dann noch durch die an und für sich interessanten biografischen Informationen über das weitere Leben der beiden Protagonisten, die am Schluss des Filmes eingeblendet und dabei gänzlich von den Untertiteln überdeckt werden.



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