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Die mit dem Filz tanzt
Kultur 3 Min. 18.04.2019

Die mit dem Filz tanzt

Elisabeth Schilling bringt die Materie in Bewegung.

Die mit dem Filz tanzt

Elisabeth Schilling bringt die Materie in Bewegung.
Foto: Gerry Huberty
Kultur 3 Min. 18.04.2019

Die mit dem Filz tanzt

Thierry HICK
Thierry HICK
Choreografin Elisabeth Schilling stellt am Donnerstagabend ihren Soloakt „Felt“ im Cercle Cité vor.

Elisabeth Schilling tanzt und bewegt sich von Filz umhüllt. „Felt“, allein der Titel ihres neuen Soloakts ist schon Programm. Die Tänzerin und Choreografin betont: „Wie fühlt sich ein Material an? Wie bewegt sich ein Material? Welche Formen können entstehen, wenn man ein bestimmtes Material in Bewegung bringt? Ich habe Antworten auf diese Fragen gesucht.“ Und sie hat sie gefunden.

Das Fühlen, das Tasten steht so im Mittelpunkt des künstlerischen Prozesses von Elisabeth Schilling. „Dieser Sinn wird oft nicht wahrgenommen und trotzdem beeinflusst das Fühlen uns unbewusst im Alltag. Für Babys, zum Beispiel, spielt dieser Sinn eine bedeutende Rolle, für uns Erwachsene mit unseren Tablets und Smartphones ist das Sehen wichtiger geworden.“

Elisabeth Schilling stellt das Fühlen ins Zentrum ihrer Arbeit.
Elisabeth Schilling stellt das Fühlen ins Zentrum ihrer Arbeit.
Foto: Gerry Huberty

Nach zahlreichen Versuchen mit Goldfolie, Füllwolle, Neopren, Papier oder Karton hat sich die Künstlerin schlussendlich für Filz entschieden. „Jedes Material hat interessante Eigenschaften, mit denen durch Bewegungen lineare Formen und Falten gestaltet werden können. Für mich hat jedoch Filz die besten Qualitäten. Mit diesem Material können zahlreiche skulpturale Formen gestalten werden. Zudem besitzt Filz ein großes künstlerisches Potenzial.“

Der Filz entwickelt sich, so Schilling, nicht nur zu einem künstlerischen Objekt, er wird zum eigenständigen Tanzpartner.

Filz ist kein einfaches Material, hat aber ein großes künstlerisches Potenzial.

Für „Felt“ werden insgesamt 14 Meter Filz benutzt. „Er ist manchmal schwer zu tragen und man kann leicht die Orientierung verlieren“. Elisabeth Schilling gibt im Vorfeld ihrer Performance nur sehr wenige Erklärungen, zu viele Details sollen nicht verraten werden, damit der Zuschauer überrascht wird.

Für „Felt“ werden insgesamt 14 Meter Filz benutzt.
Für „Felt“ werden insgesamt 14 Meter Filz benutzt.
Foto: Gerry Huberty

Interdisziplinarität

Ein Jahr lang hat sie an dem Projekt gearbeitet. Dabei war die aus Wittlich stammende Choreografin nicht allein: Die Designer Mélanie Planchard und Eric Schumacher, der Komponist Andreas Papapetrou, der Dramaturg Moritz Ganzen, die Künstler Nele Lipp und Tom Nunn, sowie die Kuratorin Simone Stewart standen der Künstlerin mit Rat und Tat zur Seite. „Es ist sicher ein Solostück, mich interessierte jedoch vor allem die Interdisziplinarität zwischen Design und Tanz“. Eine Partnerschaft, die ein Ziel hat. Mithilfe von Musik soll die Textur des ausgewählten Materials in Bewegungen übersetzt werden können. „Da der Filz unkontrollierte oder ungewollte Bewegungen machen kann, muss alles im Voraus geplant sein. Platz für Improvisationen gibt es nicht“.

Die Musik soll nicht auf eine Begleiterrolle reduziert werden, sondern als vollwertiger Partner verstanden werden. „Der Komponist und ich arbeiten auf einer gemeinsamen ästhetischen Basis“, unterstreicht die Tänzerin.

Körperliche Skulptur

Im Mai 2018 stellte Elisabeth Schilling ihre Tanzperformance „Sixfold“ im Mudam vor. Der Gedanke einer körperlichen Skulptur, gepaart mit der Suche nach neuen Tanzbildern wird nun im Cercle Cité weitergeführt. Nach dem Kirchberger Museum etabliert sich die Künstlerin in einem der prunkvollsten Gebäude der Hauptstadt. Den roten Vorhängen, den hellen Mauern, den schicken Leuchtern, dem glänzenden Parkett stellt Elisabeth Schilling ausschließlich ihre schwarzen Filzformen gegenüber.

„Zeitgenössischer Tanz wird immer öfter in alternativen Räumlichkeiten aufgeführt. Der Cercle Cité war auch ein Wunsch unserer Kuratorin. Es ist schon bemerkenswert in einem Raum mit einer so langen Geschichte, mit so vielen historischen Referenzen und mit Texturen anderer Zeiten auftreten zu können.“ Nach der Premiere heute Abend in Luxemburg geht „Felt“ auf Tour. Daten sind zurzeit in Deutschland, England, Schottland und Schweden geplant. „Das gesamte Material der Performance sollte in nur zwei Koffer passen können. Dafür habe ich bereits bei der Planung gesorgt“, betont Elisabeth Schilling.

„Felt“, am Donnerstagabend  um 20 Uhr im Cercle Cité. Um 18.30 Uhr Workshop „From Textures and Materials to Movements“. Publikumsgespräch nach der Vorstellung. Infos und Tickets: www.cerclecite.lu, www.luxembourg-ticket.lu

www.elisabethschilling.com