Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Film Fund unter der Lupe: Zehn Punkte aus dem Audit
Kultur 3 Min. 11.11.2019

Film Fund unter der Lupe: Zehn Punkte aus dem Audit

Das jährlich dem Film Fund zur Verfügung stehende Geld von rund 34 Millionen Euro reicht längst nicht mehr aus.

Film Fund unter der Lupe: Zehn Punkte aus dem Audit

Das jährlich dem Film Fund zur Verfügung stehende Geld von rund 34 Millionen Euro reicht längst nicht mehr aus.
Foto: Gerry Huberty
Kultur 3 Min. 11.11.2019

Film Fund unter der Lupe: Zehn Punkte aus dem Audit

Marc THILL
Marc THILL
Im November vergangenen Jahres war der Bericht über die Filmfördergesellschaft bereits dem Parlament zugestellt worden, nun - ein Jahr später - bringt Premierminister Xavier Bettel, zuständig für die Medien, das Gutachten auch vor die Presse.

Dass sich Xavier Bettel überhaupt genötigt sah, das Audit über mögliche Schwachstellen im Film Fund in die Öffentlichkeit zu bringen, liegt vermutlich auch am Druck, den der CSV-Abgeordnete Félix Eischen zuletzt auf ihn ausgeübt hat. Dieser hat sich im Juni  schriftlich an die Staatsanwaltschaft gewandt, um auf mögliche Missstände beim Filmfonds hinzuweisen. Seinem Brief hatte er eine Kopie des besagten Audits beigelegt.  Am Montag beteuerte Bettel, es sei keine eiligst einberufene Pressekonferenz, er habe sich "nicht von der größten Oppositionspartei unter Druck setzen lassen."

70 Prozent der Beihilfen, die der Film Fund an die Filmindustrie zahlt, gehen direkt oder indirekt zurück an den Staat.
70 Prozent der Beihilfen, die der Film Fund an die Filmindustrie zahlt, gehen direkt oder indirekt zurück an den Staat.
Foto: Gerry Huberty

Die Prüfer der Firma Value Associates um dessen Gründer Manuel Baldauff - früher bei BGL BNP Paribas, danach bei Deloitte, inzwischen Inhaber seiner eigenen Prüfungsgesellschaft - haben den Film Fonds genauer unter die Lupe genommen und unter anderem folgende Punkte hervorgehoben:

