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Eine Welt der Bücher in fünf Porträts
Kultur 8 3 Min. 03.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine Welt der Bücher in fünf Porträts

Mit Büchern um die Welt.

Eine Welt der Bücher in fünf Porträts

Mit Büchern um die Welt.
Foto: Chris Karaba
Kultur 8 3 Min. 03.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Eine Welt der Bücher in fünf Porträts

Marc THILL
Marc THILL
Beim "Festival des Migrations, des Cultures et de la Citoyenneté" steht vor allem die Kultur im Vordergrund - auch die gedruckte. Vier Porträts von Verlegern und Autoren aus aller Welt.

Als Sohn einer Indio-Familie wurde Walter Lingán 1954 in den peruanischen Anden geboren. Spanisch hat er in der Schule gelernt, seine Muttersprache ist Quechua, eine Inka-Sprache. In Lima studierte er Medizin, engagierte sich gegen die Militärdiktatur und emigrierte 1982 nach Köln, wo er heute lebt und als Röntgenarzt arbeitet. Er ist auch Schriftsteller, schreibt und publiziert auf Spanisch.

 Der peruanische Schriftsteller Walter Lingán stellte sein neues Buch "Un Cuy Entre Alemanes"  beim "Salon du Livre et des Cultures" vor.
Der peruanische Schriftsteller Walter Lingán stellte sein neues Buch "Un Cuy Entre Alemanes" beim "Salon du Livre et des Cultures" vor.
Foto: Chris Karaba

Das "Institut Culturel Luxembourgeois-Péruvien" hat ihn zum Salon des Livres eingeladen. Auf seinem Programm: eine Lesung am Samstag und zwei lange Tage am Bücherstand im Foyer der Messehalle. „Es sind eigentlich nur wenige Peruaner, die hier vorbeischauen, aber doch viele Luxemburger und andere Europäer, die halt gerne Geschichte auf Spanisch lesen“, sagt er. „Ich schreibe über Peru, aber auch über Deutschland, meine Geschichten verweben sich zwischen diesen beiden Kulturen“, meint er und fügt dann hinzu: „Es sei schwer die peruanische Leserschaft zu gewinnen, da in Peru wegen der Armut und des Bildungsrückstandes weniger Bücher gelesen werden.“

Von Indien über Vietnam nach Nepal und zurück nach Indien

Er wuchs im Vietnam auf, ist aber Inder, und gelangte während des Vietnamkrieges nach Frankreich und hat zunächst in Nepal als Buchhändler gearbeitet. Raj de Condappa ist aber auch Verleger und hat 1991 in Puducherry, einer Kleinstadt am Golf von Bengalen südlich von Madras, den Verlag „Editions Kailash“ gegründet, benannt nach dem heiligen Berg der Tibeter - ganz Asien vereint in einem Mann, der die Schrift und das Buch liebt.

Raj de Condappa (r.) ist Inder, er hat 1991 den Verlag „Editions Kailash“ gegründet, der sehr handwerklich angefertigte Bücher über ganz Asien auf den Markt bringt.
Raj de Condappa (r.) ist Inder, er hat 1991 den Verlag „Editions Kailash“ gegründet, der sehr handwerklich angefertigte Bücher über ganz Asien auf den Markt bringt.
Foto: Chris Karaba

Sein Verlag hat natürlich auch ein Standbein in Paris, wo ein Teil der redaktionellen Arbeit stattfindet. Die Bücher werden in Indien gedruckt und das in einem sehr handwerklichen Verfahren: Siebdruck von Hand und auf natürlichem oder recyceltem Farbpapier. Dadurch entsteht eine sehr originelle, visuelle Identität dieser Bücher, die wirkliche kleine Kunstwerke sind. Raj de Condappa verlegt die Krimis, die der bekannte indische Filmmacher Satyajit Ray geschrieben hat. Dessen Romanfigur Feluda ist für die bengalische Literatur so etwas wie ein Gegenstück zu Sherlock Holmes. Der wurde zum beliebtesten Detektiv der indischen Welt. „Ein spannender Krimi“, meint Raj de Condappa und verweist auf das Buch „Les criminels de Katmandou“.


