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Festival „Like a Jazz Machine“: Treffen der Generationen
Kultur 3 3 Min. 14.05.2015

Festival „Like a Jazz Machine“: Treffen der Generationen

"Was für Marathonabende!", mag man auf den ersten Blick ins Programm meinen. Doch die Festivalorganisatoren des diesjährigen „Like a Jazz Machine“-Festivals, das am Donnerstag im Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz startet, der das Publikum mitreißt.

Interview: Daniel Conrad

"Was für Marathonabende!", mag man auf den ersten Blick ins Programm meinen. Doch die Festivalorganisatoren des diesjährigen „Like a Jazz Machine“-Festivals, das ab morgen über vier Tage im Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz stattfindet, bemühen sich unter der Federführung von Danielle Igniti um einen Mix, der nicht nur viele Facetten des zeitgenössischen Jazz zeigen soll, sondern auch das Publikum mitreißt.

Machen und mögen Frauen keinen Jazz, Frau Igniti? Oder wie lässt sich die Dominanz der Männer auf und vor der Bühne erklären?

Oh, man kann schon – auch bei uns im Festival – Frauen antreffen. Auf der Bühne und im Publikum im Übrigen. Gerade Terri Lyne, die mit dem Ambrosetti-Sextett zu Gast sein wird, wird zum Beispiel aktuell als beste Jazzdrummerin der Welt gehandelt. Leider können wir aber auch nicht immer so einladen, wie wir wollen, sondern müssen schon schauen, wer kommen könnte und wen wir uns leisten können. Für die Frauen hat sich aber im Jazz bzw. der Musik einiges verändert – auch wenn es noch immer eine Männerwelt ist. Gerade für Musikerinnen, die Mutter werden, bleibt es schwierig. Und was das Jazz-Publikum angeht: Da hat sich ebenso in den letzten Jahren viel getan. Da sitzen nicht mehr nur Männer im gesetzten Alter, die elitär über Harmonik philosophieren: Gerade unser Festival wird beweisen, wie gut Jung und Alt und natürlich beiderlei Geschlechter über die Musik zusammenfinden können.

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So konzentriert kann man kaum im Land Jazz erleben. Betont das opderschmelz damit noch mehr seine Rolle als einer der wichtigsten Spielorte des Genres?

Wir haben immer viel Jazz in unsere Programme eingebaut. Aber mit dem konzentrierten Festival und der dichten Abfolge der Auftritte regen wir natürlich nicht nur an, die großen Namen wie Kyle Eastwood anzuschauen, sondern auch unbekanntere internationale und die Luxemburger Acts, die darunter sind, entdecken zu können. Das kommt einerseits einem Publikum entgegen, das speziell wegen des Festivalcharakters anreist. Andererseits gilt es aber auch, Neugierigen und Einsteigern Abwechslung zu bieten. Und das berücksichtigen wir an den ersten drei Abenden mit jeweils fünf Ensembles schon. Besonders ist in diesem Jahr, dass mehrere Generationen von Vätern und Söhnen wie zum Beispiel „Dauner/Dauner“ gemeinsam auf der Bühne stehen – und das ist nicht nur als Symbol, sondern auch musikalisch interessant.

Vater und Sohn Daubner stehen gemeinsam auf der Bühne.
Vater und Sohn Daubner stehen gemeinsam auf der Bühne.
Foto: Daubner//Daubner

Dazu kommt, dass Sie den Austausch auf dem Flur vor dem Konzertsaal, aber auch hinter der Bühne fördern wollen. Aber das Zusammenarbeiten zwischen internationalen Stars und Luxemburgern auf der Bühne entsteht spontan leider nicht...

Das ist auch nicht zu verlangen. Schließlich stehen alle bei so einem Festival, bei dem man keine Fehler machen will, sehr unter Druck. Aber ich kann durchaus sagen, dass im Hintergrund schon Gespräche um künstlerische Berührungspunkte und einige Zusammenarbeiten zwischen lokalen und internationalen Ensembles entstanden sind. Wir laden auch immer Fachleute, Manager und Genrejournalisten ein, die mit den Künstlern in Kontakt kommen. Das Publikum profitiert davon, dass es dann auch Protagonisten der Szene viel leichter als bei manch anderem Festival begegnen kann. Und die Qualität sehr hoch ist.

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Gibt es neben den großen Namen Acts in dieser vierten Festivalauflage, die überraschen werden und die selbst die Fachleute so noch nicht auf dem Zettel hatten?

Zum Beispiel stellt das Antoine-Berjeaut-Sextett aus Frankreich eine besondere Mischung vor. Hier trifft Jazz auf literarischen Vortrag bzw. musischen Poetry-Slam an der Grenze zum Hiphop. Sehr interessant und sehr ungewohnt. Daneben ist sicher der Gitarrist Wayne Krantz eine Entdeckung wert, der zum ersten Mal in Europa ist und aus dem Heavy Rock Einflüsse in den Jazz verpflanzt. Ganz abgesehen von Phronesis, die in der britischen Szene für Aufruhr gesorgt haben. 

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Hier die  Festival-Termine in der Übersicht:
(Tagestickets: 25 Euro, Abendkasse: 30 Euro, Festivalpass für alle vier Tage: 75 Euro)
Mehr Infos gibt es unter:  http://jazzmachine.lu

14. Mai: ab 18 Uhr:

Pit Dahm Trio feat. Haarmen Franje
Radio.String.Quartet.Vienna
Michel Portal – Vincent Peirani – Emile Parisien
Jeff Herr Corporation
Antoine Berjeaut 6tet – Wasteland

15. Mai: ab 18 Uhr:

Michel Reis Paris 4tet
Phronesis
Rabih Abou-Khalil Trio
Kyle Eastwood
Pol Belardi's Urban Voyage

16. Mai: ab 18 Uhr

Organic Trio
Dauner//Dauner
Franco Ambrosetti 6tet feat. Terri Lyne Carrington, Greg Osby und Buster Williams
Pascal Schumacher
Wayne Krantz Trio

17. Mai: 20 Uhr
Maceo Parker


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