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Die Filmkritik der Woche : "The Dark Tower": „The King is Dead, Long Live the King!“
Kultur 3 Min. 20.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche : "The Dark Tower": „The King is Dead, Long Live the King!“

„Gunslinger“ Roland (Idris Elba) macht einen kurzen Abstecher ins heutige New York – da kann sein Colt kaum im Schaft bleiben.

Die Filmkritik der Woche : "The Dark Tower": „The King is Dead, Long Live the King!“

„Gunslinger“ Roland (Idris Elba) macht einen kurzen Abstecher ins heutige New York – da kann sein Colt kaum im Schaft bleiben.
(Foto: Sony Pictures)
Kultur 3 Min. 20.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche : "The Dark Tower": „The King is Dead, Long Live the King!“

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Selbst Matthew McConaughey und Idris Elba können die Verfilmung von Stephen Kings Erfolgsepos nicht retten.

Von Vesna Andonovic

Stephen-King-Fans aufgepasst: Mit „The Dark Tower“ droht ein böses Erwachen. Denn das komplexe Universum, das der Schriftsteller in sieben Büchern schuf, wird hier zum Teenagerfilm. Das wiederum ist Hollywoods Wunsch nach Massentauglichkeit und Franchisepotenzial geschuldet.

Selbst Meister wie Stephen King haben also ihre heimlichen Referenzen bzw. Inspirationen: Für die Bücher, in denen der amerikanische Bestsellerautor das „The Dark Tower“-Universum schuf, sind dies keine Geringeren als J. R. R. Tolkiens Meilenstein der fantastischen Literatur, die „The Lord of the Rings“-Saga, und Sergio Leones Kultwestern „The Good, the Bad and the Ugly“. „Ich wollte einen Roman schreiben, der Tolkiens Sinn der Suche und Magie enthält, jedoch vor Leones geradezu absurd majestätischer Westernkulisse spielt“, so King.

Schleppende Entwicklung

Kein Wunder also, dass „The Dark Tower“ sich genau als Mischung aus beiden präsentiert. Doch was auf dem Papier perfekt funktioniert, da es aus dem Zusammenspiel der Fantasien des Autors und jedes einzelnen Lesers erwächst, entpuppt sich auf der Leinwand schnell als dröger gar reichlich unausgegorener Mischmasch der vielleicht eines „Percy Jackson trifft auf ,Cowboys & Aliens‘“ würdig ist, jedoch nicht eines Stephen King.

Dabei muss man nicht einmal die Bücher kennen, um reichlich entzaubert aus der Vorführung zu kommen. Denn „The Dark Tower“ entwickelt sich – trotz Spezialeffekten und Action – nur schleppend: Spannung kommt dennoch nur mäßig auf, tiefgründige Themen (Tod des Vaters, Trauerarbeit, ...) werden angerissen, doch nicht ausgeschöpft und der Witz beschränkt sich auf ein paar (recht schmerzfreie) Seitenhiebe auf den „American Way of Life“ und Coca Cola.

„The Dark Tower“ portioniert Stephen Kings komplexen Stoff zu einem mundgerechten Teenagerfilm – und verspielt so sein erzählerisches Potenzial.
„The Dark Tower“ portioniert Stephen Kings komplexen Stoff zu einem mundgerechten Teenagerfilm – und verspielt so sein erzählerisches Potenzial.
(Foto: Sony Pictures)

Zur Geschichte (des Films): Der junge Jake (ein überzeugender Tom Taylor) wird von furchterregenden Albträumen um einen mysteriösen dunklen Turm geplagt. Was sein Umfeld für den Versuch hält, den Unfalltod des Vaters zu verarbeiten, entpuppt sich schnell als ganz reale Bedrohung, als der Junge ein Portal zu einer Parallelwelt findet: Mid-World.

Dort machen er und sein ungewollter Verbündeter, „Gunslinger“ Roland (Idris Elba mit einem recht skurrilen Name für einen Revolverhelden) sich auf, den Plan des „Man in Black“, Hexer Walter (Matthew McConaughey, der auf Christopher Walken macht), zu durchkreuzen, den Gleichgewicht spendenden, dunklen Turm zu Fall zu bringen.

Nur der verhindert nämlich, dass die bestialischen Horden des Nichts einfallen und das Ende aller Welten eingeläutet wird ...

Einfach die Vorlage ausblenden

Längst sind sie also vorbei, die Zeiten, da man aus Stephen Kings Bestsellern nicht nur Kassenschlager, sondern auch solch eindrucksvolle Filme wie „Carrie“, „The Shining“ oder „Shawshank Redemption“ machen konnte. „The Dark Tower“ fehlt es an Profil und Nuancen, zu mundgerecht bzw. vorhersehbar präsentieren sich Handlung und Figuren.

Da hilft auch nicht, dass mit Nikolaj Arcel ein Filmemacher verpflichtet wurde, der sein Handwerk versteht und seine Klassiker kennt: Spürbar ist dies in der Art, wie er traditionelle Elemente des Westerns einfließen lässt.

Das gestandene Duo Matthew McConaughey und Idris Elba reicht nicht aus, um die Schwächen des Drehbuchs aufzuwiegen.
Das gestandene Duo Matthew McConaughey und Idris Elba reicht nicht aus, um die Schwächen des Drehbuchs aufzuwiegen.
(Foto: Columbia Pictures)

Für den Dänen ist „The Dark Tower“ nach dem Historiendrama „A Royal Affair“ ein radikaler Registerwechsel. Nur leider reicht sein fachmännisches Können – ebenso wenig wie das des gestandenen Duos Matthew McConaughey und Idris Elba – aus, die Schwächen des Drehbuchs aufzuwiegen.

Zumindest King selbst dürfte nicht stören, was Millionen Fans weltweit entsetzen wird: Dass „The Dark Tower“ weit unter seinem erzählerischen Potenzial bleibt und sein Ende auch noch ein wahrscheinliches Franchising ankündigt.

Im Interview verriet der Bestsellerautor dem „Rolling Stone“: „Ich sehe sie (i. e. Filme) als ein geringeres Medium als die Fiktion, als die Literatur an, und ein vergänglicheres dazu.“ Doch es gibt ein Geheimrezept, um nicht gänzlich am Zurechtstutzen zu verzweifeln: Einfach ausblenden, dass „The Dark Tower“ ein Stephen King ist und sich 95 Minuten lang unterhalten lassen.