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Filmkritik zu "Star Wars 9": Es ist vollbracht
Kultur 1 4 Min. 21.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik zu "Star Wars 9": Es ist vollbracht

Mit Rey (Daisy Ridley) ist nicht (immer) gut Kirschen essen – und das ist auch gut so, denn auf ihr ruht die – wirklich auch – allerletzte Hoffnung der interplanetaren Rebellen im Kampf gegen die dunkle Seite der Macht.

Filmkritik zu "Star Wars 9": Es ist vollbracht

Mit Rey (Daisy Ridley) ist nicht (immer) gut Kirschen essen – und das ist auch gut so, denn auf ihr ruht die – wirklich auch – allerletzte Hoffnung der interplanetaren Rebellen im Kampf gegen die dunkle Seite der Macht.
Foto: Lucasfilm Ltd. / Disney Pictures
Kultur 1 4 Min. 21.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik zu "Star Wars 9": Es ist vollbracht

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
„Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker“ beschließt die Sternensaga mit einem Knaller.

Das muss Jeffrey Jacob Abrams erst einmal einer nachmachen: mutig genug zu sein, sich überhaupt der Mission anzunehmen, eine Scifi-Saga zu Ende zu bringen, die seit 42 Jahren von Millionen Filmfans weltweit gebannt und dementsprechend kritisch verfolgt wird, sich dabei weder von deren prüfendem Blick noch vom geradezu erdrückenden Erbe des Übervaters in Person von „Star Wars“-Erfinder George Lucas einschüchtern zu lassen – und dann auch noch mehr abzuliefern, als überhaupt zu erwarten gewesen wäre.

Nun, ohne zu spoilern, lautet das Fazit nach 141 Minuten Film eindeutig: Mission erfüllt – und zwar mit Bravour! 

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Der neunte und letzte Teil der dritten und finalen Trilogie, wie sie von Anbeginn von Lucas geplant war, ist ein würdiger Abschied, der allen gerecht wird: der „Star Wars“-Reihe selbst, die Filmgeschichte schrieb, George Lucas, der mit ihr Generationen prägte, und den Fans, deren Leben sie in unterschiedlichster Form mitbeeinflusst hat – und sei dies nur, kostümiert zur ersten Vorführung, gestern Morgen um 9.45 Uhr im Kinepolis Kirchberg zu erscheinen ...

Dieses Lebewohl entspricht nämlich genau dem, was man sich von solch einem emotionalen Moment erwartet: Große Gefühle und kleine Gesten, die beide gleichermaßen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und somit nicht das traurige Gefühl geben, dass hier etwas unwiederbringlich vorbei ist, sondern dieses erhebende Empfinden, Bestandteil von etwas Großem gewesen zu sein. Abrams, der die Saga bereits 2015 erfolgreich mit „Episode VII – The Force Awakens“ wiederbelebte, gelingt es dabei, eine persönliche Note mitsamt dem ihn charakterisierenden Humor zu geben. Dass er ein wahrer „Star Wars“-Kenner ist, macht ihn zum Könner, denn er führt alle Elemente, die die Faszination von Lucas’ Universum ausmachen, zusammen. 

Foto: Lucasfilm Ltd/Disney Pictures

Abrams ist ein Kenner, das macht ihn zum Könner   

Da wären erst mal die Figuren, mit deren Suchen und Zweifeln, Streben und Scheitern sich – trotz ihrer Eigenarten – jeder einzelne Zuschauer leicht identifizieren kann. Dazu kommt das geschickte Paaren von Oberflächlichkeit und Tiefgang, von der unterhaltsamen und ansprechenden formalen Umsetzung, mit einer Thematisierung der großen Fragen des Lebens – „Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was bedeutet Freiheit? Was Freundschaft? Was Macht? Und was Verantwortung?“

Weil er sich, statt der Verlockung zu erliegen, dem Film zwangsläufig seine Duftmarke aufdrücken zu müssen, ganz in den Dienst des Epos stellt, geht Abrams als „primus inter pares“ mit gutem Beispiel voran und schafft so auch auf der Leinwand zwischen seinen Schauspielern – den vertrauten, alten Profis von den Anfängen der Saga und den neuen, jungen Wilden, die sie beschließen müssen – dieses Gemeinschaftsgefühl, das die kennzeichnende Stärke von „Star Wars“ ausmacht.


