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Dokumentation „Nose“: Immer der Nase nach
Kultur 1 3 Min. 28.02.2021

Dokumentation „Nose“: Immer der Nase nach

François Demachy sucht auf der ganzen Welt nach besonderen Inhaltsstoffen für seine Duftkreationen.

Dokumentation „Nose“: Immer der Nase nach

François Demachy sucht auf der ganzen Welt nach besonderen Inhaltsstoffen für seine Duftkreationen.
Screenshot: Parfums Christian Dior
Kultur 1 3 Min. 28.02.2021

Dokumentation „Nose“: Immer der Nase nach

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Wie arbeitet eigentlich ein Parfümeur? Die Dokumentation „Nose“ begleitet Dior-Duftkompositeur François Demachy in seinem spannenden Alltag - leider nur audiovisuell.

Einen Film mit allen Sinnen genießen – dieser Wunsch ist längst Realität geworden: In 4DX-Kinosälen können sich Zuschauer Wind durch die Haare pusten und auf ihren Sitzen kräftig durchruckeln lassen. Selbst Dufterlebnisse sind möglich: Aromen werden während der Vorführung versprüht – eine witzige, wenn auch nicht immer überzeugende Idee. 

Eine andere Möglichkeit, nicht nur Augen, sondern auch Nase anzusprechen, sind Aroma-Scope- oder Odorama-Verfahren, die bereits seit Jahrzehnten Anwendung finden: Dem Zuschauer werden Duftproben übergeben, die entweder durch Reibung oder mittels Öffnung einer Kammer freigesetzt werden. Die entsprechende Nummer wird zum passenden Zeitpunkt während des Films eingeblendet.

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Düfte visuell erlebbar machen

Einen Film, der Düfte in den Fokus stellt, ohne den Einsatz des Geruchssinns erlebbar zu machen, ist daher umso schwieriger – die Filmemacher Clément Beauvais und Arthur de Kersauson versuchen es trotzdem ... gezwungenermaßen: Die Corona-Krise sorgt dafür, dass ihre 70 Minuten lange Dokumentation „Nose“ direkt auf den Streamingplattformen erscheint und nicht erst einen Umweg über die Kinos nehmen kann.


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Im Zentrum der Handlung steht die namensgebende Nase der Parfümsparte von Dior: François Demachy. Das Filmteam begleitete den Franzosen zwei Jahre auf seiner Suche nach Inhaltsstoffen für seine Kreationen, unter anderem auf die indonesische Insel Sulawesi, wo er die Patschuli-Ernte mit den Augen eines leidenschaftlichen Profis verfolgt. Auch bei der Verarbeitung der Bergamotte-Früchte in Italien ist der Duftaficionado zugegen – er testet und beschnuppert sein „Arbeitsmaterial“ unablässig und spricht mit den Produzenten über die Leidenschaft, die ihn seit Jahrzehnten zu immer neuen Kreationen führt.

Szenen, in denen seine Mitarbeiter verschiedene Hintergrundinformationen liefern, wechseln sich mit Landschaftsaufnahmen – und den mittlerweile obligatorischen Drohnenbildern – ab, die ein wenig Fernweh aufkommen lassen. Zentraler Ort der zart vor sich hin fließenden Handlung ist Grasse, das Parfüm-Mekka im Süden Frankreichs, wo Demachy aufgewachsen ist und bis heute den Großteil seiner Zeit verbringt. Von hier stammen auch viele der floralen Inhaltsstoffe, wie etwa die Essenz der Zentifolie, einer wohlriechenden Rosenart.

Zwischen Feld und Labor

Die Dokumentation zeigt auf eindrucksvolle Weise den Spagat, den der Duftkreateur bei seiner Arbeit vollbringt: Auf der einen Seite ist Demachy ein Abenteurer, der vor Ort mit seinem Arbeitsmaterial auf Tuchfühlung geht, ein Mann, der Produzenten über die Schulter schaut. Andererseits bleibt er nicht vor der Arbeit im sterilen Büro- und Laborambiente verschont. 

Auch wird deutlich, warum das Endprodukt zu hohen Preisen über die Ladentheke geht – aus Tonnen von Naturmaterial werden manchmal nur wenige Hundert Milliliter Duftessenz gewonnen. Der Herstellungsprozess ist zudem weniger glamourös als gedacht; das beweisen Aufnahmen in einer Duftdestillerie und auf Arbeitsfeldern, wo noch per Hand geerntet wird.


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Die Duftausflüge außerhalb der französischen Landesgrenzen fallen sehr kurz aus – gerne würde wohl mancher Zuschauer länger auf den farbenfrohen Märkten in Südostasien oder am Strand in Irland verweilen, wo der Amber aufgesammelt wird. Dass dieser Stoff, der im Verdauungstrakt von Pottwalen entsteht, wohlriechender als gedacht ist, konnten bisher leider nur Filmfestivalbesucher oder Journalisten erfahren, die eine passende Odorama-Karte zur Hand hatten. Alle anderen müssen sich mit den stimmungsvollen Bildern zufriedengeben.

„Nose“ ist übrigens kein Werbefilm in Überlänge: Der Arbeitgeber von François Demachy spielt eine unbedeutende Nebenrolle. Sogar die Konkurrenz – in Form von Jacques Cavallier, dem Parfümeur von Louis Vuitton – darf zu Wort kommen, schließlich teilt man eine gemeinsame Leidenschaft. Im Zentrum steht der große Künstler Demachy. Seine Werke sind nicht im Museum verewigt, sondern begegnen den Menschen überall: zuhause, auf der Straße und natürlich auch in jeder gut sortierten Parfümerie.

Die Dokumentation „Nose“ ist abrufbar auf iTunes, Google Play und RakutenTV. 

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