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Erfolg mit Ansage: „The Square“ gewinnt europäischen Filmpreis
Kultur 3 Min. 10.12.2017

Erfolg mit Ansage: „The Square“ gewinnt europäischen Filmpreis

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund posiert mit den drei Preisen für "The Square".

Erfolg mit Ansage: „The Square“ gewinnt europäischen Filmpreis

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund posiert mit den drei Preisen für "The Square".
Foto: AFP/Tobias Schwarz
Kultur 3 Min. 10.12.2017

Erfolg mit Ansage: „The Square“ gewinnt europäischen Filmpreis

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die Zuschauer kamen mit dem Zählen fast nicht mehr hinterher. Gleich sechs europäische Filmpreise räumte die schwedische Satire „The Square“ ab - auch den Hauptpreis.

(dpa) - Erst die Goldene Palme, dann die Nominierung für den Auslands-Oscar - und jetzt die Ehrung als bester europäischer Film des Jahres. Die schwedische Gesellschaftssatire „The Square“ von Ruben Östlund räumte bei der Verleihung des 30. Europäischen Filmpreises aber nicht nur in der Königskategorie ab. Fünf weitere Preise holte die in der Kunstszene spielende Komödie am Samstagabend in Berlin.

Die Deutschen gingen auch nicht ganz leer aus: Maria Schrader erhielt für ihr Stefan-Zweig-Biopic „Vor der Morgenröte“ den Publikumspreis. „Das habe ich wirklich nicht erwartet“, sagte die Schauspielerin und Regisseurin überglücklich.

Keine Chance gegen die starke Konkurrenz hatte dagegen die deutsche Schauspielerin Paula Beer, die für ihre Rolle in dem Drama „Frantz“ als beste Darstellerin nominiert war. In dieser Kategorie gewann Alexandra Borbély für ihre Rolle in dem ungarischen Berlinale-Gewinner „Körper und Seele“.

Claes Bang bester Schauspieler

Auch Regisseur Simon Verhoeven hatte kein Glück: Er war mit seinem Flüchtlingsfilm „Willkommen bei den Hartmanns„ in der Kategorie Beste Komödie nominiert - und verlor gegen den großen Sieger des Abends „The Square“, der damit sowohl den Spielfilm- als auch den Komödienpreis einheimste.

„The Square“-Hauptdarsteller Claes Bang wurde außerdem als bester Schauspieler geehrt und setzte sich damit unter anderem gegen Colin Farrell und Josef Hader durch. Der Däne Bang spielt einen Museumschef in der Sinnkrise, der mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert wird. Weitere Preise gab es für „The Square“ in den Sparten Regie, Drehbuch und Szenenbild. Im vergangenen Jahr hatte Maren Ades Drama „Toni Erdmann“ den Preis als bester Spielfilm gewonnen.

Vor Aufregung zitternd nahm die französisch-amerikanische Schauspielerin Julie Delpy (47) den Preis für einen „Europäischen Beitrag zum Weltkino“ entgegen. Per Videobotschaft gratulierte ihr amerikanischer Schauspielkollege Ethan Hawke. „Je länger ich darüber nachdenke: Du verdienst diesen Preis!“, so Hawke.

Finanzierung durch Tombola

„Ich bekomme diesen Preis für das Überleben in diesem Geschäft“, meinte Delpy („Before Midnight“, „2 Tage Paris“) mit Blick auf die Situation von Frauen in der Filmwelt. Bei der Party nach der Gala werde sie Tombola-Lose zur Finanzierung ihres neuen Films verkaufen, meinte Delpy. Der Gewinner sollte ein Frühstück mit ihr bekommen. Das erste Los kaufte Comedian Thomas Hermanns, der als Moderator durch die Gala führte.

Die Rede von Akademiepräsident Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“) zum 30. Filmpreis-Geburtstag fiel explizit politisch aus. Der sichtlich aufgewühlte Regisseur hielt eine flammende Rede für Europa und gegen erstarkenden Nationalismus. „In eine Depression zu verfallen, wird uns nicht helfen“, sagte Wenders. „Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, so der Filmemacher. „Lang lebe unser vielfältiges und freies europäisches Kino.“

Zu der Gala im Haus der Berliner Festspiele waren rund 900 Schauspieler, Regisseure und andere Filmschaffende gekommen. Auf dem roten Teppich standen unter anderem Juliette Binoche, Volker Schlöndorff, Detlev Buck, Peter Simonischek, Ai Weiwei und Ulrich Matthes.


Die Gewinner im Überblick:

Bester Spielfilm:

- „The Square“ von Ruben Östlund (Schweden)

Beste Komödie:

- „The Square“ von Ruben Östlund (Schweden) 

Beste Schauspielerin:

- Alexandra Borbély („Körper und Seele“)

Bester Schauspieler:

- Claes Bang („The Square“)

Bester Dokumentarfilm:

- „Kommunion“ von Anna Zamecka (Polen)

Bester Animationsfilm:

- „Loving Vincent“ von Dorota Kobiela und Hugh Welchman (Polen/ Großbritannien)

Beste Regie:

- Ruben Östlund für „The Square“

Bestes Drehbuch:

- Ruben Östlund für „The Square“

Bester Debütfilm: 

- „Lady Macbeth“ von William Oldroyd (Großbritannien)

Publikumspreis:

- „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader

Beste Kamera:

- Michail Krichman („Loveless“)

Bester Schnitt:

- Robin Campillo („120 BMP“)

Bestes Szenenbild:

- Josefin Asberg („The Square“)

Bestes Kostümbild:

- Katarzyna Lewinska („Die Spur“)

Bestes Maskenbild:

- Leendert van Nimwegen („Brimstone“)

Beste Filmmusik:

- Evgueni & Sacha Galperine („Loveless“)

Bestes Sounddesign:

- Oriol Tarragó („Sieben Minuten nach Mitternacht“)

Europäischer Beitrag zum Weltkino:

- Julie Delpy

Ehrenpreis für das Lebenswerk: 

- Alexander Sokurow


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