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Filmkritik der Woche: "Star Wars" : Der nächste Messias ist eine Sie
Kultur 5 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: "Star Wars" : Der nächste Messias ist eine Sie

Das neue Power-Duo: Lumpensammlerin Rey (Daisy Ridley) und Ex-Stormtrooper Finn (John Boyega).

Filmkritik der Woche: "Star Wars" : Der nächste Messias ist eine Sie

Das neue Power-Duo: Lumpensammlerin Rey (Daisy Ridley) und Ex-Stormtrooper Finn (John Boyega).
(FOTO: LUCASFILM)
Kultur 5 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: "Star Wars" : Der nächste Messias ist eine Sie

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
38 Jahre ist es her, dass "Star Wars" in die Kinos kam, zehn seit der letzte Teil der Saga dort lief: Nun ist die Macht erneut erwacht - und beschert dem Publikum das perfekte Weihnachtsgeschenk schlechthin - mit Spannung, Unterhaltung und Humor.

von Vesna Andonovic

Eigentlich ist es schon erstaunlich: Die Dauer zwischen unterschiedlichen Teilen bestimmter Filmreihen ist wohl die einzige Zeitrechnung, die beim Zuschauer keine Sinnkrise in Bezug auf die eigene Sterblichkeit auslöst.

Im Gegenteil, wahre (Vor-)Freude über das Wiedersehen mit den alten Bekannten füllt die Zeit des Wartens. Denn zehn Jahre lang mussten sich die Fans der galaktischen Saga „Star Wars“ in Geduld üben, um herauszufinden, wie die Familiengeschichte der Skywalkers – und durch sie der Einfluss der Macht auf das gesamte Universum – weitergeht.

Das Warten hat ein Ende

Und die noch eindrucksvollere Zahl gleich dahinter: Immerhin sind ganze 38 Jahre vergangen, seit der erste „Star Wars: Episode IV – A New Hope“ 1977 in die Kinos kam. In der Kurzlebigkeit der Filmwelt eine wahre Ewigkeit. Die Warterei hat nunmehr ein Ende: Die Macht erwacht – zum siebten Mal.

Das Imperium ist besiegt, doch schon steht eine neue Bedrohung vor der Tür.
Das Imperium ist besiegt, doch schon steht eine neue Bedrohung vor der Tür.
Foto:Lucasfilms

Die Geschichte in der – spoilerlosen – Zusammenfassung: Der Kampf zwischen Gut und Böse geht weiter, er ist spannend wie eh und je, und selbst alle Alice Schwarzers dieser Welt dürften beglückt aus der Vorführung herauskommen.

Kurz: „The Force Awakens“ ist nicht nur ein guter „Star Wars“, er ist einer der bislang besten!

Und somit gleich vorweg: Man muss kein Fan sein, um sich bei „Star Wars: The Force Awakens“ prächtig zu amüsieren, also mitzufiebern, zu schmunzeln und – höchste Anerkennung seiner Leistung – sich mit einer Prise Ungeduld zu fragen, wie es denn weitergeht.

Abrams' Ehre und Bürde

J. J. Abrams, dem die Ehre – und zugleich Bürde – zuteil wurde, Regie beim ersten Opus der dritten Trilogie der Saga zu führen, versteht definitiv etwas von seinem Handwerk, das im Idealfall Unterhaltung und Anspruch vereint – und dies hier auch tut. Da der amerikanische Filmemacher, Jahrgang 1966, bereits erfolgreich die andere große SciFi-Reihe „Star Trek“, für deren beiden ersten „neuen“ Filme er ebenfalls verantwortlich zeichnet, wiederbelebte, dürfte die Anspannung der Fans eher mit freudiger Erwartung vor dem Resultat, denn Angst erfüllt gewesen sein, dass die Essenz „ihrer“ Saga nun vielleicht verraten werden würde.

Blick hinter die Kulissen: Das komplette "Star Wars: The Force Awakens" beim Probelesen
Blick hinter die Kulissen: Das komplette "Star Wars: The Force Awakens" beim Probelesen
Foto: Lucasfilms

Denn seit die „Marke Star Wars“, mitsamt ihrer Geburtsfirma „Lucasfilm“ im November 2012 in die Hände des Disney-Imperiums überging, hätte man eine Verzerrung von George Lucas Vision befürchten können. Der „Macht“ sei Dank – ist dem zumindest bei diesem ersten Film unter neuer Federführung nicht so.

Das Publikum taucht also erneut ab in den ewigen, intergalaktischen Kampf von Gut gegen Böse mit „The Force Awakens“, der 30 Jahre nach dem chronologisch davor gelegenen „Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi“ (1983) spielt.

Endlich chronologisch

Somit dürfte zumindest das Hin und Her zwischen Prequel-, Original- und Sequel-Trilogie (also die neue Dreierreihe, die „The Force Awakens“ nun einläutet), zwischen die sich auch noch schwupps, zwei Serien-Ableger „Star Wars: The Clone Wars“ und „Star Wars Rebels“ drängen, nunmehr ein Ende haben: Der siebte Teil der Filmreihe ist nämlich auch in der Chronologie der Erzählung der siebte.

