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Ea und der (nicht so) liebe Gott
Kultur 1 3 Min. 30.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Dreharbeiten zu Jaco Van Dormaels „Le tout nouveau testament“

Ea und der (nicht so) liebe Gott

Kultur 1 3 Min. 30.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Dreharbeiten zu Jaco Van Dormaels „Le tout nouveau testament“

Ea und der (nicht so) liebe Gott

Gott hat ein Problem: Es ist zehn Jahre alt, heißt Ea und ist seine Tochter. Weil sie die Schnauze voll hat von den Launen ihres alten Herrn, stellt Sie kurzerhand die Todestage aller Menschen online. So die Story von Jaco Van Dormaels „Le tout nouveau testament“.

Von Vesna Andonovic

Gott hat ein Problem: Es ist zehn Jahre alt, heißt Ea und ist seine Tochter. Weil sie die Schnauze voll hat von den Launen ihres alten Herrn und um dem miesepetrigen „Pater familias“ mal so richtig eins auszuwischen, stellt der kleine himmlische „Whistleblower“ kurzerhand die Todestage aller Menschen online ... so die Geschichte von „Le tout nouveau testament“, dem neuen Film des belgischen Regisseurs Jaco Van Dormael. Von der Luxemburger „Juliette Films“ koproduziert, wird er gerade im Großherzogtum gedreht – mit Benoît Poelvoorde als himmlischem Herrscher in der Bredouille. Na, wenn das nicht mal ein spannendes „ça promet“ ist!

Jaco Van Dormael ist definitiv ein „Mr. Somebody“ – und zwar nicht, weil er sich ein solches Air gibt, sondern ein wahrer Visionär ist. Das weiß man spätestens seit seinem letzten Film „Mr. Nobody“ – der definitiv das Prädikat „Meisterwerk“ verdient. Nicht von ungefähr erhielt der 1957 in Ixelles geborene Regisseur 1981 den Oscar des besten ausländischen Kurzfilms für „Maedeli-la-brèche“, zehn Jahre später die „Caméra d'or“ in Cannes für „Toto le héros“.

Er verhalf zwischendurch 1996 ebendort seinen beiden „Le huitième jour“-Hauptdarstellern Daniel Auteuil und Pascal Duquenne zur Auszeichnung der Besten Darsteller und wurde anlässlich der „European Film Awards“ 2010 mit dem Publikumspreis für „Mr. Nobody“ bedacht.

Der belgische Filmemacher war zwischendurch im vergangenen Jahr auch im Grand Théâtre zu Gast mit der atemberaubenden Ballett-Video-Performance-Produktion „Kiss & Cry“, die er mit Choreografin und Ehefrau Michèle Anne De Mey dort präsentiert. Damals hatte er im Interview (LW vom 4.12.2013) bereits verraten, dass in seinem nächsten Filmprojekt Gott ein größeres Problem mit seiner Tochter haben wird.

Gibt es ein Leben vor dem Tod?

Nun dreht er den Großteil genau dieser Geschichte in Luxemburg mit u.a. Catherine Deneuve und Yolande Moreau sowie Benoît Poelvoorde in der Rolle des Allmächtigen und der jungen Pili Groyne als rebellische Tochter Ea.

Himmlischer Zeitvertreib: Gotts Tochter Ea (Pili Groyne) kommt mal kurz zum Schießen mit.
Himmlischer Zeitvertreib: Gotts Tochter Ea (Pili Groyne) kommt mal kurz zum Schießen mit.
FOTO: FABRIZIO MALTESE

Das Drehbuch dieses – so Van Dormael – „surrealistischen Märchens“ schrieb er gemeinsam mit dem belgischen Schriftsteller Thomas Gunzig – „wie viele Teilnehmer am Film ein Freund, dessen Arbeit ich sehr schätze“. „Der Film folgt sechs Figuren, die Ea zu den ,neuen' Aposteln auserkoren hat, und stellt die Frage, wie wohl unser Leben wäre, wenn wir von unserem Todestag Kenntnis hätten und ob wir uns dann irgendwie anders damit anlegen würden“, führt der Regisseur aus.

Im Laminoir in Düdelingen hat die Crew Quartier bezogen und in einer der riesigen Industriehallen nicht nur das mit Schubladen übersäte Büro des Herrn der Schöpfung und eine Reihe von verspielten Miniaturlandschaften errichtet, sondern im Nebengebäude auch noch die göttliche Küche und Eas Zimmer – mit brüderlicher Jesus-Statuette auf dem Schränkchen! – eingerichtet.

Kinostart Ende 2015

Im Gegensatz zur üblichen von Hektik geprägten Atmosphäre herrscht an diesem Set ein professionell-konzentrierter, doch erfrischend freundlich-familiärer Umgangston. „Bei Jaco ist ,die große Familie des Films' kein leerer Begriff, sondern Realität“, erklärt der Luxemburger Koproduzent David Grumbach, der bereits mit Ari Folmans „The Congress“ dem Großherzogtum auf der internationalen Bühne einen glanzvollen Auftritt bescherte.

Jaco Van Dormael wurde bislang nicht nur mit einem Oscar, sondern auch mit der „Caméra d'Or“ in Cannes ausgezeichnet.⋌
Jaco Van Dormael wurde bislang nicht nur mit einem Oscar, sondern auch mit der „Caméra d'Or“ in Cannes ausgezeichnet.⋌
FOTO: Ann Sophie Lindström

„Wenn man ein Projekt wie dieses mit Jaco als Regisseur und Catherine Deneuve, Yvonne Moreau und Benoît Poelvoorde in der Besetzung angeboten bekommt, überlegt man nicht lange, sondern sagt gleich aus dem Bauch heraus: ,Ja'!“, so Grumbach.

Mit insgesamt sechs angesetzten Wochen wird nicht nur der Hauptteil der Dreharbeiten, sondern später auch der Großteil der Postproduktion des 8,5-Millionen- Euro-Projektes mit u. a. Schnitt, Ton und Spezialeffekten, in Luxemburg abgewickelt. Nur in Geduld muss man sich dennoch noch etwas üben, denn „Le tout nouveau testament“ soll voraussichtlich Ende 2015 anlaufen.


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