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Einfache Geschichte, starke Wirkung
Wer hat die Kinder in den Wald gelockt? Mahershala Ali (M.) beeindruckt als Ermittler Wayne Hays mit einem nuancenreichen Spiel.

Einfache Geschichte, starke Wirkung

Foto: Warrick Page/HBO
Wer hat die Kinder in den Wald gelockt? Mahershala Ali (M.) beeindruckt als Ermittler Wayne Hays mit einem nuancenreichen Spiel.
Kultur 1 2 Min. 07.04.2019

Einfache Geschichte, starke Wirkung

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Die Zapping-Serienkritik der Woche: In „True Detective 3“ suchen zwei Polizisten Jahrzehnte nach einem Kind und verlieren sich selbst. Das Spiel auf drei Zeitebenen, zwischen denen der Plot stets nachvollziehbar wechselt, zeichnet am Ende das komplexe Porträt eines Mannes, der sich vom unbeugsamen Polizisten zum dementen Rentner wandelt.

Zwei Kinder verschwinden, und ringsherum geht die verdorbene Welt in Stücke, sogar die der Ermittler: Die dritte Staffel der HBO-Serie „True Detective“ begibt sich auf eine düstere Reise, die 1980 beginnt und sich bis 2015 zieht.

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In der ersten Staffel hefteten sich Matthew McConaughey und Woody Harrelson in Louisiana auf die Spuren eines Ritualmörders, in der zweiten Ausgabe mühten sich Colin Farrell, Rachel McAdams und Vince Vaughn in Kalifornien um die Lösung von Mordfällen in Politikerkreisen. Diesmal stehen die Ermittler Wayne Hays (Oscar-Preisträger Mahershala Ali) und Roland West (Stephen Dorff) in Arkansas vor einem schier unlösbaren Rätsel, dessen Geheimnis verrottete Institutionen und verdorbene Existenzen verteidigen.

Entwicklung der Charaktere im Fokus

Dabei tritt das klassische whodunit im Laufe der acht Folgen in den Hintergrund, um der Entwicklung der Charaktere Raum zu geben. Allen voran geht es um den Polizisten Hays, dessen Leben sich mit dem Fall besonders stark verwebt – auch, weil er bei den Ermittlungen die Lehrerin Amelia (Carmen Ejogo) kennenlernt und ihre Beziehung immer wieder um das Verbrechen kreist.


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Der Zuschauer erlebt Hays in drei verschiedenen Zeitebenen: 1980, als die Kinder verschwinden, gerät er in den Bann des vertrackten Falles, als die Akten zehn Jahre später wieder geöffnet werden, brechen in seinem Leben große Risse auf, 2015 geht es darum, als Demenzkranker die Scherben zu sortieren. 

Komplexes Porträt

Damit wird das große Thema der ersten Staffel, der Kontakt mit dem unergründbar Bösen und der persönlichen Verstrickung in dessen Bekämpfung, stimmig variiert. Im Fokus auf nur einen der beiden Polizisten liegt auch der größte Unterschied zu den beiden vorangegangenen Staffeln. Das Spiel auf drei Zeitebenen, zwischen denen der Plot stets nachvollziehbar wechselt, zeichnet am Ende das komplexe Porträt eines Mannes, der sich vom unbeugsamen Polizisten zum irrlichternden Familienvater und dann zum dementen Rentner wandelt, der gegen alle Widerstände das Drama, das alle relevanten Bereiche seines Lebens durchdrungen hat, endlich auflösen will. 


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Noch mehr als bei der viel gelobten ersten Staffel ist hier die eigentliche Krimihandlung einfach. Am Anfang steht zwar das Verschwinden der beiden Kinder, aber die Reihe tragischer Langzeit- und Personenschäden ergibt sich weniger durch direkte kriminelle Fremdeinwirkung als durch das Kreisen um die eigene Identität und das Koexistieren von früheren und gegenwärtigen Ichs der tragenden Figuren. Das ist eine gelungene Konstruktion, die der Serie eine bewegende Tiefe gibt. 

Sauber bleiben im Dreck

Nach viel Kritik an der zweiten Staffel – wirrer Plot mit vielen Figuren, die mit der Geschichte nicht verwoben waren – , braut Serienschöpfer Nic Pizzolatto in Nummer drei eine nachdenkliche und spannende Quintessenz um Aufrichtigkeit und Lebensschuld. 

Einziges Manko ist die Regie, die Jeremy Saulnier („Green Room“), Daniel Sackheim („House“) und Pizzolatto übernahmen. Die verschiedenen Handschriften geben allen Folgen zwar ein einheitliches Tempo, aber die visuelle Konsequenz leidet unter der Arbeitsteilung, wodurch sich nur wenige starke Bilder entfalten. 


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Einen eindrucksvollen Ausgleich dazu schafft aber Mahershala Ali, der ein intensives, aber nie aufdringliches Spiel zeigt und das vielschichtige, aber nie pathetische Bild eines Suchenden zeichnet. Stephen Dorff bleibt in seiner Nebenrolle naturgemäß statischer, ergänzt Ali aber perfekt, besonders in metaphysischen Wortgefechten im Dienstwagen. 

„True Detective 3“ ist auf Amazon Prime abrufbar.


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