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Filmkritik der Woche: Der neue Andy Bausch
Kultur 1 2 Min. 12.10.2019

Filmkritik der Woche: Der neue Andy Bausch

Filmkritik der Woche: Der neue Andy Bausch

Kultur 1 2 Min. 12.10.2019

Filmkritik der Woche: Der neue Andy Bausch

Marc THILL
Marc THILL
„Lost in the '80s“ hätte durchaus auch „Lost in the Darkness“ heißen können.

So facettenreich wie der Zauberwürfel, aber leider nicht so bunt. Andy Bausch wirft in seinem neuen Film einen düsteren Blick zurück auf die 1980er-Jahre, als der „Rubiks Cube“ in jugendliche Hände gelangte und für viel Aufsehen sorgte – heute würde man es als Hype bezeichnen. Ihm hat der Filmemacher Bausch in „Lost in the '80s“, der am Mittwoch in den Luxemburger Kinos angelaufen ist, einen kurzen Auftritt gewährt. In Gedanken verloren und mit sich und der Welt sichtlich zufrieden, dreht ein junger Polizist an den 26 bunten Steinchen. An seiner Seite ein griesgrämiger Kollege, der sich die Rente wünscht. Luc Schiltz gibt den aufgeschlossenen Polizisten, André Jung den alten und der Zauberwürfel, ein Spielzeug, verdeutlicht bestens die Spaßgesellschaft, die auch in Luxemburg Einzug halten wird. Denn die Technik eröffnet in dieser Zeit viel neue Unterhaltung, vom Videorekorder bis zum Walkman.

Doch bei Bausch haben die 1980er-Jahre etwas Bedrohliches. Wer sich diesen Dokumentarfilm antut, wird zwar bestens über diese Zeit informiert, er riskiert am Ende aber Schwermut und Melancholie. Bonjour tristesse! Andy Bausch zeichnet ein pechschwarzes Bild über Affären, Morde, Attentate, Proteste, nukleare Gefahr und den wirtschaftlichen Paradigmenwechsel in Luxemburg – weg von Stahl und Eisen, hin zu Finanzgeschäften und Satelliten.

Viele Zeitzeugen werden befragt, darunter auch die Literatin Germaine Goetzinger, die vor der Kamera bekräftigt, es sei eine Zeit der großen Angst gewesen. Vic Reuter, ab 1983 Journalist bei RTL, reduziert seine Dekade auf „zehn Jahre ohne Schlaf“, und genau die Kombination von beidem, Angst und Umbruch, hat auch Andy Bausch in seine 90-Minuten-Doku gepackt – angefangen mit der Stahlindustrie, die damals in Finanznöte geriet und vom Staat gestützt werden musste, bis hin zu der sich wandelnden Kulturszene, die den mühsamen Weg von der Feierabendkultur hin zur Professionalisierung beschritt.

Filmisch perfekt ins Licht gerückt sind die Interviews der Zeitzeugen, doch geben diese Schwarz-Weiß-Aufnahmen dem Film ein gewisses Pathos, etwas Verklärendes, eine Erhabenheit, die am Ende übertrieben wirkt. War die Zeit wirklich so mies, wie es die Interviewpartner vermitteln? Sind es die kontrastscharfen Bilder, die das Gesagte zusätzlich dramatisieren? Oder übertreiben gar einige der Befragten gewollt oder ungewollt?

Nachgedrehte Sequenzen sind Andy Bauschs Markenzeichen in seinen Filmdokumentationen. So wie auch in den Rückblenden „D'Fifties“ und „Sixty8“ sind sie auch in diesem Streifen eingebaut. Erfrischend kommen dabei die nachträglich animierten Karikaturen von Guy W. Stoos rüber und werden dem Vintage- und Retrolook des Films gerecht. Mit Pressefotos, die in bewegte Bilder übergehen, baut Bausch ebenfalls spannende und unterhaltsame Übergänge von einem Themenfeld zu einem ganz anderen.

Etwas mühsam sind allerdings die nachgespielten Szenen. Der Witz mit dem Teppichkehrer, der mehrfach so manche Affäre unter dem berühmten Teppich verschwinden lässt, ist einfach nur blass und bieder, derweil andere Sequenzen nichts anderes sind als platte Schenkelklopfer. Vor allem in diesem Punkt hätte Andy Bausch an seinem Szenario ganz bestimmt noch etwas nachschrauben können.


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