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Die Filmkritik der Woche: "The Mummy": "Come to Mummy..."
Kultur 4 Min. 10.06.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "The Mummy": "Come to Mummy..."

Die Weltherrschaft: mit weniger will sich die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) nach Jahrtausenden der Gefangenschaft im irakischen Wüstensand, nicht zufrieden geben.

Die Filmkritik der Woche: "The Mummy": "Come to Mummy..."

Die Weltherrschaft: mit weniger will sich die ägyptische Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) nach Jahrtausenden der Gefangenschaft im irakischen Wüstensand, nicht zufrieden geben.
Foto: UPI
Kultur 4 Min. 10.06.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "The Mummy": "Come to Mummy..."

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Sie ist einfach unkaputtbar: die gute, alte Mumie! Diesmal hat sie sich die verführerischen Züge einer hübschen Prinzessin zugelegt. Trotzdem fragt man sich, was denn Tom Cruise und Russell Crowe eigentlich geritten hat bei diesem Quatsch mitzumachen?

Von Vesna Andonovic

Sie ist einfach unkaputtbar: die gute, alte Mumie! Diesmal hat sie sich die verführerischen Züge einer hübschen Prinzessin zugelegt. Und Achtung: Sie ist noch viel böser als ihre männlichen Kollegen, und lehrt das Publikum das handfeste Grauen der – leider etwas – anderen Art ...

Wer Alex Kurtzmans „The Mummy“ durchsteht, versteht zumindest eines: Wie eine Weltmacht wie die Vereinigten Staaten von Amerika einen Mann wie Donald Trump zu ihrem Präsidenten machen konnte.

Schließlich wurden auch hier läppische 125 Millionen Dollar investiert, ein Oscar-Preisträger, ein dreifacher „Academy Award“-Nominierter sowie zwei hübsche, weibliche Schauspielerinnen bemüht und das unverwüstliche Genre des Mumienfilms mitsamt aller Klischees (Sandstürme, altägyptische Pseudo-Historie, geheimnisvolle Rituale usw.) ausgepackt – und heraus kommt, am Ende, trotzdem nur ein Film, in dem das unglaublich Groteske mit dem unfassbar Lachhaften um die Wette buhlt.

Die Mumie ist eine "Sie"

Doch machen wir, vor der Reise ins Alte Ägypten, zuerst eine in die nähere Vergangenheit: Wer erinnert sich schon heute noch an Boris Karloff, der 1932 als Imhotep in Karl Freunds „The Mummy“ mit seinem hölzernen Gang und bohrenden Blick die Messlatte für Mumienfilme setzte? Wahrscheinlich nur eingefleischte „Old school“-Filmfans.

Sicherlich deutlich mehr Zuschauern ist da wohl das gleichnamige Remake aus dem Jahr 1999 ein Begriff. Dessen Charme ist einem sich selbst nicht allzu ernst nehmenden, mit rasanter Action durchsetzten Humor und dem liebenswerten Darstellertrio Brendan Fraser, Rachel Weisz und John Hannah geschuldet. So wundert es auch nicht, dass der Film auch dem verstaubten Genre kurzzeitig einen neuen Aufwind verpassen konnte.

Nach dem dritten Film dieses Revivals, dessen Geschichten sich von Ägypten bis nach China spinnen ließen, und neun Jahren Verschnaufpause feiert Hollywoods Lieblingsuntoter nun erneut seine Wiederauferstehung auf großer Leinwand – natürlich in 3D-Hochglanz!

Was macht eine ägyptische Mumie eigentlich in der irakischen Wüste? Nun einfach: für ziemlich viel Ärger sorgen, wenn sie erstemal ausgegraben ist.
Was macht eine ägyptische Mumie eigentlich in der irakischen Wüste? Nun einfach: für ziemlich viel Ärger sorgen, wenn sie erstemal ausgegraben ist.
Foto: UIP

Und die Mumie ist diesmal – Gleichberechtigung oblige – eine „Sie“: Prinzessin Ahmanet.

