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Dokumentationen jenseits des Standards
Intime Einblicke: Die Reihe „Der blaue Planet“ zeigt außergewöhnliche Momentaufnahmen wie die Paarung der Riesensepien, einer Tintenfischart.

Dokumentationen jenseits des Standards

Foto: WDR/BBC NHU/H. Miller
Intime Einblicke: Die Reihe „Der blaue Planet“ zeigt außergewöhnliche Momentaufnahmen wie die Paarung der Riesensepien, einer Tintenfischart.
Kultur 2 2 Min. 18.03.2018

Dokumentationen jenseits des Standards

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Dokumentationen haben nicht zu Unrecht viele Fans – tauchen doch die Macher mit ihren Kameras und frischen Blickwinkeln in Themen, Räume und Hintergründe ein, die sonst nicht zugänglich sind. Hier ein paar Tipps für neue Highlights.

Es gibt sie scheinbar besonders bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie der BBC, der ARD oder dem ZDF: Hochkarätige Dokumentationsfilmprodukte – doch das ist ein Trugschluss. Die Streamingdienste holen auf. Netflix konnte nicht nur mit seiner Produktion „Icarus“ um Doping im russischen Hochleistungssport den Doku-Oscar 2018 gewinnen, sondern wagte im Januar den Schulterschluss mit den Machern der Fake-Doku vom Liebling des Kunstmarkts, Damien Hirst, und der ominösen Herkunft der – letztlich völlig im Atelier entstandenen – Skulpturen, die Hirst im vergangenen Jahr unter dem Titel „Treasures from the Wreck of the Unbelievable“ im Palazzo Grassi und der Punta della Dogana in Venedig zeigte.

Angeblich stammten die Skulpturen aus einem spektakulären Fund eines in der Antike versunkenen Schiffes. Dabei kann die ganz reale Dokumentation des Meeres so wunderbar sein. Unter den aktuell im Free-TV gezeigten Dokureihen – und natürlich einzelnen herausstechenden Dokufilmen wie „Mensch Franziskus! – Der unberechenbare Papst“ (heute Abend, 20.15 Uhr ZDF) – zeigen die Öffentlich-Rechtlichen eindrücklich dann eben doch ihr aufwendiges Engagement. Das ist auch dem sogenannten Bildungsauftrag in ihrer Sender-DNA zu schulden.

Roger Harrocks nutzt ein Unterwasser-Stativ im Tangwald, um verwackelte Bilder zu vermeiden.
Roger Harrocks nutzt ein Unterwasser-Stativ im Tangwald, um verwackelte Bilder zu vermeiden.
Foto: WDR/BBC NHU/J.Chambers

Die aktuelle BBC/ARD-Kooperation „Der blaue Planet“, eine sechsteilige Serie um die Wunder der Meere, die auf dem klassischen Montagsdokusendeplatz im „Ersten“ zur Primetime gezeigt wird (immer montags bis 26. März), ist eines der herausragenden Beispiele. Der Aufwand dafür war immens.

Vier Jahre Drehzeit, 125 Expeditionen in 39 Länder – auch schon von anderen Dokumentationen sind solche Zahlenspiele zu Werbezwecken bekannt. Und doch ist da mehr. Sogar Filmkomponist Hans Zimmer wurde für diese Reihe beauftragt – und der widersteht der Versuchung, allzu nach „Pirates of the Caribbean“ zu klingen.

Ungewohnte Formate

Aber eben nicht nur klassische Naturdokus bieten zwischen Castings und Real-Dokumentationsblendgranaten – wie die letztlich als Werbung zu sehende Formate um den „Undercover Boss“, Gastronomieretter, Autosucher und andere Helfer aus dem Handwerk – echte Inseln: Mit „Die Wolga – Seele Russlands“ wagen die Macher ab dem 22. März auf NDR einen großen Rundumschlag in zwei Folgen à 45 Minuten.

Sechs von elf Spielstädten der kommenden Fußball-WM liegen an der Wolga oder ihrem Nebenfluss: Nischni Nowgorod, Kasan, Samara, Wolgograd, Rostov und Saransk. Wer den Stil von einer der bekanntesten Dokumentarfilmerinnen und Autorinnen, Rita Knobel-Ulrich, mag, die auch mal mit mehr als einem Augenzwinkern ihre Beobachtung zeigt und kommentiert, wird diese Mischung aus einer Reisedokumentation, Menschenporträts, dem Besuch der WM-Stätten und historischem Abriss über die Geschichte Russlands zu schätzen wissen.

Und apropos Geschichte: Arte macht vor, wie man Dokumentationen anders denken kann. Schon „Mit offenen Karten“, eine Mischung aus grafisch herausragend und vereinfacht erarbeiteten Zusammenfassungen statistischer Daten, erklärte der Sender Zusammenhänge ungewohnt, aber reizvoll. Das setzt sich aktuell in „Zahlen schreiben Geschichte“ (ab 17. März, 17.35 Uhr) fort. 1492 – das Jahr als Kolumbus Amerika entdeckte – ist eine dieser Zahlen. Kritisch rücken die französischen Macher im Hintergrund diesen berühmten Daten und deren oft in Jahrhunderten aufgebauten Pathos zu Leibe und wagen neue historische Perspektiven und Einordnungen.