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Filmkritik: Der alte Mann muss raus
Kultur 2 2 Min. 10.10.2020

Filmkritik: Der alte Mann muss raus

Sportlich geht es beim Völkerballduell der Generationen auf dem Trampolinschlachtfeld zwischen Peter (Oakes Fegley) und Opa Ed (Robert De Niro) nicht zu – sehr zur Freude des Zuschauers.

Filmkritik: Der alte Mann muss raus

Sportlich geht es beim Völkerballduell der Generationen auf dem Trampolinschlachtfeld zwischen Peter (Oakes Fegley) und Opa Ed (Robert De Niro) nicht zu – sehr zur Freude des Zuschauers.
Foto: Alba Films
Kultur 2 2 Min. 10.10.2020

Filmkritik: Der alte Mann muss raus

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
„The War with Grandpa“ – im Generationskonflikt kämpft Robert De Niro humorvoll, aber trotzdem mit harten Bandagen

Die Familienidylle der Deckers ist futsch! Eigentlich hatte der 10-jährige Peter (Oakes Fegley) sich ja gefreut, dass sein Opa Ed (Robert De Niro) nun zur Familie zieht. 

Doch dass ausgerechnet er dem alten Eisen das Feld, Pardon das Zimmer räumen muss, passt dem Jungen überhaupt nicht. Denn während Opa in Peters Zimmer zieht, landet er ... auf dem Dachboden. 

Um sein kleines Reich zurückzuerobern, macht sich der Enkel mit der tatkräftigen Hilfe seiner Freunde auf, dem Opa das Leben zur Hölle zu machen. 

Doch auch dieser hat nicht die Absicht, sich so einfach vergraulen zu lassen, und setzt mit seiner eigenen Alten-„Gang“ zum Gegenschlag an. Schnell gerät der Generationskonflikt aus dem Ruder ... 

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Nicht mit der Pandemie sondern einer schlechten Werbung des Weinstein-Skandals, der ihn überschattete, hat die mehrmalige Verschiebung des Startdatums von „The War with Grandpa“, einer Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuches von US-Autor Robert Kimmel Smith, von April auf Oktober 2017, dann auf Februar 2018 zu tun. 

Nun kommt der Film also mitten in der Corona-bedingten filmischen Dürreperiode auf die große Leinwand – für ihn ein Glücksfall, denn er könnte dabei sogar von der latenten Trostlosigkeit der vergangenen Monate profitieren.


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Ganz auf die Lachmuskeln ausgerichtet, präsentiert sich „The War with Grandpa“ nämlich wie der perfekte Familienfilm – locker flockig, kurz und knackig, so zumindest sein Anspruch. 

 Tim Hill, spätestens seit „Alvin and the Chipmunks“ und „Garfield 2“ ein kindererprobter Regisseur, versucht Gags am laufenden Band zu servieren. 

Vertraute Familiensituationen 

Manche der Einfälle des Drehbuchduos Tom J. Astle und Matt Ember greifen, andere kommen nicht an, doch im großen Ganzen gelingt es dem Film – dank seiner 94 Minuten-Fernsehfilmdauer – Entertainment ohne großen Anspruch auch zu bieten. 

Der Weihnachtsfrieden - wie man ihn auch im Ersten Weltkrieg erlebte: Dür die Party der kleinen Schwester haben Enkel Peter und Opa Ed einen Waffenstillstand vereinbart.
Der Weihnachtsfrieden - wie man ihn auch im Ersten Weltkrieg erlebte: Dür die Party der kleinen Schwester haben Enkel Peter und Opa Ed einen Waffenstillstand vereinbart.
Warner Bros.

 Die vermeintlich harten Bandagen, mit denen hier jede Generation um ihr Territorium kämpft, werden zwar in flauschig weichen Humor und spritzigen Slapstick gepackt, doch können sie durchaus auch Reibungsfläche für Diskussionen bieten.

Denn auch ernstere Aspekte wie die Einsamkeit und Überforderung im Alter oder der Umgang mit den eigenen, alternden Eltern und Kindern und eine ähnliches Gefühl des Überfordertseins werden thematisiert. 

 Viele, der im Film gezeigten Situationen und Probleme dürften Zuschauern allen Alters vertraut wirken. 

Die Teenagertochter Mia (Laura Marano) muss um die Anerkennung ihres Erwachsenwerdens, in Gestalt ihres Freundes, mit Mutter Sally (Uma Thurman) ringen. 

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Letztere selbst muss als Eds Tochter lernen, damit umzugehen, dass der „starke“ Vater, der früher einmal buchstäblich eigenhändig Häuser baute, nun (höchstwahrscheinlich) einen Notrufknopf braucht – und ihren Ehemann, Architekt Arthur (Rob Riggle) auch nach drei gemeinsamen Kindern noch immer nicht so ganz als ihre Partnerentscheidung akzeptiert. 

Und der ehemals autonome Ed muss sich als Witwer alleine mit den Herausforderungen der modernen Welt und ihrer Technik zurechtfinden.

Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Ältere Menschen wie Opa Ed (Robert De Niro) versucht sich mit der Hilfe der erwachsenen
Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Ältere Menschen wie Opa Ed (Robert De Niro) versucht sich mit der Hilfe der erwachsenen
Warner Bros.

Dass der für ein jüngeres Publikum gedachte Film nicht zur Tortur für Erwachsene mutiert, hat er neben der Frische von Oakes Fegley („Wonderstruck“) vor allem dem Schauspielduo Robert De Niro und seinem Side-Kick Christopher Walken zu verdanken, das sich sichtlich einen Spaß daraus macht hier hinterlistige „dirty old men“, unter deren harter Schale sich selbstverständlich ein weicher Kern verbirgt, zu spielen. 

Wenn man gemeinsam lachen kann, ist bekanntlich schon die Hälfte aller Probleme gelöst. Also: auf zum Familienausflug ins Kino – mit Kind, Kegel und Großeltern!

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