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Ein Lächeln verändert die Welt
Kultur 6 5 Min. 29.03.2020

Ein Lächeln verändert die Welt

Leonardo da Vinci malte seine Mona Lisa um 1503-1506.

Ein Lächeln verändert die Welt

Leonardo da Vinci malte seine Mona Lisa um 1503-1506.
Archiv LW
Kultur 6 5 Min. 29.03.2020

Ein Lächeln verändert die Welt

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
In Pandemie-Zeiten ist es besonders wichtig, sich und andere daran zu erinnern, dass Freude und Schönheit noch immer ihren festen Platz im Alltag und Leben haben. Weil Kunst dabei hilft, hat Malerin und Pädagogin Lidia Markiewicz in sozialen Medien den Aufruf gestartet, Kinder sollen „ihre“ Mona Lisa malen und ihr zuschicken. Und das Resultat ist ebenso verblüffend wie seine Wirkung.

„Aber natürlich muss ich selbst bei so manchem Bild schmunzeln, ja manchmal sogar losprusten!“, meint Lidia Markiewicz und lächelt. Ein Ausdruck der Freude, der nicht, wie gewohnt, für ihr Gegenüber zu sehen, aber an der schwerelos-fröhlichen Schwingung der Stimme der Luxemburger Künstlerin dennoch deutlich spürbar ist – und das Herz erwärmen tut er genauso wirkungsvoll.

Leonardo da Vinci malte seine Mon "Madonna" Lisa um 1503-1506, heute residiert die Dame im Pariser Louvre.
Leonardo da Vinci malte seine Mon "Madonna" Lisa um 1503-1506, heute residiert die Dame im Pariser Louvre.
Archiv LW

In Zeiten lebensrettender „gestes barrières“ und notwendigem „social distancing“ ist alles anders: Wo früher in Sekundenschnelle unsichtbare Brücken über die non-verbale Kommunikation, also Körpersprache, gebaut wurden, muss man sich heute auf Worte verlassen, um seine Gefühle mitzuteilen. 

Die Gefahr, dass Traurigkeit, gar Einsamkeit Einzug halten, lauert.

Geheimwaffe: Lächeln

Doch dies einfach tatenlos hinzunehmen, gedenkt die Künstlerin und Kunstpädagogin nicht, deshalb startet sie ihre ganz eigene kreative Offensive gegen das Corona-Virus, das unseren Alltag so einschneidend verändert hat. Und ihre Geheimwaffe dabei ist ein Lächeln.

Ein Lächeln vermittelt uns ein positives, schönes Gefühl, genau wie die Kunst selbst – deshalb sind beide aktuell umso wichtiger

Lidia Markiewicz, Malerin und Kunstpädagogin

Wie es wirkt? „Es vermittelt uns ein positives, schönes Gefühl, genau wie die Kunst selbst – deshalb sind beide aktuell umso wichtiger“, erklärt Markiewicz. Also hat sie in den sozialen Netzwerken den Aufruf gestartet, kleine Künstler sollten ihr doch bitte ihre Interpretation von Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ zuschicken.

Ihr Lächeln, das Klein und Groß gleichermaßen beim Kampf gegen den Lagerkoller Schützenhilfe bieten soll, und die Frau, der es gehört, passen eigentlich so gar nicht in den aktuellen Schönheitskanon des roten Kussmundes mitsamt schneeweiß-gebleachter Zähne – und trotzdem sind beide bezaubernd.   

Im besten Sinne "ansteckend"  

 Aber was macht es so einzigartig? „Sie schaut einen direkt an, selbst wenn man sich so seitlich hin und her bewegt, hat man das Gefühl ihr Blick folgt einem – zu gerne würde ich den Künstler fragen, ob das gewollt war und vor allem, wie er das gemacht hat“, erklärt die 11-jährige Julie aus Mamer und fügt hinzu, „Lächeln ist sogar noch ansteckender als Gähnen: Wenn jemand dich anlächelt, musst du zurücklächeln!“  

Lächeln ist sogar noch ansteckender als Gähnen: Wenn jemand dich anlächelt, musst du zurücklächeln!

Julie, 11-jährige Künstlerin aus Mamer

Besonders interessant findet sie die Geschichte, die sich hinter dem Bild versteckt, das für sie fast wie ein Foto aussieht. Und weil sie selbst neugierig war, wie ihre Lisa denn ausfallen würde, hat sie mitgemacht: „Anfangs dachte ich, es würde wegen der vielen Details schwierig sein, aber dann habe ich mich hingesetzt, es mir ganz genau angeschaut und die Schatten darin beobachtet – und einfach losgemalt.“   

Für ihre Mona Lisa hat die 11--jährige Julie Wasserfarben benutzt: "Den Verlauf von Wasserfarben kann man nicht immer ganz kontrollieren, und das lässt oft Details entstehen, die einen selber überraschen"
Für ihre Mona Lisa hat die 11--jährige Julie Wasserfarben benutzt: "Den Verlauf von Wasserfarben kann man nicht immer ganz kontrollieren, und das lässt oft Details entstehen, die einen selber überraschen"
Julie Andonov

 Sich selbst und andere überraschen  

Dafür hat sie zu Wasserfarben gegriffen: „Den Verlauf von Wasserfarben kann man nicht immer ganz kontrollieren, und das lässt oft Details entstehen, die einen selber überraschen“, so die kleine Künstlerin.

