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Die Serien-Kritik: "Strike a Pose"
Kultur 1 2 Min. 03.03.2019

Die Serien-Kritik: "Strike a Pose"

Prinzessin für eine Nacht: Die transsexuelle Angel (Indya Moore) blüht bei den abendlichen Ballroom-Partys auf.

Die Serien-Kritik: "Strike a Pose"

Prinzessin für eine Nacht: Die transsexuelle Angel (Indya Moore) blüht bei den abendlichen Ballroom-Partys auf.
Foto: JoJo Whilden/FX
Kultur 1 2 Min. 03.03.2019

Die Serien-Kritik: "Strike a Pose"

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Eine Serie, die nicht nur Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft zum Lachen und Weinen bringt: Netflix lässt den Zuschauer mit „Pose“ in die schillernde Welt der New Yorker Ballroom-Szene eintauchen.

Scarlett Johansson musste in den vergangenen Jahren gleich zwei Mal öffentlich heftige Kritik einstecken. Zum einen für ihren Auftritt in der Anime-Adaption „Ghost in the Shell“, in der die weiße US-Amerikanerin in die Rolle der ursprünglich japanischen Figur Motoko Kusanagi schlüpfte.

Ähnliches dann nur wenige Monate später: Johansson war für Rupert Sanders' Film „Rub & Tug“ im Gespräch. Sie sollte Dante Gill verkörpern – einen Mann, der im Körper einer Frau geboren wurde. Warum dieser Part nicht mit einem Transsexuellen besetzt werden sollte, war für viele Kritiker nicht nur ein Rätsel, sondern auch ein Skandal. Die Schauspielerin zog sich nach öffentlichen Diskussionen schließlich aus dem Projekt zurück.

Diversity in Hollywood

Während Felicity Huffman vor 13 Jahren noch für ihren Auftritt als Transsexuelle im Film „Transamerica“ mit Preisen überhäuft wurde, hat Hollywood mittlerweile verstanden, dass Transsexuelle oder Transgender (Menschen, deren Geschlechtsidentität von ihrem körperlichen Geschlecht abweicht), die im Alltag immer noch mit zahlreichen Hürden und vor allem Diskriminierung zu kämpfen haben, nicht auch noch im häufig als tolerant gepriesenen Film- und Fernsehbusiness ausgegrenzt werden dürfen.

Die Serie „Pose“ des US-Senders FX, die nun auch ins Netflix-Angebot aufgenommen wurde, ist in diesem Zusammenhang ein wahrer Lichtblick: Die transsexuellen Figuren werden von Transsexuellen oder Darstellern, die sich als Transgender identifizieren, dargestellt. Auch hinter der Kamera wirkten zahlreiche Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft mit.

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Die Rahmenhandlung klingt zunächst nach Party pur: Transsexuelle und junge Schwule leben sich in der Ballroom-Szene im New York der 1980er-Jahre aus. Ihre Leidenschaft ist das Posen und Tanzen, das in der weiterentwickelten Form des Vogueings derzeit ein multimediales Comeback erlebt. Im Zentrum stehen dabei zwei rivalisierende Gruppen, sogenannte „Houses“, die von der exaltierten Elektra (Dominique Jackson) und der bodenständigen Blanca (Mj Rodriguez) angeführt werden. 

Ein Damoklesschwert namens HIV

Abseits des Scheinwerferlichts geht es weitaus düsterer zu: Der HI-Virus greift um sich und befördert die Betroffenen ins soziale Abseits. Eine Heilung ist nicht in Sicht. Transsexuelle – heute in der Populärkultur und auch im gesellschaftlichen Diskurs im Zentrum des Interesses – werden ignoriert, ausgegrenzt und bedroht. Einziger Ausweg, um nicht auf der Straße leben zu müssen, ist für viele die Prostitution. Die Ansteckung mit HIV ist daher oftmals nur eine Frage der Zeit. Auf familiären Rückhalt können die Betroffenen jedoch nur selten zählen. Zum Glück dient die LGBTQ-Community als fragiler Ersatz. Die Ausgestoßenen halten zusammen.

Die heteronormative Welt der Reagan-Ära ist aber keine Blase, deren Haut nicht durchdrungen werden kann: Vorstadt-Familienvater Stan (Evan Peters) verliebt sich in die transsexuelle Prostituierte Angel (Indya Moore). Das klingt nach einem Happy End, wie es sich die Gebrüder Grimm nicht schöner hätten ausdenken können. Ein warmer Moment in einer kalten Zeit der Hoffnungslosigkeit, die noch ausreichend Stoff für weitere Folgen bietet.

„Pose“, acht Teile, auf Netflix


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