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Filmkritik der Woche: „LaLaLand“: Hommage an das Hollywood-Musical
Kultur 1 3 Min. 28.01.2017 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: „LaLaLand“: Hommage an das Hollywood-Musical

Zwei Träumer treffen und erkennen sich: Jazzpianist Sebastian (Ryan Gosling) und Schauspielerin Mia (Emma Stone).

Filmkritik der Woche: „LaLaLand“: Hommage an das Hollywood-Musical

Zwei Träumer treffen und erkennen sich: Jazzpianist Sebastian (Ryan Gosling) und Schauspielerin Mia (Emma Stone).
(FOTO: LIONSGATE)
Kultur 1 3 Min. 28.01.2017 Aus unserem online-Archiv

Filmkritik der Woche: „LaLaLand“: Hommage an das Hollywood-Musical

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Es gibt Filme, bei denen man bereits nach einer Minute unzweifelhaft weiß, dass sie etwas ganz Besonderes sind. „LaLaLand“ ist genau so ein Film. Vielleicht stellt er damit sogar seinen Golden Globes-Rekord bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in den Schatten.

Von Vesna Andonovic

Mit seiner Eröffnungssequenz legt Damien Chazelle nicht nur wie viele seiner Regiekollegen die Latte sehr hoch, er vermag – wie nur deutlich wenige – auch in den darauffolgenden zwei Stunden genau das zu halten, was er verspricht. Dabei gehört sein zweiter Spielfilm einem Genre an, das – abgesehen von einigen (sehr seltenen) Ausnahmen – als altmodisch und demzufolge nicht auf Dauer erfolgreich wiederbelebbar gilt: dem Musical.

Doch wer die nostalgische Reminiszenz einer längst vergangenen Glanzzeit erwartet, in der Stars wie Fred Astaire, Ginger Rogers, Cyd Charisse und Gene Kelly über die Leinwände wirbelten und sich mit Filmen wie „Swing Time“, „Singin' in the Rain“ oder „Brigadoon“ geradewegs in die Herzen von Millionen von Zuschauern weltweit sangen und tanzten, wird enttäuscht. Und das ist auch gut so.

Denn Chazelle äfft nicht ein obsoletes Erfolgsmodell nach, er vereint in einer modernen Erzählung, was seine künstlerische Vision als Filmemacher des 21. Jahrhunderts genährt hat: eben diese Geschichte, Glorie und Professionalität der alten Traumfabrik.

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Dabei gelingt es dem Amerikaner mit französischen Wurzeln, vortrefflich, die sterile Nabelschau ebenso wie verklärte Nostalgie zu vermeiden – was ohnehin schon an sich eine wahre Meisterleistung ist. Chazelle paraphrasiert nicht, er macht sich die Filmsprache des Musicals zu eigen und schreibt damit sein eigenes, zeitgenössisches Kapitel.

Dass sein „La La Land“ seit dem 9. Januar – mit sieben Trophäen – den Rekord des am meisten ausgezeichneten Films der Geschichte der Golden Globes hält, ist demnach keine wirkliche Überraschung. Und auch für die Verleihung der Academy Awards, am kommenden 26. Februar, bei der der Film mit 14 Nominierungen im Vorfeld schon einen weiteren Rekord aufstellte, dürfte sich dieser Preisschauer als gutes Omen deuten lassen. Verdient wären nämlich gleich mehrere Oscar-Auszeichnungen: Für die Regie, die beiden Hauptdarsteller, ebenso wie für Musik, Kamera oder Schnitt.

Leichtfüßiger Tiefgang

Das Rhodes-Island-Regie-Wunder-kind und Harvard-Absolvent legte 2013 mit seinem mit drei Oscars ausgezeichnetem „Whiplash“ einen souveränen Start hin und zeigte bereits darin eine für sein Alter überraschende Reife. Mit „La La Land“ untermauert der inzwischen (erst) 32-Jährige, dass seine Handwerklichkeit kein Zufallstreffer ist und er trotz seiner jungen Karriere eine solide filmische Kultur, eine stringente kreative Vision und zudem eine ganz persönliche visuelle Handschrift hat.

Auch diesmal hat Musik es ihm angetan, denn „La La Land“ erzählt die Geschichte von Sebastian, der Pianist ist und vom eigenen Jazz-Club träumt, und Mia, die Cappuccino in der Studio-Cafeteria serviert und trotz einer Castingenttäuschung nach der anderen ihren Traum von einer Karriere als Schauspielerin verfolgt. Die Wege der beiden kreuzen sich mehrmals, und das Schicksal arrangiert – dank Amors Pfeil –, dass sie einen Teil davon gemeinsam gehen. Doch kann ihre Liebe im Angesicht der verzehrenden, künstlerischen Leidenschaft bestehen?

Ganz wie die klassische Musical-Tradition es will, filmt Chazelle seine Tanz- und Gesangsszenen ohne Schnitt. Dabei wirkt dies, im Gegensatz zu beispielsweise Inarritus ebenso brillant inszeniertem „Birdman“, jedoch auf Dauer nicht wie eine etwas seelenlose Stilübung, sondern wie die natürlichste, ja geradezu einzig mögliche Art, diese zu zeigen. Chazelle nimmt sich jede Freiheit heraus und variiert Musical und klassisches Drama so leichtfüßig, dass am Ende alles an seinem ganz bestimmten Platz einleuchtend erscheint.

Die unbeirrbare Energie der Leidenschaftlichen

„La La Land“ sinniert nicht nur über eine Historie und die Vergänglichkeit von Ruhm und Gefühlen, sondern über eben dieses „Feuer“, das jeder Mensch in sich trägt und das ihn als unverwechselbare Persönlichkeit definiert, und den Preis, den es einfordert.

Dabei erzählt Chazelle in mitreißenden Bildern und zeigt, wie eine geradezu unscheinbare Melodie die überwältigende Unendlichkeit des einzelnen Moments fassen kann. Seinem bemerkenswerten Darstellerpaar Ryan Gosling und Emma Stone ist die physische Arbeit – Singen und Tanzen – anzusehen, und erst ihre Unvollkommenheit macht sie als Sebastian und Mia so richtig wahr und glaubhaft.

Eine wunderschöne, stimmige Ode auf die verrückten Träumer und ihren schwierigen und schmerzlichen Weg. Am Ende triumphiert die unbeirrbare Energie der Leidenschaftlichen – auch wenn das heutzutage nicht mehr bedeutet, dass es ein filmreifes Happy End gibt. Genau das macht „La La Land“ zu einem modernen Musical, einem Film, den man einfach gesehen haben muss, und einem würdigen Oscar-Preisträger.


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