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Die ratlose Beraterin
Kultur 17.02.2013

Die ratlose Beraterin

Die Texte der Autorin Sybille Berg gehen unter die Haut.

Die ratlose Beraterin

Die Texte der Autorin Sybille Berg gehen unter die Haut.
Foto: Anouk Antony
Kultur 17.02.2013

Die ratlose Beraterin

Sie ist eine Einzelgängerin, schroff und sperrig, und lässt sich in keine Schublade einsortieren: Sibylle Berg – den Lesern von Spiegel Online durch ihre Kolumne "Fragen Sie Frau Sibylle" geläufig – entwickelt eine zynische, düstere Sicht auf die Welt. Am Samstag war sie zu Gast in der Abtei Neumünster.

(vb) – Sie ist eine Einzelgängerin, schroff und sperrig, und lässt sich in keine Schublade einsortieren: Sibylle Berg – den Lesern von Spiegel Online durch ihre Kolumne "Fragen Sie Frau Sibylle" geläufig – entwickelt in ihren Romanen und Theaterstücken eine zynische, düstere Sicht auf die Welt. Am Samstag war sie auf Einladung des Institut Pierre Werner zu Gast in der Abtei Neumünster.

Ihre Texte gehen unter die Haut: In einer unverblümten Sprache geben sie der Ratlosigkeit des modernen Menschen Ausdruck. Der Kommunismus ist untergegangen, der Kapitalismus erschüttert – jeder sucht nach Halt und Orientierung. In ihrer Kolumne gibt Sibylle Berg vor, einen Kompass zu besitzen, eine Illusion, die sie schnell wieder fallen lässt. Die Autorin hat selbst mehrmals Brüche erlebt, die sie keinesfalls zu verbergen sucht, sondern - im Gegenteil – ihr Inneres nach außen kehrt.

Die 1962 in Ostdeutschland geborene Autorin übersiedelte noch vor dem Fall der Mauer in den Westen und musste sich dort neu orientieren. Aus Deutschland zog es sie in die Schweiz, wo sie seit 1996 lebt.

Fall des Kommunismus - Zerstörungen durch den Kapitalismus

In Luxemburg las sie aus ihrem neuen Roman "Vielen Dank für das Leben", in dem sie die Geschichte der geschlechtslosen Hauptfigur Toto erzählt, die in der DDR aufwächst und die Zerstörungen durch den Kapitalismus erlebt. Von dort beginnt die Entdeckung Europas und vor allem eine innere Entdeckung. Toto ist nämlich mit einer außergewöhnlichen Stimme gesegnet.

Die Lesung wurde von der russischen Sängerin Mary Ocher begleitet, die mit ihrem eindringlichen Timbre Toto eine Stimme verlieh. Dazu bekamen die Zuhörer surreale Videos der finnischen Videokünstlerin Heta Multanen zu sehen.