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Erinnerungen an den Mudam-Streit
Kultur 2 Min. 17.05.2019

Erinnerungen an den Mudam-Streit

Erinnerungen an den Mudam-Streit

Bild: Anouk Antony
Kultur 2 Min. 17.05.2019

Erinnerungen an den Mudam-Streit

Mudam: Wie aus den Reibereien dennoch eine Erfolgsgeschichte wurde.

Der folgende Artikel von Markus Pilgram erschien erstmals am 29. Juni 2011 im "Luxemburger Wort".

Auch Luxemburg ist von Skandalen im Bereich der Kunst nicht verschont geblieben. Wie überall jedoch kommt das Empfinden eines Skandals auf den jeweiligen Standpunkt an. Und auch in Luxemburg hatten Skandale den nicht zu leugnenden Wert, Reibungsflächen für oft längst überfällige gesellschaftliche Diskussionen und Entwicklungen zu sein. So folgte ja auch dem 1987 gefassten Entschluss, in Luxembourg ein Centre d’Art Contemporain zu gründen, mehr als nur eine heftige Diskussion. 


Mudam-Architekt Pei mit 102 Jahren gestorben
Abstrakte Formen und scharfe, geometrische Designs machten Ieoh Ming Pei zum Star. Die Louvre-Pyramide war sein berühmtestes Werk. Nun ist der Architekt im hohen Alter gestorben.

Und ist auch heute, exakt fünf Jahre nach der Einweihung des schließlich als Mudam realisierten Projekts noch einiges zu tun, um die Akzeptanz des Museums bei der Luxemburger Bevölkerung auf eine breite Basis positiver Selbstverständlichkeit zu stellen, so muss man doch die ausgefochtenen Streitigkeiten und Diskussionen als eine Erfolgsgeschichte bewerten, die dazu beigetragen hat, das Großherzogtum kulturell für das 21. Jahrhundert zu öffnen. 

Kurz sei hier nur erinnert an die weitsichtige Vision Jacques Santers (und anderer), mit dem Geschenk zum 25. Thronjubiläum von Großherzog Jean dem ganzen Land ein würdiges Schaufenster auf die Kunst zu bieten. Mit der Wahl Ieoh Ming Peis, des Autors der Louvrepyramide, wurde der Rahmen der Ambitionen weit gesteckt. Sein ehrgeiziges Projekt und seine persönliche Vorliebe für den Standort Dräi Eechelen, auf den Überresten der Festungsanlagen des Kirchbergs, wo er „Vergangenheit und Zukunft (zu) verbinden“ gedachte, führten zu Kontroversen im Parlament wie in der Öffentlichkeit. 

„Kulturschande“ 

Das „Pei-Museum“, wie es nun genannt wurde, erhitzte nicht nur die Gemüter der Hüter der öffentlichen Finanzen. Manch einer erinnert sich noch an Eingaben, Petitionen und Leserbriefe („Kulturschande“, „Danäergeschenk“, Unverantwortlichkeit“, „Inkompetenz“), die nicht nur Pflegebetten statt eines Museums forderten, sondern vor allem den Schutz des kulturellen Erbes auf den Drei Eicheln bedroht sahen. Die angepeilte Einweihung zum Kulturjahr 1995 musste verschoben werden. Denn trotz des Einlenkens des Architekten, auf das Reduit des Fort Thüngen zu verzichten, trotz der Aussicht, dort ein Festungsmuseum einzurichten, sollte noch viel Wasser die Alzette hinab fließen, bevor im Jahre 1999 der erste Spatenstich erfolgte. Erst als auch der bald darauf eskalierende Streit um die das Museum verkleidenden burgundischen Kalksteine vom Typ Magny-doré nach dreijähriger Bauunterbrechung schließlich beigelegt wurde, konnte das Museum am 1. Juli 2006 eingeweiht werden. 

Und die Moral von der Geschicht’? Das über fünfzehn Jahre dauernde Gefecht um Sinn und Unsinn eines Museums für Moderne Kunst in Luxemburg ist noch nicht vollkommen beigelegt. Doch allein der Erfolg einer Veranstaltung wie der Mudam-Akademie, in deren Rahmen auch diese Veröffentlichungen standen, ist ein Hinweis auf die sich verbreiternde Akzeptanz und die gewachsene Offenheit der Einwohner des Großherzogtums. Dem alten Motto des Luxemburger Selbstverständnisses „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn,“ kann der Betrachter von Außen dann auch nur mit Wolf Biermann antworten: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“