Der neue Darth Vader - die Ähnlichkeit ist definitiv nicht zufällig.
Der neue Darth Vader - die Ähnlichkeit ist definitiv nicht zufällig.
Foto: Lucasfilms

Die Rebellen haben das Imperium besiegt, Luke Skywalker ist seit 30 Jahren untergetaucht, und das Böse kehrt unter neuem Deckmantel – mit klarer Nazi-Anlehnung – und mit neuem Bösewicht Kylo Ren zurück. Wo Schatten ist, ist jedoch stets auch Licht, und neue, unerwartete Helden werden geboren ...

Alte und neue Eisen im Feuer

Geradezu astronomisch ist das 200-Million Dollar-Budget – und dabei ist es nicht einmal eine Risikoproduktion, sondern ein sicheres Invest, spielte er schon durch den Ticketvorverkauf bereits über 50 Millionen Dollar ein.

Um den von George Lukas erfundenen Charakteren frisches Leben einzuhauchen holte sich J. J. Abrams als Drehbuchverstärkung Kollege Lawrence Kasdan (bei „Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back“ erstmals mit dabei) und Michael Arndt (der mit „Oblivion“ SciFi- und mit „The Hunger Games: Catching Fire“ Action-Erfahrung mitbringt).

Und dem Trio gelingt eine Mischung zwischen altbekannten Themen und Figuren und neuen – nicht nur hinter, auch auf der Leinwand hat ein Generationswechsel stattgefunden und selbst eine durchaus zeitgemäße Anpassung der Geschlechter- und Heldenrollen hält Einzug. Nicht von ungefähr: Der neue Messias ist eine „Sie“! Dabei entstehen in der Schwarz-Weiß-Welt plötzlich eine ganze Reihe faszinierender Grau-Schattierungen, die sie nicht nur vermenschlichen, sondern auch wesentlich packender und spannungsgeladener machen. Wie Lucas fokussiert Abrams zu Beginn vornehmlich auf seine Figuren und baut so, durch Empathie, flugs eine aktive Bindung des Zuschauers zum Geschehen auf.

Visuelle "Vintage"-Patina

Um dem Film eine visuelle Patina zu verleihen, die in einer gewissen Kontinuität zu den chronologisch davor spielenden Filmen von Lucas' Original-Trilogie liegt, setzt Abrams eher auf reelle Drehorte (u. a. die arabische Wüste und als krönender Abschluss die atemberaubende irische Skellig-Michael-Insel) und Modelle, also auf Computer generierte Bilder.

So entsteht eine inhaltliche und formale Hommage an Lucas’ Vision dieser Zukunft, die in der Vergangenheit spielt, wie man sie sich nur wünschen kann: Nämlich nicht als Karikatur, gar zwangsläufig billige Kopie, sondern als Wiederbelebung einer Leitidee, die so präsentiert in der aktuellen CGI-Überbietungstendenz erfrischend „old school“ daherkommt.

Das Beste an den Spezialeffekten ist, dass sie total gewöhnlich, sprich glaubhaft daherkommen. Selbst die (nachträgliche) 3D-Bearbeitung ist in der Umsetzung so fein verwoben, dass sie nicht wie ein Klotzen daherkommt, sondern wie ein ganz natürliches Eintauchen in ein Universum.

Für eine Frischzellenkur der Besetzung sorgen die bislang eher unbekannte Schauspielerin Billie Lourd als Rey und der schon in „Attack the Block“ positiv aufgefallene Brite John Boyeg, der den plötzlich vom Gewissen geplagten Stormtrooper Finn gibt. Auch der neue Bösewicht wird von Adam Driver in seiner Dunkelheit und seinem Zweifel gleichermaßen schlüssig verkörpert.

Finn - ein Stormtrooper entdeckt sein Gewissen.
Finn - ein Stormtrooper entdeckt sein Gewissen.
Foto: Lucasfilms

Dabei vergisst Abrams, auch wenn er Lucas' Rezept von damals – mit neuen Gesichtern zu drehen – wiederholt, dennoch nicht, wer eigentlich den Erfolg der Reihe ausgemacht hat: die Originale. Carrie Fisher und Mark Hamill kehren als Leia und Luke zurück, und auch mit dem – wie sie inzwischen ergrauten – Harrison Ford als Han Solo und den liebenswerten C-3PO, R2-D2 und Chewbacca hat Abrams die alte Garde, die nichts an Feuer verloren hat, erneut mobilisiert.

Die überschwängliche Freude – so als ob ein Kind mit seinem Lieblingsspielzeug herumtollt –, die „Star Wars: The Force Awakens“ versprüht, qualifiziert ihn definitiv zum wiederholten Ansehen: Die Macht ist mit ihm!


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Ph: Film Frame

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