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Filmkritik der Woche: "Life": Und täglich grüßt das Glibbermonster
Kultur 1 2 Min. 22.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: "Life": Und täglich grüßt das Glibbermonster

Mit einem Leuchtstab gegen ein fremdes Wesen im All: Jake Gyllenhaal als Dr. David Jordan.

Filmkritik der Woche: "Life": Und täglich grüßt das Glibbermonster

Mit einem Leuchtstab gegen ein fremdes Wesen im All: Jake Gyllenhaal als Dr. David Jordan.
Foto: Sony Pictures
Kultur 1 2 Min. 22.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: "Life": Und täglich grüßt das Glibbermonster

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Die unendlichen Weiten des Alls beflügeln seit jeher die Fantasie der Menschen. Umso fraglicher ist es, warum im Science-Fiction-Genre ständig Filme mit ähnlichem Szenario gedreht werden. Auch Daniel Espinosas „Life“ ist (leider) nur ein mittelmäßiges Remake von Ridley Scotts „Alien“

Von Pol Schock

Ist es ungerecht, einen heutigen Science-Fiction-Horrorfilm am Klassiker des Genres zu messen? Womöglich schon. Aber bei Daniel Espinosas „Life“ drängt sich der Vergleich mit Ridley Scotts „Alien“ von 1979 geradezu auf. Denn sowohl Plot als auch Filmästhetik erinnern an den Klassiker, der prägende Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen hat.

Die Menschheit entdeckt in naher Zukunft auf dem Nachbarplaneten Mars eine erste extraterrestrische Lebensform. Sie wird auf der Internationalen Raumstation ISS aus ihrer Schockstarre reanimiert und unter klinischen Bedingungen in einem Brutkasten analysiert. Es handelt sich um einen Einzeller, der sowohl Muskel, Gehirn als auch Auge gleichzeitig ist, wie die Wissenschaftlerin Miranda North (Rebecca Ferguson) erstaunt feststellt.

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Der erste Kontakt löst auf der Erde Freudeszenen aus: Auf dem Time Square in New York versammeln sich Tausende Menschen – eine Gruppe von Schulkindern darf dem außerirdischen Wesen einen Namen geben: Calvin. Doch Calvin verbrachte keine Millionen Jahre in Schockstarre auf dem Mars, um nun als niedliches Marsmaskottchen der Erdlinge zu dienen. Und – Sie ahnen es wohl bereits – Calvin erweist sich nicht als reformatorisches heilbringendes Wesen. Denn Calvin wächst und wächst und wächst ... Ein „survival of the fittest“ im All beginnt.

Verschenktes Potenzial

Sechs Astronauten in einem Raumschiff gegen ein böses Glibbermonster also. Dabei beginnt der Film durchaus vielversprechend: Die klaustrophobischen Räume des Raumschiffs weiß der schwedisch-chilenische Regisseur Espinosa ästhetisch in Szene zu setzen. Mit einer minutenlangen One-Take-Sequenz vermittelt er das Gefühl der Schwerlosigkeit im All und zeigt, dass es ohne Gravitation weder oben noch unten gibt. Doch wirklich innovativ ist diese gelungene Filmszene ohne Schnitt auch nicht – erinnert sie doch sehr an Emmanuel Lubezkis kühne Kamerafahrten im Science-Fiction-Drama „Gravity“.

Auch der Schauspiel-Cast klingt mit Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal und Rebecca Ferguson zunächst nach großem Hollywoodkino. Doch leider haben die Figuren in der Enge des Raumschiffs nicht die Möglichkeit richtig an Profil zu gewinnen.

Ryan Reynolds spielt den draufgängerischen Astronauten, der das „Ding“ am liebsten gleich töten würde, jedoch davor selbst getötet wird. Jake Gyllenhaal mimt den nachdenklichen Helden, der im Zweifel lieber sich opfern will als seine weibliche Partnerin. Und dann gibt es natürlich noch den zweifelhaften Wissenschaftler (Ariyon Bakare), der sich von der Überlegenheit des Wesens wie angezogen fühlt und am liebsten eine symbiotische Beziehung mit ihm eingehen würde. Und Calvin selbst? Der wächst weiterhin und erweist sich klüger als seine menschlichen Gegner allesamt zusammen.

Und so verschenkt der Film leider sein Ausgangspotenzial, mit exzellenten Schauspielern und einem hohen Budget, dem Science-Fiction-Genre ein neues Narrativ zu geben. Zwar gelingt es Espinosa zuweilen durch Wendungen Spannung aufzubauen, aber letztlich bleibt „Life“ nur ein mittelmäßiges Remake von „Alien“.