Die Filmkritik der Woche: „The Lost City of Z“

Zwei Hollywood-Beauties im tiefsten Busch

Glitzert dieses Mal nicht in der Sonne: Frauenschwarm Robert Pattinson (Forscher Henry Costin) hat ebenfalls mit den Tücken des Dschungels zu kämpfen.
Glitzert dieses Mal nicht in der Sonne: Frauenschwarm Robert Pattinson (Forscher Henry Costin) hat ebenfalls mit den Tücken des Dschungels zu kämpfen.
Foto: LCOZ HOLDINGS

Von Lisa Frising

Warum Charlie Hunnam, Hauptdarsteller von „The Lost City of Z“, besser nicht Klaas Heufer-Umlauf gleichen sollte und wie Regisseur James Gray es schafft, die Zuschauer dem Äquator etwas näher zu bringen.

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„Amigos, amigos!“, schreit Oberstleutnant Percy Fawcett (Charlie Hunnam) und gibt mit seinem Paisley-Halstuch Zeichen an die Schützen am Ufer. Schließlich schwirren ihm die giftgetränkten Pfeile der Einheimischen um die Ohren. Die britische Forschergruppe und ihr selbst gebautes Floß drohen zu scheitern. Im tiefsten brasilianischen Amazonas wurden um 1905 erste Spuren einer bis dorthin unentdeckten Zivilisation gefunden, die es für Colonel Fawcett und seine Truppe unbedingt zu erforschen gilt. Nur schade, dass ihm zu Hause im bürgerlichen England niemand glauben will – das ist die Grundlage für den Film.

Regisseur James Gray, der bereits 2013 mit seinem Streifen „The Immigrant“ für die Palme d’Or in Cannes nominiert wurde, schafft es mit „The Lost City Of Z“ ein Stück klassische Stilmittel in die Kinos zurückzubringen: helle Farben, die typisch-britische Attitüde, etwas Commonwealth-Pathos, fantastische Landschaften und der Einbau klassischer Musik geben dem jüngsten Werk einen sehr speziellen Touch.
Allerdings beschäftigt sich das Storytelling zu sehr mit der Manie des Protagonisten Fawcett, seine Familienehre wieder herzustellen. Anderes wie breitere Erzählstränge und Motive blendet Regisseur Gray aus.

Es gibt dann zu wenige dramatische Schlüsselelemente – dadurch verliert das 140–Minuten Biopic seinen roten Faden und wirkt letztlich zu langatmig. Selbst wenn der Film in Szenen aus dem Dschungelabenteuer und der heimischen Nachlese eine Art Wechselspiel aufbaut, mangelt es wegen der vielen Introspektiven und chronologischen Sprünge an konsequentem Spannungsaufbau. Das trägt dazu bei, dass der Zuschauer ständig aus einer Binnenerzählung in die nächste katapultiert wird und dem gesamten Film ein wichtiger Höhepunkt fehlt.

Kritik am Kolonialismus

Und die Schauspieler? In den Hauptrollen: Sienna Miller als unabhängige, starke Ehefrau, die mal wieder ihr schauspielerisches Talent (wie in „Casanova“ an der Seite von Heath Ledger) unter Beweis stellt. Zu Charlie Hunnam gibt es nicht viel zu sagen; er spielt genau so wie er aussieht. Sehr gut also. „Twilight“-Star Robert Pattinson ist als zerstreuter Forscherkamerad eher nebensächlich, gibt sich jedoch sehr jovial.

Einen wichtigen und gleichermaßen starken Fokus legt der Regisseur auf ethnozentristische, sowie kolonial geprägte Missstände, die die Rolle des „weißen“ Forschers kritisch in Frage stellen – immerhin. Ohne zu viel zu verraten, lässt Gray am Ende seinen Film offen – der Schluss kommt abrupt; und das hinterlässt beim Zuschauer einen schalen Nachgeschmack. Wer allzu viel deutsches Fernsehen schaut, ist aber eh schon vorher irritiert: „Circus Halligalli“-Moderator Klaas Heufer-Umlauf gleicht im Profil auf das Haar dem Protagonisten Hunnam. Comedy und Kolonialismus passen dann irgendwie doch nicht aufeinander.

"The Lost City of Z" von James Gary, Abenteuerfilm, USA, 2016, 140 Min. Englische Originalfassung mit FR & NL Untertiteln.