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Filmkritik: Einschläfernde Gehirnwäsche
Kultur 2 2 Min. 26.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik: Einschläfernde Gehirnwäsche

Miranda (Katie Holmes, l.) und Bray (Josh Lucas) treffen offenbar nicht zufällig aufeinander. Hier hat das Universum seine Finger im Spiel.

Filmkritik: Einschläfernde Gehirnwäsche

Miranda (Katie Holmes, l.) und Bray (Josh Lucas) treffen offenbar nicht zufällig aufeinander. Hier hat das Universum seine Finger im Spiel.
Foto: Lionsgate
Kultur 2 2 Min. 26.09.2020 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik: Einschläfernde Gehirnwäsche

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
„The Secret: Dare to Dream“ zeigt, dass man Selbsthilfebücher besser nicht in eine Story fürs Kino ummünzt.

Die Heilsversprechen locken echt überall. Das ist bei den Medien, die alle mit dem Label „The Secret“ beklebt sind, nicht anders – und das gilt eben auch für den gerade in den Kinos angelaufenen Film „The Secret: Dare to Dream“ von Regisseur Andy Tennant („Anna and the King“, „Sweet Home Alabama“).

Der ist eine romantisch-kitschige fiktionale Klitterung der in den Büchern und im Dokumentarfilm seit 2006 unter dem Titel „The Secret“ propagierten Selbsthilfelehre. Zugrunde liegt dieser Selbsttherapieform, die der australischen Autorin und Filmproduzentin Rhonda Byrne bereits mehr als nur einige Millionen US-Dollar eingebracht haben soll, der Gedanke des „Law of Attraction“, dem „Gesetz der Anziehung“ oder auch dem „Resonanzgesetz“.

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Das wiederum geht von kosmischen Wellen und Schwingungen aus, die man komplett mit Gedanken manipulieren und damit das eigene Leben positiv beeinflussen kann. Das sei ein uraltes kosmisches Gesetz, das Platon und Einstein bekannt war – das behauptet zumindest Byrne, die ein über einhundert Jahre altes Buch gefunden haben will, die ihr dieses Geheimnis offenbart habe. 

Ein Beispiel: Wenn der Arbeitsplatz in der Schwebe steht, muss man nur fest genug und im selbstbewussten Wissen um die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten mit positiven Gedanken alle negativen vertreiben – und schon behält man den Job. Das mag jetzt eine für Befürworter dieser Idee allzu ketzerische Vereinfachung der Lehre sein, trifft es aber offenbar. 

Der Film erklärt das mit Magnetismus: „Your thoughts work the same way. The more you think about something, the more you draw it to you“, sagt Bray (Josh Lucas), der in das Leben der Witwe Miranda (Katie Holmes) und ihren drei Kindern tritt und mit einem Kühlschrankmagneten die unsichtbaren Kräfte verdeutlicht. Positives Denken ziehe Positives an – und was du wirklich willst, bekommst du auch. Und den Rest regelt das Universum ganz von allein; selbst in Corona-Zeiten. So einfach kann das also sein.

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„I’ve found that when I think about what I want instead of what I don’t want, my life is just so much better“, sagt Bray, der hier die Predigerrolle übernimmt. Letzten Endes ist der Film also ein mediales Transportvehikel, um der Lehre eine Story zu geben. Die kann dann nur sowas von gut ausgehen: Es werden alle möglichen Überwindungen von Schicksalsschlägen (Hurricane, Trauer, Schulden, schwerste Verletzungen) und Erfüllungen von Herzenswünschen denn auch tatsächlich wahr.

Positives Denken hilft bei dem Film nichts

Jenseits dieser Aneinanderreihung ist dieser Film sonst nichts anderes als eine mit 107 Minuten viel zu lang geratene Schnulze in Kalenderspruchdialogen und unbeholfenem Witz, die selbst Rosamunde Pilcher spannender hätte schreiben können. Der Streifen mit Missionsauftrag dümpelt dann schwer ermüdend vor sich hin, selbst wenn Regisseur Tennant versucht, das mehr als mäßige Drehbuch mit viel Porträtkamera und gesponserten Postkartenaufnahmen des US-amerikanischen Südens zu retten. 

Das alles vermischt unter die offenbar notwendige Heilssymbolik von Licht, die Anfangs- und Schlusssequenz mit Flug durch das Universum hin und weg von der Erde und Louisiana, die diesen herrlich-extremen Hauch von Esoterik verströmt, und geradezu lächerliches Productplacement von Ford und Coca-Cola. 

Nun also hier ein positiver Gedanke an das Universum: „Hiermit werden sämtliche Leserinnen und Leser diese plumpe Gehirnwäsche leicht durchschauen oder erst gar nicht erst ins Kino gehen, sondern ihr Glück bei der Suche nach Unterhaltung auf andere Art finden.“ Und? Hat es funktioniert? Fest genug gedacht war es jedenfalls.

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