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Faszinierende Blicke
Kultur 35 3 Min. 09.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Faszinierende Blicke

Die diesjährigen Preisträger Roland Schauls (2.v.l.) und Sandra Lieners (2.v.r.).

Faszinierende Blicke

Die diesjährigen Preisträger Roland Schauls (2.v.l.) und Sandra Lieners (2.v.r.).
Foto: Lex Kleren
Kultur 35 3 Min. 09.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Faszinierende Blicke

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Für die Kunstszene des Großherzogtums stehen seit Freitag zwei Höhepunkte an: Die Luxembourg Art Week und der Salon des Cercle Artistique de Luxembourg zeigen Zeitgenössisches aus dem In- und Ausland.

Rund 50 Galerien aus dem In- und Ausland buhlen derzeit auf der Luxembourg Art Week um Aufmerksamkeit. Im ebenfalls gestern eröffneten Salon des Cercle artistique de Luxembourg (CAL) im Tramsschapp hingegen geht es nur um die Kunst aus Luxemburg. Auf den ersten Blick fällt hier die Vielseitigkeit auf, Techniken und Themen haben sich ausdifferenziert.

Hier hängen und stehen Werke, die thematisch erst nicht viel zu sagen haben scheinen, neben solchen, die den Besucher mit ihrer Ausdrucksstärke regelrecht fesseln. Für die Ausstellung hat die Jury aus Bewerbungen von rund 115 Künstlern 40 Künstler ausgewählt. Die Hälfte sind Mitglieder des CAL und in der luxemburgischen Szene verortet, die anderen haben den Statut einer Mitgliedschaft noch nicht erreicht. Gezeigt werden 110 Werke, darunter 75 Gemälde und Gravierungen, 15 Fotos, 15 Skulpturen und fünf Installationen. Die Werke kosten zwischen 590 und 19.500 Euro.

Doppelbödiges Spiel

Aus diesem bunten Spiegel eingesessener und junger Künstler stechen einige Werke besonders hervor. Dazu gehören unter anderem die Beiträge von Roland Schauls, Serge Ecker, Sandra Lieners und Carina Kraus, die in ihrer Technik ausgefeilt und in ihrer Wirkung bestechend sind. Einerseits von faszinierender Klarheit und andererseits inhaltlich verwirrend mehrdeutig, ziehen sie den Blick immer wieder an, auch wenn der Besucher schon längst weitergegangen sein wollte.

Unter den Fotoarbeiten besticht besonders der ästhetisch klare und nüchterne Zyklus von Miikka Heinonen, Träger des Prix Grand-Duc Adolphe 2007 und 2017. Ebenfalls Sogwirkung entwickelt die Installation „SOMEN“ von Christiane Modert, zumindest in Teilen. Das Reizvollste an diesem Zusammenspiel aus Keramiken auf Tischen, Fotos und großen Keramiken auf Spiegeln offenbart sich, wenn der Besucher von oben in eine offene Keramik schaut: ein höhlenartiges Licht- und Schattenspiel. In der Tiefe wartet der in einer Schau unerwartete Blick in den Spiegel.

Die Installation lässt so die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen, nur leider wird diese Doppelbödigkeit nur punktuell erschaffen und erstreckt sich nicht auf die ganze Installation.


Mehr Zeitgenössisches

Gérard Claude, Träger des Prix Grand-Duc Adolphe 1979, hingegen hat aus Eiche und Esche drei übermannshohe Skulpturen geschaffen. Das Trio greift würde- und schwungvoll in den Raum, lärmt aber nie, sondern flüstert leise.


Ein Ort der Ruhe und Entfaltung: Sandra Lieners hat ihr Atelier zu ihrem Zuhause gemacht.
Freiräume schaffen
Sie hat es geschafft: Sandra Lieners ist eine der Künstlerinnen, die sich im Herbstsalon des Cercle Artistique de Luxembourg und der Luxembourg Art Week präsentieren darf.

Für Gesprächsstoff wird sicher auch die Installation von José Eurico Ebel sorgen. Als ein mal zusammengeklebtes, mal gestapeltes oder zerschnittenes Potpourri aus Papier, Kartons und Büchern präsentiert er ironisch „exhumierte Dinge“ aus seinem Schrank, die untereinander kommunizieren. Allein, was sich diese zu erzählen haben, wird sich nicht allen Besuchern erschließen. 

CAL-Präsident Marc Hostert freut sich auf verschiedene Meinungen. Und darüber, dass einige der Künstler dem Appell der Jury aus dem Vorjahr nachgekommen sind und sich mehr auf Installationen konzentriert haben. Mit den fünf Installationen sei der Salon diesmal „noch mehr in der Gegenwart.“ Weniger Retrospektive, mehr Zeitgenössisches. „Es geht darum, den Moment darzustellen. Punkt.“ Wie gut gelungen das ist, können Kunstinteressierte noch bis zum kommenden Donnerstag in Augenschein nehmen.

Ausgezeichnete Kunst

Die diesjährigen Preisträger des Prix Pierre Werner sind Roland Schauls und Sandra Lieners. Die beiden Künstler wurden am Freitagabend im Salon des Cercle Artistique de Luxembourg (CAL) für jeweils einen ihrer im Tramsschapp ausgestellten Beiträge ausgezeichnet.

Schauls erhält den Kunstpreis für „Windstille“, ein großformatiges Werk aus Acryl und Kohle auf Leinwand. Der Künstler, Jahrgang 1953, bekommt den Preis nach 1998 bereits zum zweiten Mal.

Roland Schauls erhält den Prix Pierre Werner für „Windstille“.
Roland Schauls erhält den Prix Pierre Werner für „Windstille“.
Foto: Chris Karaba

Lieners, Jahrgang 1990, wird für ihr Diptychon „Settembre“, Öl auf Leinwand, geehrt. Das Werk gehört zu der Serie „beyond the surface“. Schauls wurde von der Jury für seinen expressiven Realismus gelobt, Lieners für ihre technische Virtuosität.

Der Prix Pierre Werner wird alle zwei Jahre für ein im CAL-Salon ausgestelltes Werk vergeben und ist mit 2500 Euro dotiert. Zudem erhalten die Preisträger eine persönliche Ausstellung in der Galerie Schlassgoart.

Sandra Lieners wird für ihr Diptychon „Settembre“ mit dem Prix Pierre Werner ausgezeichnet.
Sandra Lieners wird für ihr Diptychon „Settembre“ mit dem Prix Pierre Werner ausgezeichnet.
Foto: Chris Karaba

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CAL-Salon im Tramsschapp, 49 rue Ermesinde. Noch bis zum 15. November geöffnet, am Samstag und Sonntag von 10 bis 19.30 Uhr, von Montag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr. Führungen am Samstag, 10 Uhr, auf Französisch, und am Sonntag, 10 Uhr, auf Luxemburgisch. Weitere Informationen unter
www.cal.lu


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