Die letzte Hoffnung der Jediritter ruht auf Rey (Daisy Ridley) - auch im wahren Leben ist jeder Einzelne von uns im Kampf gegen die dunkle Seite der Macht gefordert.
Der Kampf geht weiter
Wir können aus der "Star Wars"-Sage so manches lernen, was für das richtige (Zusammen-)Leben wichtig ist.

Und die ist bitter nötig, denn die schwer angeschlagene Rebellion, die mit Luke Skywalker nicht nur ihre Galionsfigur, sondern beim letzten Gefecht mit dem totalitären „First Order“ die Mehrzahl ihrer Kämpfer verloren hat, bäumt sich zu einem letzten, entscheidenden Duell auf. Alle Hoffnung ruht nun auf der Waisen Rey (Daisy Ridley), die als letzte Jedi-Ritterin dem neuen starken Mann der dunklen Seite, Kylo Ren (Adam Driver), entgegentritt.

Doch während beide gegeneinander und ihre eigenen inneren Dämonen kämpfen müssen, taucht aus der Vergangenheit ein alter Bekannter wieder auf, der alle Karten neu mischen könnte – und den Ausgang des Kampfes der Jedi gegen die Sith unvorhersehbarer denn je macht ...

Der Film hat jedoch gleich doppelt die Macht, Tote zum Leben zu erwecken: Auch Prinzessin Leia ist erneut mit von der Partie, wenngleich sich Carrie Fishers Ableben am 27. Dezember zum dritten Mal jährt. Fans dürfen jedoch beruhigt sein, es handelt sich hierbei – trotz der schier unendlichen Möglichkeiten digitaler Auferstehung, wie sie beispielsweise Peter Cushing im Ablegerfilm „Rogue One: A Star Wars Story“ zuteilwurde –, um „richtiges“ Archivmaterial, das von den Drehbuchautoren geschickt in den Erzählbogen eingebaut wurde. Die Leia auf der Leinwand ist also echt, nur wurden – dank „Rotoscoping“-Verfahren – die Kulissen, vor denen sie spielt, nachträglich hinzugefügt. Dass dieses Wissen die Emotionalität der Geschichte potenziert, steht außer Frage. 

Foto: Lucasfilm Ltd/Disney Pictures

Die alten, weißen Männer sind endgültig passé 

Dabei sind diese Form von Respekt, die unverkennbare Musik und vertraute Erzählschemata nicht die einzigen Bekenntnisse zur „Old School“-Philosophie von Hollywoods Wunderknaben Abrams, der beschließt, was Lucas 1977 mit „Star Wars: Episode IV – A New Hope“ einläutete: Er drehte auch noch ganz analog auf 35- und 70-mm-Film. Und mit Anthony Daniels hat er eine Geek- würdige Hommage: Als einziger Schauspieler ist er in allen neun Filmen dabei – und nicht einmal zu sehen, da er im Kostüm des Roboters C-3PO steckt.

Nachdem ab 2015 und dem ersten Teil der dritten Trilogie „Star Wars: Episode VII – The Force Awakens“ sowie zwei Jahre später in „Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi“ konsequent mit Rey (Daisy Ridley) auf eine moderne, weibliche Heilsfigur gesetzt wurde, bringen die Drehbuchautoren Abrams und Chris Terrio (Oscar- preisgekrönt für „Argo“) die Saga mit „Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker“ resolut in die Jetztzeit: Sie läuten nämlich – mit Pauken und Trompeten – den Niedergang der Komfortzonen-Welt der alten, weißen Männer ein.

Denn der philosophische und zugleich politische Diskurs, den der Film sich ganz offen auf das Banner schreibt und mit Nachdruck beschwört, ist nichts Anderes, als ein vereinigendes „Yes we can!“, das weit über Amerikas Grenzen hallt.

Am Ende des kurzweiligen „Magnum Opus“ bleibt dem Zuschauer eine Mischung aus Traurigkeit und Freude. Der gemeinsame Weg ist nun beendet, er kann jedoch auch nach 42 gemeinsamen Lebensjahren noch solch starke Emotionen schaffen, dass er den gemeinsamen Blick nach vorne zu lenken vermag. Was will man eigentlich mehr? 

Foto: Lucasfilm Ltd./Disney Pictures



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FRANCE/