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Filmkritik der Woche: "Me and Earl and the Dying Girl": Freunde fürs Sterben
Ein Schicksalsschlag führt Rachel (Olivia Cooke), Greg (Thomas Mann, M.) und Earl (RJ Cyler) zusammen.

Filmkritik der Woche: "Me and Earl and the Dying Girl": Freunde fürs Sterben

(FOTO: INDIAN PAINTBRUSH)
Ein Schicksalsschlag führt Rachel (Olivia Cooke), Greg (Thomas Mann, M.) und Earl (RJ Cyler) zusammen.
Kultur 2 Min. 21.11.2015

Filmkritik der Woche: "Me and Earl and the Dying Girl": Freunde fürs Sterben

„Me and Earl and the Dying Girl“ ist eine flammende Liebeserklärung an den Film, die Freundschaft und das Leben.

von Vesna Andonovic - Vor knapp einem Jahr rührte ein Film junge Zuschauer buchstäblich zu Tränen: „The Fault in Our Stars“, nach dem 2012 veröffentlichten Roman des Amerikaners John Green. Er erzählt 
eine Teenager-Liebesgeschichte vor Krebserkrankungshintergrund.

Liest man nun die 
Synopsis von „Me and Earl and the Dying Girl“, könnte man sich fragen, wer sich da bei wem 
inspiriert hat. Denn die Story nach dem gleichnamigen, ebenfalls 2012 erschienenen Buch seines Landsmanns Jess Andrews ist in einem ähnlichen Register 
angesiedelt: Er thematisiert 
eine Teenager-Freundschaft vor Krebserkrankungshintergrund.

Liebeserklärung an Film, Freundschaft und Leben

Im Gegensatz zum ersten Film wird jedoch hier nicht aus der Perspektive des Kranken, sondern seines gesunden Freundes erzählt. Das klassische Coming-of-age wird dabei von Regisseur Alfonso Gomez-Rejon mit einer formal gewinnend-spielerischen Leichtigkeit in überraschend abwechslungsreichen Bildern umgesetzt.

Und am Ende entpuppt sich „Me and Earl and the Dying Girl“ als eine flammende Liebeserklärung an den Film, die Freundschaft und das Leben.

Gregs beste Freunde: Rachel und Earl.
Gregs beste Freunde: Rachel und Earl.
(FOTO: INDIAN PAINTBRUSH)

Achterbahnfahrt der Gefühle

Eigentlich will High-School-Schüler Greg, der mit seinem besten – und einzigen – Freund Earl Filmklassiker nachdreht, überhaupt nicht zu dieser an Krebs erkrankten Rachel. Doch seine Mutter verdonnert ihn regelrecht dazu.

Aus der anfänglichen Unbeholfenheit entwickelt sich ganz behutsam eine tiefe Verbundenheit zwischen den drei jungen Menschen, die – jeder auf seine Weise – mit der tragischen Situation fertig zu werden versuchen ...

Nun könnte man befürchten, dass Gomez-Rejons Film bei der Krebsthematik schnell in ein typisch amerikanisch gefühlsduseliges Register abgleitet. Doch zum Glück passiert dies nur ganz leicht – und auch erst zum Schluss.

Davor gibt es eine Achterbahnfahrt der Gefühle, wie sie nur das Leben schreiben kann, und die von freudigen Höhen zu traurigen Tiefen reicht und stets von befreiendem (Galgen-)Humor durchsetzt sind, der sensibel Tod und den Schmerz des Erwachsenwerdens thematisiert.

Mit seinem Kumpel Earl, dreht Greg (r.) Filmklassiker nach.
Mit seinem Kumpel Earl, dreht Greg (r.) Filmklassiker nach.
(FOTO: INDIAN PAINTBRUSH)

Leckerbissen für Filmfans

Nicht nur die Filmklassikerverschnitte des Freundespaares Greg/Earl – u. a. „Gross Encounters of the Turd Kind“, „A Sockwork Orange“, „Death in Tennis“, „Vere'd He Go?“ oder „Eyes Wide Butt“ – sind ein Leckerbissen für Filmfans. Vor allem die ungewöhnliche Kameraarbeit von Chung-hoon Chung und ihre unkonventionellen Format- wie Perspektivenwechsel sorgen für ein unerwartet spannendes Leinwanderlebnis.

Mit dem jungen, doch zum Teil durchaus Kamera-erfahrenen Schauspielduo Olivia Cooke und Thomas Mann (ja, der Junge heißt wirklich so!) und – Neuling – RJ Cyler sind die Figuren von Rachel, Greg und Earl glaubwürdig und empathieweckend besetzt. Gewinnend nuanciert stehen sie den karikaturartig gezeichneten Erwachsenen gegenüber.

Kein Meisterwerk, jedoch ein liebenswerter, generationsübergreifend spannender Film, der vor allem formal überaus interessante Ansätze bietet.