36e Festival des migrations, Kirchberg, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Luxexpo: Einmal rund um die Welt
Bereits zum 36. Mal findet am Wochenende das Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté in der Luxexpo the Box in Kirchberg statt.

Marc Koutekissa ist Kongolese und Journalist. Nach einem abgebrochenen Jura-Studium hat er Journalismus in Kongo-Brazzaville und in Frankreich studiert. Heute ist er Europa-Korrespondent der Wochenzeitung „La Semaine africaine“, zugleich aber auch Verleger und Schriftsteller. Vor vier Jahren hat er seinen Verlag Cyr-Editions gegründet und veröffentlicht darin vor allem Märchenbücher aus Afrika. Dafür bereist er die afrikanischen Länder, in denen er die Bewohner nach ihren Erinnerungen befragt: Geschichten, Märchen, Sagen, Legenden…

Auf Madagaskar hat ihn sein Fahrer das Wort „mora mora“ gelehrt, „langsam“ in Malgasy. Als Afrikaner, der in Europa lebt, musste er auf seinem Heimatkontinent komischerweise seinen Lebensrhythmus etwas zurückschrauben. „Profitez de la sagesse de nos aïeux!“ schreibt Marc Koutekissa seinen Lesern als Widmung in seine Märchenbücher.

Fiktive Porträts und das Recht darauf, Mensch zu sein

Ein geruhsames Leben führt auch Patrick Lowie nicht. Der Belgier ist ein richtiger Tausendsassa, der Vieles anpackt. Er schreibt Drehbücher, Theaterstücke, Gedichte und Geschichten, hat sich vor allem aber auf Porträts spezialisiert. Er porträtiert Persönlichkeiten aller Herkunft, doch es sind keine Porträts, die immer bis ins kleinste Detail der Wahrheit entsprechen, vielmehr sind es fiktive Beschreibungen der Personen, Erfindungen und erträumte Bilder von Menschen. Wen er porträtiert entscheidet Patrick Lowie.

„Next (F9)“ heisst sein Buch der erträumten 111 Porträts – F9 ist die Funktionstaste, die genutzt wird, um ein Computerprogramm voranschreiten zu lassen. Patrick Lowie ist auch Verleger und vertritt beim Salon du Livre einige kleine Verlage aus Belgien. „Es ist eine sehr angenehme Büchermesse, es läuft ruhig, aber wir zahlen kein richtiges Standgeld, nur ein Teil des Umsatzes geht an den Veranstalter“, sagt er. 

Georges de Kerchove, Anwalt in Brüssel, der für die Rechte der Obdachlosen kämpft. Er ist der Autor des Buches „Rue des droits de l’homme – la fronde des sans-abri“.
Georges de Kerchove, Anwalt in Brüssel, der für die Rechte der Obdachlosen kämpft. Er ist der Autor des Buches „Rue des droits de l’homme – la fronde des sans-abri“.
Foto: Chris Karaba

Belgier ist auch Georges de Kervchove. Er ist Anwalt in Brüssel und stellt in einer Konferenz auf Einladung von ATD Quart Monde und im Gespräch mit Gilbert Pregno, dem Vorsitzenden der „Commission consultative des droits de l’homme“, sein Buch „Rue des droits de l’homme – la fronde des sans-abri“ vor. Georges de Kerchove erzählt wie er an der Brüsseler Gare Centrale für die Rechte der Obdachlosen gekämpft und sich dagegen gewehrt hat, dass man sie dort hinauskehre wie Dreck, den die Säuberungsmannschaften am frühen Morgen entfernen. Er verlangt das Recht auf Respekt des Menschen und auch das Recht darauf, in dieser Gesellschaft irgendwie nützlich zu sein. Ihm gelang mit einer Unterschriftenaktion das Abschaffen eines Gesetzes in Belgien, wonach die Wanderschaft von Menschen als gesetzeswidrig betrachtet wird.