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Dominique Horwitz bringt russische Literatur zum Klingen
Kultur 4 Min. 19.11.2019

Dominique Horwitz bringt russische Literatur zum Klingen

Am Donnerstag liest Dominique Horwitz (Mitte) russische Novellen im Cube 521, das Jourist Quartett sorgt für Musik.

Dominique Horwitz bringt russische Literatur zum Klingen

Am Donnerstag liest Dominique Horwitz (Mitte) russische Novellen im Cube 521, das Jourist Quartett sorgt für Musik.
Foto: Fritz Meffert
Kultur 4 Min. 19.11.2019

Dominique Horwitz bringt russische Literatur zum Klingen

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Die Novellen des russischen Literaturnobelpreisträgers Iwan Bunin werden am Donnerstagabend zu Musik: Dominique Horwitz und das Jourist Quartett beschwören im Cube 521 in Marnach „Liebe und andere Unglücksfälle“.

„Wir haben sehr lange geprobt, bis wir das erreicht haben, was wir wollten: Musik und Wort auf Augenhöhe zu bringen.“ Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz stellt sich am Donnerstag im Cube 521 dieser besonderen Herausforderung. Gemeinsam mit dem Jourist Quartett will Horwitz das Publikum Novellen eines Literaturnobelpreisträgers so erleben lassen, als wären sie Musik.

Der Abend „Liebe und andere Unglücksfälle“ dreht sich um Gefühlswirren und Konzerttangos, genauer, um die Erzählungen des russischen Autors Iwan Bunin und die Musik des ukrainischen Komponisten Efim Jourist. Anlass zu dem Programm war ein Auftrag für einen Bunin-Abend, welchen der Schauspieler und die Musiker zum ersten Mal vor gut 15 Jahren in Dresden aufgeführt haben. 


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Die Begegnung zwischen Bunins Novellen und russischen Konzerttangos, Stücken von Johannes Brahms und Jazz-Elementen fand damals noch in einer konventionellen Lesung statt – mit musikalischen Unterbrechungen und klarer Abgrenzung zum literarischen Text.

Doch inzwischen hat das eingespielte Team mehr angestrebt und visiert nun eine Gleichzeitigkeit der Künste an. „Wir haben Wort und Musik zu einer neuen Partitur geschrieben“, schickt Horwitz voraus.

Russe im Pariser Exil

Die literarischen Vorlagen für diesen Abend stammen von Iwan Bunin (1870-1953), der für seine Erzählungen und Romane 1933 als erster Russe den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Der Autor, Lyriker und Übersetzer war bekannt mit Tschechow und Tolstoi, die er literarisch sehr geschätzt hat. „Er ist ein absolut traditioneller Erzähler, und ist als Erzähler in dieser Epoche auf höchster Ebene der Kunst“, lobte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einmal und bescheinigte Bunin, „er kann eine Sache fabelhaft: Stimmungen und Beziehungen zwischen Menschen sind seine Meisterschaft”.

Bunin hatte Russland 1918, nach der Oktoberrevolution, verlassen und seine Wahlheimat in Paris gesucht, wo er später auch starb.

Sarkastisch und sentimental

Für den Bunin-Abend hat Horwitz jene Geschichten des russischen Exilautors ausgewählt, die er für die Theatralischsten hielt. 

„Sie sind stilistisch sehr unterschiedlich, beispielsweise ist eine sehr sarkastisch, eine andere wiederum sehr sentimental, aber im positiven Sinne des Wortes.“ Die ausgewählten Werke stammen aus den Jahren 1916 bis 1944.


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Nachdem sich in der ersten Aufführung das Konzertante mit der Lesung abgewechselt hat, ist nun beides miteinander verwoben. „Sich die Freiheit zu nehmen, es anders darzubieten als es nur zu lesen, sondern eine Form zu bedienen, in der das Wort und die Musik sich umranken, ist wahnsinnig aufregend für die Zuschauer, weil sie das in dieser Form mit Sicherheit noch nicht erlebt haben werden“, verspricht Horwitz. 

Sprache und Musik verschmelzen derart, dass er von einem Melodram spricht. „Es ist sehr herausfordernd, mit dem Melodram umzugehen, wir haben diese an sich sehr moderne Form wiedererweckt.“ Die Gestaltung des Abends hat sich über mehrere Jahre entwickelt. „Es wurde immer ausgefeilter, es fand auch ein Eingriff in die Originalarrangements statt, da wir Übergänge zwischen den Stücken geschaffen haben.“

Es ist wahnsinnig aufregend für die Zuschauer, weil sie das in dieser Form mit Sicherheit noch nicht erlebt haben.

Dominique Horwitz

Derweil leuchtet für Horwitz am Horizont des kommenden Jahres mit einem Zwei-Personen-Stück bereits das nächste große Projekt.

Diesmal wird der Schauspieler einen, für ihn eher ungewohnten Rollentyp übernehmen, wenn er am Renaissance Theater Berlin in „Fräulein Julie“ den Jean darstellt; jenen Diener, der sich mit der Grafentochter einlässt, wenn auch nur für eine Nacht.


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Mit der Tragödie von August Strindberg beschreitet Horwitz neues Terrain, nachdem er in einem Interview anlässlich seines 2018 erschienenen Romans „Chanson d‘Amour“ noch erklärt hatte, bisher „leider viel zu selten“ als Liebhaber besetzt worden zu sein. 

Wie Horwitz die Figur des ritterlichen und doch brutalen Dieners anlegen wird? „Noch keine Ahnung“, gibt er zu. Zeit bleibt noch genug, sollen die Proben für „Fräulein Julie“ doch erst im Oktober 2020 beginnen. Bis dahin gilt es, mit dem Quartett die neue Partitur, die Bunin und Jourist vereint, lebendig zu machen.
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Dominique Horwitz & Jourist Quartett, an diesem Donnerstag, 20 Uhr im Cube 521, Karten (12 bis 25 Euro) unter Tel. 521 521 sowie www.cube521.lu


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