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Filmkritik der Woche: „Red Sparrow“
Kultur 1 2 Min. 05.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: „Red Sparrow“

Eiskalt, freizügig und ganz schön brutal: Jennifer Lawrence als Spionin Dominika Egorova.

Filmkritik der Woche: „Red Sparrow“

Eiskalt, freizügig und ganz schön brutal: Jennifer Lawrence als Spionin Dominika Egorova.
FOTO: MURRAY CLOSE, TWENTIETH CENTURY FOX FILM CORPORATION
Kultur 1 2 Min. 05.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: „Red Sparrow“

Mireille MEYER
Mireille MEYER
Das hätte was werden können: Jennifer Lawrence, eine der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt, in einem Hochglanz-Agentenfilm. Leider ist der Streifen weder eine packende Spionage-Story, noch eine Parodie des Genres, sondern ein unbehagliches Zwischending.

Die ganze Chose beginnt recht beeindruckend: Primaballerina Dominika Egorova (Lawrence) tanzt im Bolschoi-Theater auf den Höhepunkt des Abends zu. Zeitgleich setzt CIA-Spion Nate Nash (Joel Edgerton) dazu an, seinen russischen Informanten im Gorky Park zu treffen. Die Art und Weise, wie beide Szenen zusammengeschnitten sind, ist effektvoll, keine Frage. Doch von da an geht es inhaltlich nur noch bergab, auch wenn zu keinem Moment Langeweile aufkommt. Die Story wird gedreht und gewendet (Dominika muss sich um ihre kranke Mutter kümmern, verliert ihr Einkommen und wird Zeugin eines Mordes) bis Drehbuchautor Justin Haythe glaubt, den Zuschauer davon überzeugt zu haben, dass die junge Frau keine andere Wahl mehr hat, als sich in die „Obhut“ ihres schmierigen Onkels Vanya (Matthias Schoenaerts) zu begeben.

Die Kunst der Verführung

Der schickt sie in ein Trainingslager, in dem sie zum „Red Sparrow“ ausgebildet werden soll: Einem Agenten, der alle Techniken der psychologischen Manipulation und der Verführung beherrscht.

„Jeder Mensch ist ein Puzzle aus Bedürfnissen. Lerne das fehlende Stück zu sein, und sie werden dir alles geben“, zischt die Matrone der „Eliteschule“ (Charlotte Rampling). Interessanterweise scheint dieses fehlende Stück immer die Erfüllung sexueller Bedürfnisse zu sein. Jennifer Lawrence verbringt denn auch ein Großteil ihrer Zeit auf der Leinwand nackt, beziehungsweise spärlich bekleidet. Doch, doch, sie lernt in ihrer Ausbildung auch, Türschlösser aufzubrechen, Spuren zu sichern und ja, sie muss sich auch körperlich fit halten. Aber eigentlich dreht sich alles nur um Sexspielchen, und dementsprechend gehört zum Lehrplan auch das Anschauen von S&M-Videos.

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Man kann diese irrwitzige Handlung nicht ernst nehmen, fragt sich, ob man nicht einfach darüber lachen sollte. Als Dominika ihrem Onkel dann wütend an den Kopf wirft: „Du hast mich auf eine Huren-Schule geschickt“, hegt man kurz die Hoffnung, der Film sei eine Parodie auf das Spionagegenre. Aber nein, Regisseur Francis Lawrence meint es tatsächlich todernst.

Der Streifen sieht sich hemmungslos in einer Liga mit den Spionagethrillern eines John le Carré. Dafür ist er jedoch nicht intelligent genug. Die Täuschungsmanöver und Wendungen in der Story sind allesamt weniger überraschend als vielmehr aufgebläht. Hinzu kommt, dass jeder, der Dominika gegenübersteht, bereitwillig die Hosen runterlässt, sobald sie aus dem Höschen steigt.

Unglaubwürdig und verstörend

Der Film kann sich vor Klischees kaum retten. Bevor Dominika ihre erste Mission antritt, greift sie selbstverständlich zum Wasserstoffperoxid, denn als Waffe muss eine Frau blond sein. Sie fängt auch mit dem Rauchen an, denn wie sähe eine Befragung in einem dunklen Raum aus, wenn sich Frau dabei nicht eine Fluppe zwischen die sinnlichen Lippen stecken würde?

Leider sind nur sehr wenige russische Schauspieler gecastet worden. Lieber versuchen englischsprachige, sich mit einem mehr oder minder geglückten slawischen Akzent durchzumogeln.

Außerordentlich brutale Folterszenen kann der Film auch aufweisen. Unglaubwürdig ist dabei vor allem eine, in der ein ganz bestimmtes Messer, auf eine Bitte hin, den „Besitzer“ wechselt.

Wer noch einen Beweis für die Unsinnigkeit dieses Films braucht: Mary-Louise Parker spielt die Stabschefin eines US-Senators, die Staatsgeheimnisse an die Russen verkaufen möchte. In Zeiten, in denen man nicht mal mehr einen Laptop mit CD-Laufwerk kaufen kann, bringt sie die Militärpläne auf Floppy Disks mit! 


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