Sie mag es dennoch lieber bunter und findet, dass die gedämpften Farben die lächelnde Dame auch etwas traurig erscheinen lassen. Am Malen hatte sie trotzdem ihre helle Freude: „Ich male sehr gerne – und ich finde es spannend, zu sehen, wie ich mich dabei entwickele und verbessere.“

Zeichnungen zeigen Gefühle

Tausende Menschen täglich drängeln sich normalerweise ganz schamlos vor, um Mona Lisas Lächeln im Louvre zu erhaschen.
Tausende Menschen täglich drängeln sich normalerweise ganz schamlos vor, um Mona Lisas Lächeln im Louvre zu erhaschen.
AFP

Nicht nur kennt jeder dieses Lächeln, in normalen Zeiten vergessen seinetwegen täglich Tausende Menschen auch noch ihre gute Kinderstube und drängeln sich ganz schamlos vor, um es im Louvre zu erhaschen.

Kinder packen ihre Gefühle in eine Zeichnung – Malen ist eine der ersten Sprachen der Menschheit

Lidia Markiewicz, Initatorin des Mona-Lisa-Aufrufs

Heute genießt die Dame hinter dem Schutz ihres Panzerglases dort wohl ihre Ruhe umso mehr – und lächelt nicht mehr für die Fotos und Selfies von Millionen Besuchern, sondern weil Meister Leonardo seine Mona – kurz für „Madonna“ – Lisa del Giocondo, Frau eines Florentiner Kaufmanns, um 1503-1506 so festhielt. 

„La Gioconda“, die „Heitere“, deren Identität Jahrhunderte lang so geheimnisvoll wie ihr sanftes Lächeln war, begleitete Da Vinci ein Leben lang.


Un dimanche après-midi à l’Île de la Grande Jatte
credit line: Helen Birch Bartlett Memorial Collection Art Institute Chicago
Hingucker: Der kulturelle Lichtblick des Tages
Einen „Kulturellen Lichtblick des Tages“, das braucht es gerade jetzt – und wir liefern ihn täglich frei Haus.

Da Markiewicz nicht nur selbst Künstlerin ist, sondern diese seit Jahren ebenfalls querbeet durch alle Altersgruppen als Pädagogin vermittelt, weiß sie, wie wichtig kreative Ausdrucksformen für den Menschen sind – in Krisenzeiten umso mehr: „Kinder packen ihre Gefühle in eine Zeichnung – Malen ist eine der ersten Sprachen der Menschheit, viele Erwachsene vergessen aber leider mit den Jahren, wie wichtig und befreiend kreatives Schaffen für uns Menschen eigentlich ist.“

Kleiner Rundgang durch das Reich der Lisa:

Keine Beschäftigungstherapie

Beschäftigungstherapie ist der Malauftrag aus dem Netz demnach nicht, vielmehr soll er auch positive Begegnungsmomente zwischen Generationen schaffen – und bestenfalls Eltern und Kinder in der gemeinsamen Kreativität vereinen, so Markiewicz, die unterstreicht: „Kinder haben beim Schaffen diese wundervolle Freiheit – während ihnen das Malen helfen kann ihre aktuellen Ängste zu verarbeiten, erinnert es uns Erwachsene daran, wie sich diese Losgelöstheit anfühlt und wie sehr wir alle sie auch brauchen.“

Ganz anders und doch unverkennbar - die Zeichnungen der kleinen Luxemburger Leonardos erinnern wirksam daran, dass auch in Pandemiezeiten Schönheit und Freude ihren festen Platz in unserem Alltag und Leben haben.
Ganz anders und doch unverkennbar - die Zeichnungen der kleinen Luxemburger Leonardos erinnern wirksam daran, dass auch in Pandemiezeiten Schönheit und Freude ihren festen Platz in unserem Alltag und Leben haben.
LW

Warum Mona Lisa dabei eine größere Herausforderung ist, als in die Fußstapfen eines großen Meisters wie Da Vinci zu treten, erklärt indes der 12-jährige Noah aus Bonneweg: „Porträt ist nun wirklich nicht meine Stärke – und auch der Stil des Bildes entspricht nicht wirklich dem meinem.“

Ich male halt doch lieber eigene Motive, das macht mir einfach mehr Spaß.

Der 12-jährige Noah über den Kunstchallenge

Dennoch hat er sich ganz mutig am Kunstchallenge versucht und hierfür eigenhändig Recherchen im Internet betrieben. Mit dem Resultat ist er trotzdem nur moderat zufrieden – und zeigt sich kritischer als alle anderen, denen er sein Bild gezeigt hat und denen es sehr gut gefällt. „Ich male halt doch lieber eigene Motive, das macht mir einfach mehr Spaß.“

 Farbe, Stift, Pinsel – fertig, los!  

Wenn es nach Lidia Markiewicz geht, soll dies trotzdem nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben: „Demnächst werde ich wohl alle bitten, zu kleinen Picassos zu werden!“ Bis dahin sollen die kleinen Künstler Markiewicz aber ihr schönstes Lächeln der Welt schenken – und über soziale Medien zuschicken. 

Und das Beste an der ganzen Sache: Nicht nur zaubern die ganz persönlichen Interpretation der Luxemburger Leonardos „en herbe“ dem Betrachter selbst ein Lächeln ins Gesicht, in der digitalen Galerie ist der Ausstellungsplatz auch noch unendlich. 

Also: an die Stifte und Pinsel, fertig, los!

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Bilder mit Vornamen und Alter der kleinen Künstler  (sowie eventuell Wohnort bzw. Land) an Lidia Markiewicz schicken über Facebook oder per E-mail . 

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