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Die Stimme von Deep Purple: Ian Gillan wird 75
Kultur 4 4 Min. 19.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Stimme von Deep Purple: Ian Gillan wird 75

Noch gut genug bei Stimme: Ian Gillan.

Die Stimme von Deep Purple: Ian Gillan wird 75

Noch gut genug bei Stimme: Ian Gillan.
Foto: Claude Piscitelli
Kultur 4 4 Min. 19.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Stimme von Deep Purple: Ian Gillan wird 75

Vom Sopranisten im Kirchenchor zum Sänger einer der berühmtesten Hardrock-Bands überhaupt - Deep Purples Stimme Ian Gillan feiert 75. Geburtstag. Ein Blick zurück auf ein Leben mit Musik.

(dpa) - Ein Leben ohne Musik kann sich Ian Gillan überhaupt nicht vorstellen. „Musik war ein Teil meines Lebens seit meiner Kindheit“, sagte der Sänger von Deep Purple im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 75. Geburtstag am 19. August. „Ich kann mir ein Leben ohne Fußball vorstellen, aber ein Leben ohne Musik, das geht nicht“, stellt der Fan des Londoner Fußballclubs Queens Park Rangers fest. „Ich habe schon als Junge im Kirchenchor Sopran gesungen“, beschreibt er seinen Weg. Und im Rückblick auf sein Leben mit der Musik und für die Musik gebe es „nichts zu bereuen“.

Gillan (Mitte) mit Deep Purple in der Rockhal, 2017.
Gillan (Mitte) mit Deep Purple in der Rockhal, 2017.
Foto: Claude Piscitelli

Das absolute und unumstrittene Highlight seiner Karriere sei ein Tag im August 1969 gewesen, als er Mitglied der damals noch jungen Band Deep Purple geworden sei. „Da bin ich in eine andere Welt eingetreten“, sagt Gillan. Alles sei einfach überwältigend gewesen - die ersten Proben, die ersten Jam-Sessions etwa mit dem Bassisten Roger Glover, den Gillan aus ihrer gemeinsamen Hippie-Pop-Band Episode Six mit zu Deep Purple gelotst hatte. Und dann die ersten gemeinsamen Auftritte im weitaus härteren Sound, der den Heavy Metal vorwegnahm.

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Als besonderes Ereignis in seiner Laufbahn als Musiker hebt Gillan einen gemeinsamen Auftritt mit dem Startenor Luciano Pavarotti 2003 hervor. Dieser habe ihm anvertraut, dass er gerne auch Rockstar geworden wäre. „Ein schöner Traum.“ Dabei tauschten sie auch Gedanken über die Musik des jeweils anderen aus. Pavarotti habe vor allem bewundert, dass die Purple-Hymne „Smoke On The Water“ jedes Mal anders klinge, er sich derartige Änderungen etwa bei „Nessun Dorma“ nicht erlauben dürfte. „Er wäre dafür wohl ans Kreuz genagelt worden, verriet er mir“, sagte Gillan. Dies zeige aber nur, welche Freiheiten eine Rockband habe.

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Apropos „Smoke On The Water“. Während andere Bands und Sänger, wie etwa Lemmy Kilmister und Motörhead, ihren Welthit „Ace Of Spades“ am Ende nicht mehr hören konnten oder wollten, steht Gillan zur Hymne von Deep Purple. „Ich liebe diesen Song jedes Mal aufs Neue“, sagte er. Gesungen habe er ihn sicherlich schon tausende Male, der Song sei schließlich Teil der Band.


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Er selber hat neben seiner Zeit mit Deep Purple auch eigene musikalische Projekte verfolgt. Neben mehreren Soloalben wagte der gebürtige Londoner sogar einen Ausflug ins Musical-Genre. Bevor „Jesus Christ Superstar“ als Bühnenproduktion am Broadway Premiere feierte, sang Gillan schon 1970 auf einem Studioalbum des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals die Hauptrolle als Jesus.

Produktiv auch außerhalb von Deep Purple

Auch während der Trennung von Deep Purple war Gillan produktiv. Ob mit seiner Ian Gillan Band, der darauf folgenden Gruppe mit dem einfachen Namen Gillan oder in seiner kurzen Zeit als Frontmann der Heavy-Metal-Veteranen Black Sabbath - der Sänger war stets rastlos und stand zwischen neuen Alben. Wie viele waren es in seiner Karriere? „Einfach unmöglich, sie alle zu zählen“, gesteht er.

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 Die Zeit mit Black Sabbath hätte Gillan fast das Leben gekostet. Während der Aufnahmen zum gemeinsamen Album „Born Again“ überlebte er mit viel Glück einen schweren Unfall. Nach einem Abend im Pub war er mit dem Wagen von Sabbath-Schlagzeuger Bill Ward über eine Rennbahn nahe dem Studio gerast und dabei verunglückt. Gillan entkam unverletzt aus dem Wrack, bevor der Wagen in Flammen aufging. Über den Unfall schrieb er den Song „Trashed“.


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Gillans Werk galt nicht nur seinen Fans oder seinem künstlerischen Drang. Stichwort Armenien. Nach einem schweren Erdbeben in der damaligen Teilrepublik der Sowjetunion im Jahr 1988 mit rund 25.000 Toten engagierte sich Gillan im Rahmen von „Rock Aid Armenia“ für Spenden und Wiederaufbau des schwer getroffenen Ortes Spitak. Aber auch viele Jahre später setzte Gillan seine Unterstützungsarbeit fort. „Wir haben getan, was wir konnten, um zu helfen“, sagte er. „Es war und ist immer noch etwas ganz Besonderes“. Sein Engagement brachte ihm schließlich die höchsten Orden und Ehrungen der inzwischen unabhängigen Kaukasus-Republik ein.

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Im eigenen Land ist Gillan noch keine besondere Anerkennung widerfahren, auch wenn Deep Purple zusammen mit Led Zeppelin zu den Erfindern des Hardrock gezählt werden. Einen Ritterschlag, wie für „Sir Mick“ von den Rolling Stones, kann er sich nicht vorstellen. „Da sind wir wohl einfach nicht auf der richtigen Schiene, wir tun da wohl nicht die richtigen Dinge.“ Und schon der Gedanke an einen „Sir Ian“ würde ihn nervös machen.


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