  1. Das jährlich dem Film Fund zur Verfügung stehende Geld von rund 34 Millionen Euro reicht längst nicht mehr aus, um die eingereichten Filmprojekte zu fördern.  2018 waren die Mittel bereits Mitte des Jahres aufgebraucht. Es gibt zwei Auswege: die Zahl der Empfänger reduzieren und die Summe, die an die einzelnen Projekte gehen soll, einfach zurückfahren oder aber die Zuschüsse erhöhen und dabei – so das Audit - das Geld  stärker als bisher an die Qualität und den Erfolg des Filmes knüpfen.
  2. Etwa 59 Millionen Euro, die dem Fond als Reserve zur Verfügung stehen und bisweilen unangetastet blieben, könnten ebenfalls zu einem gewissen Teil genutzt werden, so die Prüfer in ihrem Audit.
  3. Der wirtschaftliche Impakt des Filmsektors auf das Land sei schwer zu berechnen. Weder die Akteure der Filmbranche noch der Film Fund selbst und auch nicht Statec könnten konkrete Angaben hierzu machen – für die Prüfer ein Beweis, dass der wirtschaftliche Niederschlag gering sei. Die Prüfer  berufen sich dabei komischerweise auf die geringen Zuschauerzahlen vieler Filme in den Luxemburger Kinos.
  4. Nichtsdestotrotz kämen die Zuschüsse an die Filmindustrie der lokalen Wirtschaft zugute, auch wenn etliche Gehälter der Filmschaffenden im Ausland ausgegeben werden – was wegen der Grenzpendler auch in anderen Sektoren nicht viel anders ist. 
  5. Die Prüfer schätzen, dass von den 127 Millionen Euro, die seit Inkrafttreten der Gesetzesänderung von 2014 betreffend den Film Fund an die Filmproduktionen gingen, 30,5 Millionen direkt wieder an den Staat in Form von Steuergeldern und Sozialabgaben zurückgeflossen sind.  Rechnet man noch weitere 7,6 Millionen Euro hinzu, die unter anderem in Form von Mehrwertsteuern an den Staat gehen,  dann hat der Staat dem Film in Luxemburg netto 89 Millionen Euro  zukommen lassen. Das sind 70 Prozent der Beihilfen. 
  6. Würde man diese Fördergelder stoppen, müsste die Regierung dieselbe Summe vorübergehend in Form von Arbeitslosengeld ausgeben.
  7. Die Prüfer bemängeln, dass weder wirtschaftliche noch kulturelle Ziele an die Auszahlung der Beihilfen geknüpft sind. Die Produzenten der Filme könnten ihr Geld einkassieren, unabhängig vom Erfolg des Filmes. Manuel Bauldauff spricht von einer "production pour le tiroir".
  8. Kritisiert wird auch, dass 90 Prozent der Beihilfen an die Produktion gingen, dass aber vor allem der Vertrieb der Filme vernachlässigt werde.
  9. Dass der Direktor des Film Funds Guy Daleiden auch im Auswahlgremium über die Vergabe der Fördermittel mitbestimmen kann, ist für die Prüfer eigentlich kein Stein des Anstoßes. Um sein Gewicht in den Entscheidungen zu reduzieren, könnte man zwei zusätzliche Mitglieder in die Auswahlkommission berufen -  die würde sich dann aus sieben Personen zusammen. Kritischer sehen die Prüfer dahingegen den Vertrag, der den Produzenten Paul Thiltges  an den Film Fund bindet. Er hat im Auftrag des Film Funds punktuell gearbeitet, bekommt selbst als Produzent aber auch Fördergelder. Es bestehe "ein Risiko der Interessenvermischung", so die Prüfer.
  10. Ein letzter Punkt: 80 Prozent der Beihilfen gehen an zehn Produktionsfirmen, schreiben die Prüfer, was einer gängigen Wirtschaftsregel entspricht. Die Zahl der Filmproduktionen steigt explosionsartig, nicht aber die Zahl der Zuschauer Luxemburger Filme in den Luxemburger Kinos. Die Prüfer wollen darin einen geringen wirtschaftlichen Impakt sehen oder gar die Verschwendung von Steuergeldern, vergessen aber, dass die koproduzierten Filme auch im Ausland in die Kinos gelangen, auf Plattformen laufen und bei internationalen Festivals gezeigt werden und deshalb auch einen gesellschaftlichen Impakt haben, etwas wofür das Audit aber offenbar kein Interesse hatte.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Film braucht Fördermittel
Medienminister Bettel und sein deutliches Bekenntnis zum Film. Qualität und Kreativität stehen über wirtschaftlichem Interessen.
Kultur , PK Film Fund Luxembourg , Filmfong , Rapport Annuel , vlnr  Xavier Bettel , Guy Daleiden ,  Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
"Filmpräis 2018" politisch gefärbt
Der Fimpräiss 2018 - eine rasante Show mit viel Biss und Sarkasmus, mit politischen Seitenhieben auf Heimattümelei und vor allem der Aufforderung an den staatlichen Filmfonds - "d'Keess op an d'Klacken eraus!"
22.09.2018 Luxemboug, ville, Grand-Théâtre, Lëtzebuerger Filmpraïs 2018,  photo Anouk Antony
Jean-Louis Scheffen ernannt: Personalwechsel beim Filmfonds
Welches Filmprojekt erhält staatliche Fördergelder? Darüber berät beim Filmfonds ein fünfköpfiges Komitee. Nachdem dessen Präsident Alex Reuter kürzlich zurückgetreten war, wurde nun der Journalist Jean-Louis Scheffen zum Nachfolger ernannt.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.