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Die Filmkritik der Woche: "Valerian and the city of the thousand planets": Galaktisch teuer – und langweilig
Kultur 2 Min. 29.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Valerian and the city of the thousand planets": Galaktisch teuer – und langweilig

Zwischen Hormonwallungen und Abenteuern hin und her gerissen: Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne).

Die Filmkritik der Woche: "Valerian and the city of the thousand planets": Galaktisch teuer – und langweilig

Zwischen Hormonwallungen und Abenteuern hin und her gerissen: Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne).
Foto: EuropaCorp
Kultur 2 Min. 29.07.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Valerian and the city of the thousand planets": Galaktisch teuer – und langweilig

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Die Lektion, die Luc Besson mit seinem neuen Film „Valerian and the City of the Thousand Planets“ überaus schmerzhaft erfahren muss, ist simpel: Wenn man versucht, allen zu gefallen, ist man am Ende niemandes Fall.

Von Vesna Andonovic

Bei Captain Picard auf der Enterprise klang das „Earl Grey, heiß“ ja ziemlich cool. Replikatoren aber, die putzigen Minigürteltierchen ähneln, tragen hingegen nicht wirklich zur Glaubwürdigkeit in Luc Bessons neuem Film bei. Und sie sind – bei Weitem – nicht das Schlimmste an der Comicadaptierung.

Die Lektion, die Luc Besson mit seinem neuen Film „Valerian and the City of the Thousand Planets“ am eigenen Leib und überaus schmerzhaft erfahren muss, ist simpel: Wenn man versucht, allen zu gefallen, ist man am Ende niemandes Fall.

Dabei kann es definitiv nicht an den zur Verfügung stehenden finanziellen und technischen Mitteln gelegen haben. Denn die pünktlich zum 50. Geburtstag der Reihe erscheinende Adaptierung der „Valerian“-BD von Autor Pierre Christin und Zeichner Jean-Claude Mézières ist mit annähernd 197 Millionen Euro der teuerste Film, der jemals in Frankreich produziert wurde. Dennoch wurde auf Englisch gedreht und mit dem amerikanischen „Green Goblin“-Darsteller Dane DeHaan und seiner britischen Kollegin Cara Delevingne (zuletzt die „Enchantress“ in „Suicide Squad“) in den Hautrollen und gestandenen Schauspielern wie Clive Owen, Ethan Hawke, Eye-Candy Rihanna und Altmeister Herbie Hancock in Nebenrollen nicht nur international, sondern auch hochkarätig besetzt.

Bessons unbehandelbare Drehbuchschwäche

Dass trotzdem unterm Strich blanke Langeweile dabei herauskommt, verhindert leider nichts von alledem. Ebenso wenig wie die abwechslungs- und einfallsreiche Enzyklopädie außerirdischer Lebensformen, die Besson hier auftischt.

Denn der Regisseur von „Leon“ oder „The Fifth Element“ mag vielleicht mit Bildern Geschichten erzählen können, er leidet jedoch gleichzeitig auch an einer augenscheinlich unbehandelbaren Drehbuchschwäche – die sich erzählerisch in einer kindlichen Naivität (sexistische Rollenverteilung inklusive!), dem Unvermögen, Spannungsbögen aufzubauen und eindimensionalen, stellenweise unfassbar dämlichen Dialogen widerspiegelt. Trotzdem beharrt er darauf, seine Filme eigenhändig zu schreiben – und stellt sich so ständig selbst ein Bein.

Während Bessons „Lucy“ demnach noch unterhaltsam-komisch rüberkam, stellt sich in „Valerian and the City of the Thousand Planets“ schnell Langeweile ein. Die schönen Bilder, die nur so von Computerpiel-Action und Spezialeffekten strotzen – „The Fifth Element“ lässt grüßen – reichen nicht aus, um den Zuschauer am Schicksal des Weltraum-James-Bond Valerian und seiner sexy Partnerin Laureline, des entführten Commanders Arun Filitt (Cliwe Owen) und der bizarren Perlmutt-Weltall-Massai zu fesseln.

Es fehlt an Relief und Humor

Nicht nur der Geschichte, auch den Figuren fehlt es an Relief: Die Charaktere fühlen sich wie blutleere Karikaturen an; das Potenzial der Darsteller wird weder gewürdigt, noch ausgenutzt. Humor, wie Besson ihn in „The Fifth Element“ bewies, hätte der Produktion ebenfalls gut getan, um Distanz zu sich selbst zu gewinnen – hier hätte der Regisseur sich durchaus ein Beispiel an den unzähligen US-Comicadaptierungen – von „Ironman“ über die „Guardians of the Galaxy“ bis hin zu „Deadpool“ – nehmen können, die alle durch schräge Witze punkten.

Der Film entpuppte sich demnach nicht von ungefähr an den Kinokassen als Flop, was sich bereits am ersten Wochenende mit läppischen 17 Millionen Dollar Einnahmen in den Vereinigten Staaten zeigte – im Vergleich: Nolans „Dunkirk“ spielte 50,5 Millionen ein.

Doppelte Anfängerfehler

Obwohl er ein gestandener Filmemacher ist, begeht Besson den doppelten Anfängerfehler, sich selbst allzu ernst zu nehmen und einfach zu viele Themen (dementsprechend schal) verarbeiten zu wollen.

So wird aus dem an sich großen Potenzial von „Valerian and the City of the Thousand Planets“ am Ende nur eine mäßig interessante SciFi-Posse, die selbst bei Genre- und Besson-Fans nur einen kurzzeitigen Eindruck hinterlassen wird. Schade drum!