Fête de la Musique 2017

Stehenbleiben, reinhören und entdecken

Die in Berlin ansässigen Folk-Musiker sind nicht zum ersten Mal in Dudelange.
Die in Berlin ansässigen Folk-Musiker sind nicht zum ersten Mal in Dudelange.
Foto. Guy Jallay

Von Nathalie Hartl

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Als die Sonne hoch am Himmel steht, geht es vor der Main Stage am Rathaus noch gemütlich zu. Doch langsam trudeln immer mehr Menschen ein. Das anfangs etwas verhaltene Publikum taut bei Benny & the Bugs gut auf. Was die Luxemburger liefern, klingt nach erstklassiger Folkloremusik. Authentisch und handgemacht kommen die hymnischen Lieder der Musiker daher. Akkordeon und Kontrabass laden zum Schunkeln ein und auch die Stimmen werden schon einmal eingeölt. Denn Gelegenheiten zum Mitsingen werden dem Publikum noch zur Genüge geboten.

Derweil geht es auf der Youth Stage mit Johnny Go Nuts ruhiger zu. Die Musik der Band könnte der Soundtrack zu einer nächtlichen Fahrt über weite Landstraßen sein. Die melancholische Stimmung zieht vor allem jüngere Zuschauer in ihren Bann. Auch bei den weiteren Acts auf der Jugendbühne soll das so bleiben. Interessant ist, dass sich viele Nachwuchskünstler an der Musik aus dem letzten Jahrtausend zu orientieren scheinen.

Wenn Bands wie Epicure, bei denen die Ukulele eine tragende Rolle einnimmt, oder The Trappers loslegen, spürt man Vintage-Vibes. Vor allem letztere haben den Sound der 60er und 70er-Jahre perfektioniert. In Gedanken legt sich ein Sepia-Filter über die Fête de la musique, wenn die Gruppe aus Luxemburg die Gitarren flirren lässt. Mit viel Hall auf dem Mikrophon erinnert der Klang an Kapellen aus der Beat-Ära. Als ein „super Publikum“ bezeichnen die Trappers ihre wippende Hörerschaft, die gerne mehr hören würde. Aber der Plan ist eng getaktet. Das gibt der Tontechniker zu verstehen. „Wir haben keine Zeit mehr,“ verkünden die Trappers. Aber das macht nichts. Denn um die Ecke geht es bereits weiter.

Auf der Mainstage spielt inzwischen einer der Headliner: Mighty Oaks. Die in Berlin ansässigen Folk-Musiker sind nicht zum ersten Mal in Düdelingen. Für sie sei der Auftritt auf einem kostenlosen Open Air eine gute Gelegenheit, wie Gitarrist und Sänger Ian Hooper erzählt. „Wir erreichen andere Leute als bei unseren sonstigen Konzerten."

Der gebürtige Amerikaner weiß zwar nicht, in welcher Sprache er die buntgemischte Menge ansprechen soll, aber das spielt auch keine Rolle. Der Applaus, der auf die liebevoll arrangierte Musik mit E-Geigeneinlagen folgt, ist international verständlich. Der gesamte Platz ist nun zum Brechen voll. Die Besucher drängen sich durch die Straßen.

In fast jede Stilrichtung können sie bei der Feier hineinschnuppern. Ungewöhnliche Künstler tragen dazu bei, den Mix zu komplettieren. Zuschauer Fabian Kreußler bezeichnet das Fest als „fantastische Mischung aus verschiedensten Genres.“ Ihn habe besonders der Auftritt der Franzosen von Transfensch beeindruckt. Die Gruppe hat atmosphärische, düstere Musik im Gepäck. Immer wieder stoßen neue Zuhörer vor der Why Not Stage hinzu. Viele schauen gebannt zu, wenn Schreie die dichten Akkorde durchbrechen. Dass Transfensch eher ein Nischenpublikum ansprechen, weiß Gitarrist Ben Constantini. Gerade deshalb fände er es schön, dass die Zuschauer entspannt vorbeischauen können.

Das Konzept geht auf. Für Besucher Fabian Kreußler ist die Band eine echte Neuentdeckung, die sein Herz „mit ihrem progressiven Stil und ihrer Emotionalität im Sturm erobert hat.“

Die Künstler der Fête de la musique werden sicherlich nicht nur in seiner zukünftigen Playlist Spuren hinterlassen.