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Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah
Kultur 5 2 2 Min. 07.10.2021
Stockholm

Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah

Abdulrazak Gurnah, hier 2006 bei einer Veranstaltung in New York, wurde der Literaturnobelpreis zuerkannt.
Stockholm

Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah

Abdulrazak Gurnah, hier 2006 bei einer Veranstaltung in New York, wurde der Literaturnobelpreis zuerkannt.
Foto: dpa
Kultur 5 2 2 Min. 07.10.2021
Stockholm

Literaturnobelpreis für Abdulrazak Gurnah

Die Schwedische Akademie vergibt die Auszeichnung 2021 an den in Sansibar geborenen und nach England geflüchteten Autoren.

(dpa/dco) - Die Schwedische Akademie hat verkündet, wer in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird: Die Auszeichnung geht an  Abdulrazak Gurnah, geboren in Sansibar und Professor für englische Sprache in England, „für seine kompromisslose und mitfühlende Durchdringung der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen den Kulturen und Kontinenten“.

Die Akademie veröffentlichte folgende biografische Informationen: „Abdulrazak Gurnah wurde 1948 geboren und wuchs auf der Insel Sansibar im Indischen Ozean auf, kam aber Ende der 1960er-Jahre als Flüchtling nach England. Nach der friedlichen Befreiung von der britischen Kolonialherrschaft im Dezember 1963 erlebte Sansibar eine Revolution, die unter dem Regime von Präsident Abeid Karume zu Unterdrückung und Verfolgung der Bürger arabischer Herkunft führte; es kam zu Massakern.“ 

Hier ein Video, in dem der Autor Einblicke in das 2017 erschienene Buch „Gravel Heart“ gibt:

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Zehn Romane um Flucht und kulturelle Zerrissenheit

„Gurnah gehörte zu den Opfern und war nach seinem Schulabschluss gezwungen, seine Familie zu verlassen und aus dem Land zu fliehen, das damals die neu gegründete Republik Tansania war. Er war achtzehn Jahre alt. Erst 1984 war es ihm möglich, nach Sansibar zurückzukehren und seinen Vater kurz vor dessen Tod zu sehen. Gurnah war bis zu seiner Pensionierung Professor für Englisch und postkoloniale Literaturen an der Universität von Kent in Canterbury und beschäftigte sich vor allem mit Schriftstellern wie Wole Soyinka, Ngũgĩ wa Thiong'o und Salman Rushdie.“ 

„Gurnah hat zehn Romane und eine Reihe von Kurzgeschichten veröffentlicht. Das Thema der Zerrissenheit des Flüchtlings zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Er begann als 21-Jähriger im englischen Exil zu schreiben, und obwohl Swahili seine erste Sprache war, wurde Englisch sein literarisches Werkzeug.“

Für den deutschsprachigen Buchmarkt bedeutet der neue Literaturnobelpreisträger offenbar eher eine Enttäuschung. Auf Deutsch sei derzeit kein Titel lieferbar, berichtete das Fachmagazin „Börsenblatt“ am Donnerstag in Frankfurt. 


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Würdige Kandidaten für den Nobelpreis gab es genügend. Immer wieder wird unter anderen die Kanadierin Margaret Atwood für den Preis gehandelt, auch ihre Landsfrau Anne Carson zählt seit Jahren zu den Favoritinnen. Andere Namen, die konstant von Experten und Wettbüros genannt werden, sind der Japaner Haruki Murakami, der Kenianer Ngugi wa Thiong'o sowie die Russin Ljudmila Ulitzkaja und Maryse Condé aus dem französischen Überseegebiet Guadeloupe. Bei den Buchmachern schoben sich zuletzt auch der Rumäne Mircea Cartarescu und die Französin Annie Ernaux in den engeren Favoritenkreis.

Im vergangenen Jahr wurde die amerikanische Dichterin Louise Glück mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Sie erhielt ihn „für ihre unverkennbare poetische Stimme“, mit der sie „mit strenger Schönheit die individuelle Existenz universell“ mache, wie Malm gesagt hatte.


2016 in Washington: Die amerikanische Poetin Louise Glück bei der Verleihung der National Humanities Medal (Medaille für Geisteswissenschaften) im Weißen Haus.
Im Porträt: Louise Glück und die Flucht in die Bücher
Schon als junges Mädchen hat sich die frisch gekürte Literatur-Nobelpreisträgerin Louise Glück gerne hinter Büchern versteckt.

Nach der Kategorie Literatur folgt am Freitag die Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers, der als einziger in der norwegischen Hauptstadt Oslo gekürt wird. Zurück in Stockholm werden dann zum Abschluss die Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften verkündet - diese Kategorie ist die einzige, die nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht.

Alle Nobelpreise sind wie im Vorjahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

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