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Filmkritik „Knives Out“: eine schrecklich nette Familie
Kultur 2 3 Min. 30.11.2019

Filmkritik „Knives Out“: eine schrecklich nette Familie

Die Ähnlichkeit mit James Bond ist rein äußerlich, denn Daniel Craig (l.) lässt als Privatermittler Benoit Blanc – hier mit Lieutenant Elliott (LaKeith Stanfield) und Trooper Wagner (Noah Segan, r.) – seineandere Paraderolle gänzlich vergessen.

Filmkritik „Knives Out“: eine schrecklich nette Familie

Die Ähnlichkeit mit James Bond ist rein äußerlich, denn Daniel Craig (l.) lässt als Privatermittler Benoit Blanc – hier mit Lieutenant Elliott (LaKeith Stanfield) und Trooper Wagner (Noah Segan, r.) – seineandere Paraderolle gänzlich vergessen.
Foto: Lionsgate
Kultur 2 3 Min. 30.11.2019

Filmkritik „Knives Out“: eine schrecklich nette Familie

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Mit dem klassisch wirkenden "Whodunit" versucht Regisseur Rian Johnson, der Krimikönigin Agatha Christie Konkurrenz zu machen.

Das Familienfest endet in einer Tragödie: Eigentlich hatte Krimi-Bestsellerautor Harlan Thrombey (Oscar-Preisträger Christopher Plummer) nur all seine Lieben um sich vereint, um den 85. Geburtstag gebührend zu feiern. Doch dann gibt es zumindest für diese ein böses Erwachen. 

Der Patriarch im Kreis der Familie -  noch lebt er.
Der Patriarch im Kreis der Familie - noch lebt er.
Foto: Lionsgate

Am Morgen nach der Party ist der Patriarch nämlich tot: Seine Halsschlagader wurde durchtrennt. Die einzige Frage, die dann im Raum steht, ist nicht, woran er gestorben ist, sondern wessen Hand das Messer führte. 


D'Woch am Kino: Dirbach-Plage
Wo liegt Dirbach-Plage? Irgendwo im Ösling, jedenfalls an der Sauer. Dort hat es die Belegschaft von "Alter Native" zu einer Weihnachtsfeier verschlagen. Ein außergewöhnlicher Luxemburger Film.

War er es gar selbst? Oder aber einer seiner lieben Verwandten? Vielleicht Sohn Walter (Michael Shannon), der dem väterlichen Verlagsimperium nunmehr voransteht? Gar die durch Immobiliengeschäfte erfolgreich gewordene Tochter Linda (Jamie Lee-Curtis), ihr flatterhafter Ehemann Richard Drysdale (Don Johnson) oder ihr Sohn, der Sunnyboy Ransom (Chris Evans)? Oder aber die verwitwete Schwiegertochter und Influencerin Joni (Toni Collette) mitsamt ihrem studierenden Sprössling Meg (Katherine Langford), deren Lebensstil Harlan noch immer mitfinanziert? Hatte gar Harlans junge, uruguayische Krankenschwester Marta Cabrera (Ana de Armas) etwas damit zu tun?

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 Zumindest scheinen sie (fast) alle mit verdeckten Karten zu spielen und etwas zu verbergen zu haben. Das ahnt der von einem anonymen Auftraggeber engagierte Privatermittler Benoit Blanc (Daniel Craig) schnell. Und der hat alle Hände voll zu tun, hinter die Masken dieser schrecklich netten Familie zu blicken, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Nicht von ungefähr mutet „Knives Out“ wie ein klassisches „Whodunit“ – sprich „Wer hat's getan“, an und weckt Erinnerungen an die Glanzstunden dieses Genres, dem die Königin des Kriminalromans, Agatha Christie mit ihrem Hercule Poirot den Ritterschlag verpasste.

Die passende Einstimmung auf das Weihnachtsfamilienessen

Regisseur Rian Johnson selbst, der ebenfalls das Drehbuch schrieb, beschreibt so Blanc, gespielt von einem Daniel Craig, der die Meisterleistung vollbringt, seinen James Bond (trotz Tweedmantel!) vergessen zu lassen, als „amerikanischen Poirot“ – und legt seiner Figur des Ransom die wundervolle Textzeile in den Mund: „Was ist das? CSI: KFC“, sprich „Kentucky Fried Chicken“ wegen Blancs breitem Akzent. 

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Während er in der ersten Hälfte seines Films den Zuschauer mit seinem Cluedo-Spiel mitsamt visuell ansprechendem Finde-den-Mörder-Haussetting bei Atem (und Laune) hält, weil dieser sich ständig konzentriert einbringen muss, um alle Figuren auf dem Spielfeld zu platzieren, flacht die Spannung beim eigentlichen Ermittlungsteil und seinen zahlreichen Wendungen etwas ab.


Christian Bale (l.) und Matt Damon spielen das geniale Rennsportduo Miles/Shelby.
"Le Mans 66": Ausladend erzähltes Rennfieber
Das Biopic mit dem Duo Bale/Damon ist schlicht gut gemachtes Kino, aber geht inhaltlich eigentlich komplett am Zeitgeist vorbei.

Zum Glück hat Johnson aber bei seiner Besetzung ein überaus glückliches Händchen und seine Schauspieler blühen in ihren respektiven Rollen geradezu auf, was das Publikum auf Dauer dann doch bei Strange hält. Vielleicht ist dieses herrlich altmodisch daherkommende Projekt unterm Strich nichts anderes als eine Art Katharsis für den amerikanischen Filmemacher, Jahrgang 1973, der zuletzt 2017 mit „Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi“ gleichermaßen im Rampenlicht und dem Feuer der Kritik enttäuschter Krieg-der-Sterne-Fans stand. 

Ach die liebe Familie... -  auf dem Geburtstagsfoto herrscht noch Eintracht.
Ach die liebe Familie... - auf dem Geburtstagsfoto herrscht noch Eintracht.
Foto: Lionsagte

Dabei hatte der Amerikaner bereits 2012 mit „Looper“ unter Beweis gestellt, dass er sowohl in der Orthografie (Bildsprache) als auch der Grammatik (Erzählbogen, Rhythmus, Schnitt) der Filmsprache sattelfest ist – und untermauert dies handwerklich nun ebenfalls mit „Knives Out“. Mit seinen Charakteren, die so manchem Zuschauer beim Blick in den eigenen Familienkreis vertraut erscheinen mögen, und der bedrohlichen Aussicht auf das sich nähernde, meist alles andere als friedliche Familienessen zu Weihnachten, dürfte „Knives Out“ die perfekte Einstimmung auf die kommenden Festtage sein. 

Oder, um Leo Tolstois berühmten ersten Satz von „Anna Karenina“ dem modernen Zeitgeist gemäß zu aktualisieren: „Alle dysfunktionalen Familien gleichen einander, jede gestörte Familie ist auf ihre eigene Weise gestört.“ Quod erat demonstrandum!

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