Harte Bandagen und heiße Kurven

Sie (Sofia Boutella im sexy Bandagen-Outfit) steht nach Jahrtausende langer Gefangenschaft im Metallsarkophag in den Tiefen der irakischen Wüste – und dementsprechend stinksauer – von den Toten auf, und will nur das eine: ihren Pakt mit dem Totengott Seth erfüllen und so die Weltherrschaft an sich reißen.

Nur der Antiquitätenhehler Nick Morton (Tom Cruise), der Ahmanets Auserwählter ist, und Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis), die für die geheime Organisation des Monsterjägers Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe als Dr. Jekyll, den wir aus Robert Louis Stevensons Roman kennen) arbeitet, scheinen sie aufhalten zu können. Aber so leicht lässt die rachsüchtige Machthungrige sich natürlich nicht unterbuttern. Es kommt zum Showdown in London ...

Es mangelt an Selbstironie

Die Hommage im aktuellen Universal-Werbespruch „Welcome to a new world of gods and monsters“ an Mumienübervater Karloff, der diesen Satz 1935 in „Bride of Frankenstein“ deklamierte, mutet demnach vorab schon wie ein Insiderwitz an. Schnell wird das versprochene „Grauen“ für das Publikum bittere Realität: Denn dieser neuen „Mummy“ fehlt es eindeutig an der so dringend notwendigen Frischzellenkur.

Auch die rettende Selbstironie sucht man hier vergeblich. „The Mummy“ nimmt sich bierernst und gleitet so ohne viele Umschweife in das Register des – da man ein Ticket hierfür bezahlt hat – an sich nicht hinnehmbar Grotesken ab. Statt nuancierter und wirksamer Suggestion gibt es hier dick aufgetragene Erklärungen (damit auch ja der letzte intellektuell Minderbemittelte sie versteht!) ebenso wie Horror und Schreckmomente satt – und zwar so minutiös bemüht und anschaulich gezeigt, dass sie bestenfalls ein müdes Lächeln entlocken. Selbst der krampfhafte Versuch, dann doch etwas Witz einzubringen, löst nur Fremdschämen aus.

Willkommen im Grauen des "Dark Universe"

Dabei ist Alex Kurtzman, mit Drehbüchern zu „Cowboys & Aliens“, den zwei „Transformers“-Filmen oder „Star Trek“, ja kein Neuling im Millionengeschäft des Popcorn-Kinos, wohl jedoch im Regiestuhl. Er bemüht sich zwar, die Fäden dieser Mammutproduktion zusammenzuhalten, doch vergeblich: Am Ende verheddert er sich aussichtslos in den lose herumwirbelnden Bandagen seiner Geschichte, deren Aktualitätsbezüge (Antiquitätenraub vor militärischer Intervention im Irak) statt Glaubwürdigkeit zu schaffen, diese zur Karikatur ihrer selbst verkommen lassen. Mit diesem ersten Film unternimmt Universal den Versuch, sein „Dark Universe“ zu lancieren und so an vergangene, schwarz-weiße Glanz und Glorie anzuknüpfen. Vergeblich.

Gespart wurde ebenso wenig an Mittel und Aufwand, wie am Casting – neben Weltstar Tom Cruise wurde „Gladiator“-Oscar-Preisträger Russell Crowe verpflichtet. Eine richtige Hilfe ist das nicht: Vor allem, wenn man Schauspielern dieses Kalibers solch dämliche Sätze wie „My name is Jekyll, Henry Jekyll“ aufsagen lässt.

Pflichtbewusste Genrefans werden die 107 Minuten über sich ergehen lassen und währenddessen in stummer Andacht ein Tränchen für den guten, alten Boris vergießen. Nur gut, dass die Erinnerung an Filme wie diesen nur Spuren im Wüstensand sind!