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Dirty Dancing in der Rockhal: Verhalten, doch mit Potenzial
Die Hebefigur klappt, das Publikum kann erleichtert aufatmen.

Dirty Dancing in der Rockhal: Verhalten, doch mit Potenzial

Fotos: Claude Piscitelli
Die Hebefigur klappt, das Publikum kann erleichtert aufatmen.
Kultur 9 2 Min. 10.01.2018

Dirty Dancing in der Rockhal: Verhalten, doch mit Potenzial

„Das Original Live On Tour“ gastiert bis zum 14. Januar in Belval. Die erste Vorführung war wie ein erstes Date: eine zaghafte, aber vielversprechende Annäherung zwischen Cast und Publikum.

(mim) - Ganze 30 Jahre sind es her, seit der schneidige Johnny der schüchternen Baby den Hüftschwung beigebracht hat. Heute noch hat diese Szene die gleiche verführerische Wirkung und ruft beim Publikum die erste, wenn auch noch verhaltene Reaktion hervor. Bis dahin jedoch sind die Zuschauer mucksmäuschenstill, kein Klatschen, kein Johlen, nichts. Dabei hätte vor allem schon die heiße Party kurz zuvor, auf der das Kellerman-Personal unter sich ist und Baby zum ersten Mal richtiges „Dirty Dancing“ hautnah erlebt, das Zeug, einen mitzureißen.

Doch der Funke springt im ganzen ersten Teil nicht vom Ensemble in den Saal über. An den Tanzeinlagen liegt es nicht, die Choreografie ist einfalls- und abwechslungsreich, die Darbietung einwandfrei. Aber als Zuschauer kommt man einfach nicht in die Vorstellung rein. Man verfolgt die Handlung, spürt aber die Emotionen nicht. Grund hierfür ist zum einen die notgedrungen ebenerdige, Sitzanordnung in der Rockhal. Da sitzt man schon von der 12. Reihe an ganz schön weit weg. Wer einmal ein Musical von einer halbrunden Tribüne aus miterlebt hat, der kennt den Unterschied.

Der zaghafte Jubel erstickt in der Stille des Saals.

Jammerschade ist, dass das Publikum in der Rockhal sich fast so achtungsvoll den Darstellern gegenüber verhält wie jenes in der Philharmonie. Hie und da versuchen meist jüngere Fans des Kultfilms bei bekannten Szenen und Dialogen mitzufiebern, doch ihr zaghafter Jubel erstickt immer wieder in der Stille des Saals.

In Fahrt kommt die Show erst im zweiten Teil. Die Chemie zwischen Baby und Johnny stimmt, die Rockhal brennt darauf, das große Finale zu sehen. Der Weg dorthin führt wortwörtlich an über 50 Songs vorbei, denn die meisten davon werden leider nur angeschnitten. Wirft man am Ende der Vorstellung einen Blick auf die Setliste, kann man sich an die meisten Melodien schon gar nicht mehr erinnern.

Die Live-Produktion beinhaltet aufregende Tanzszenen, die oft ausführlicher sein könnten.
Die Live-Produktion beinhaltet aufregende Tanzszenen, die oft ausführlicher sein könnten.
Foto: Claude Piscitelli

Bemerkenswert ist auch, dass die vom Band eingespielten Originalsongs eher noch für Gänsehaut sorgen als die live gesungenen Lieder. Der Soundtrack des Films wurde elf Mal mit Platin ausgezeichnet. Man kann also davon ausgehen, dass ein Großteil des Publikums gekommen ist, um diese Songs zu hören. Da ist man schon enttäuscht, wenn bei der Abschiedsszene das schwärmerische „She's like the wind“ ganz ohne Worte auskommen muss. „(I've had) the time of my life“ wird zum Glück live gesungen, von zwei Sängern, die es stimmlich ganz offensichtlich drauf haben, sich aber leider zurückhalten. Nichtsdestotrotz: Zum Schluss teilt das Publikum den aufgesparten Applaus großzügig und anhaltend aus.

„Dirty Dancing – Das Original Live On Tour“ ist bis zum 14. Januar in der Rockhal zu sehen. Samstag und Sonntag finden jeweils zwei Vorstellungen statt. Tickets gibt es auf www.rockhal.lu.


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