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Filmkomponist Ennio Morricone ist tot
Kultur 1 3 Min. 06.07.2020

Filmkomponist Ennio Morricone ist tot

2015 leitete der Maestro ein Konzert in der Coque in Luxemburg anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums.

Filmkomponist Ennio Morricone ist tot

2015 leitete der Maestro ein Konzert in der Coque in Luxemburg anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums.
Foto: Roland Miny
Kultur 1 3 Min. 06.07.2020

Filmkomponist Ennio Morricone ist tot

Der Oscar-Preisträger von 2016 wurde 91 Jahre alt.

(dpa/mt) - Er hat einige der schönsten Melodien der Filmgeschichte geschrieben. Das herzzerreißende Klagen der Mundharmonika in "C'era una volta il West" ("Once Upon a Time in the West") oder das düstere Kojotengeheul der Ocarina in  "Il buono, il brutto, il cattivo"  ("The Good, the Bad and the Ugly")  - Soundtracks wie diese haben den Italiener Ennio Morricone zum Maestro der Filmmusik gemacht. Am Montag kam die Nachricht, dass er gestorben ist. Morricone wurde 91 Jahre alt.

Morricones Art, klassische und populäre Musik zu mischen, seine Vorliebe für ungewöhnliche Instrumente und Lautmalerei, das war ein absoluter Kontrapunkt zum damaligen Mainstream in Hollywood

Fünf Mal war der Ausnahmemusiker für einen Oscar nominiert worden, aber erst 2016 gewann er die Auszeichnung für die Filmmusik zum Tarantino-Film "The Hateful Eight", nachdem er 2007 bereits den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhalten hatte.

Mit seiner großen Hornbrille sah der Maestro eher so aus wie der Ladenbesitzer von nebenan und hielt auch nie viel davon, über seine Kunst zu philosophieren. "Das müssen die Zuhörer selbst beurteilen", sagt er knapp. 

Zusammenarbeit mit Sergio Leone

Berühmt wurde Morricone vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Filmemacher Sergio Leone. Als Kinder gingen die beiden ein Jahr lang in dieselbe Klasse. Als sie sich 30 Jahre später zufällig wieder trafen, wurden sie schnell ein kreatives Duo. Sechs Filme machten sie miteinander, allen voran den legendären Italowestern "Once Upon a Time in the West" (1968) mit Charles Bronson und Claudia Cardinale. 

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Morricones Art, klassische und populäre Musik zu mischen, seine Vorliebe für ungewöhnliche Instrumente und Lautmalerei, seine vertrackten Wechsel in Rhythmus und Timbre und seine charakteristischen Pausen im Fluss der Musik - all das war ein absoluter Kontrapunkt zum damaligen Mainstream in Hollywood. 

Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte würdigte Ennio Morricone mit den Worten: "Er brachte uns zum Träumen, Erregen, Nachdenken, sein Werk wird in der Musik- und Filmgeschichte unauslöschlich bleiben."

Mit dieser neuen Handschrift beeinflusste er zahlreiche Filmmusiker nach ihm. Für die Anfangssequenz von "Once Upon a Time in the West" soll er Leone sogar überredet haben, völlig auf klassische Instrumente zu verzichten - die "Musik" entsteht aus dem Kratzen eines im Wind schwingenden Metallschilds oder dem Geräusch eines bremsenden Zuges

400 Soundtracks in 40 Jahren

"Der Komponist wird durch den Film vorbestimmt, aber er muss diese Grenzen überwinden", sagte Morricone. "Und wie macht er das? Durch seine musikalische Kultur, durch seine große Leidenschaft für die Musik der Vergangenheit. Und indem er das immer und immer wieder macht, wird es nach und nach ein Stil."

Ungefähr 400 Soundtracks hat Morricone in mehr als 40 Jahren geschrieben, darüber hinaus einen beachtlichen Fundus an "ernster" Konzertmusik. Er arbeitete mit allen namhaften italienischen Regisseuren von Pier Paolo Pasolini bis zu Bernardo Bertolucci zusammen, aber auch mit vielen Hollywood-Größen. Morricone, der aus einer kinderreichen Musikerfamilie stammt, lebte in seiner Geburtsstadt Rom. 

Nach der Nachricht vom Tod des Komponisten ließen die ersten Hommagen an Morricone nicht lange auf sich warten. So setzte sich zum Beispiel der russisch-deutsche Star-Pianist Igor Levit an seinen Flügel und stimmte die Filmmusik zu "Once upon a time in America" an.

Dies sei sein absoluter Lieblingsfilm, Morricone habe dazu die "bedeutendste und bewegendste Filmmusik aller Zeiten" geschrieben, hatte Levit in einem Tweet im vergangenen Oktober verraten.

Levit hatte während der Corona-Krise unter anderem durch einen Konzertmarathon auf sich aufmerksam gemacht, bei dem er mehr als 15 Stunden lang das immergleiche Stück spielte - "Vexations" (zu deutsch "Quälerei") von Komponist Eric Satie.


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