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Die Filmkritik der Woche: „Star Trek Beyond“: Aufgebauschte Serienfolge
Kultur 4 3 Min. 20.08.2016

Die Filmkritik der Woche: „Star Trek Beyond“: Aufgebauschte Serienfolge

Simon Pegg (r.) spielt nicht nur den Enterprise-Chefingenieur „Scotty“, sondern ist auch Drehbuchautor des Streifens.

Die Filmkritik der Woche: „Star Trek Beyond“: Aufgebauschte Serienfolge

Simon Pegg (r.) spielt nicht nur den Enterprise-Chefingenieur „Scotty“, sondern ist auch Drehbuchautor des Streifens.
Foto: Paramount Pictures
Kultur 4 3 Min. 20.08.2016

Die Filmkritik der Woche: „Star Trek Beyond“: Aufgebauschte Serienfolge

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Fast einen Monat später als in den zentralen Märkten startet die Crew der Enterprise in ein neues Abenteuer. Hier unsere Filmkritik.

Von Daniel Conrad

Es ist schon merkwürdig, dass „Star Trek Beyond“ fast einen Monat nach der amerikanischen, deutschen und selbst der Schweizer Premiere nun erst in den Luxemburger Kinos anläuft. Sollte ein möglicher Blockbuster wirklich so zurückgehalten werden, wenn international schon viel Wirbel darum gemacht wird?

Der Verleih habe für Belgien und Luxemburg eben erst diese Woche vorgesehen. „Als Kinobetreiber können wir hierauf kaum bis gar keinen Einfluss nehmen“, schreibt der Programm Manager der Utopia-Gruppe, Pit Marmann, auf eine LW-Anfrage. Und das obwohl der Film ja eigentlich international perfekt auf das 50. Jubiläum der Sternen-Saga getimt war.

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Die echten Fans, die Trekkies, werden längst dann schon sich legal oder illegal mit dem neuen Streifen beschäftigt haben. Und somit war der Neustart dieser Woche nur noch für die interessant, die sich einen herausragenden Science-Fiction-Film anschauen wollten.

Weniger Kirk/Spock, dafür mehr Mannschaft

Und genau das ist der Film leider nur bedingt. Zwar hat der dritte Streifen die Dynamik des Relaunches der Marke „Star Trek“ von Regisseur und Mastermind J. J. Abrams im Rücken, aber nach der Neueinführung mit dem gleichnamigen Film (2009) und die Wiederbelebung von „Khan“ (besetzt mit Shootingstar Benedict Cumberbatch) in „Star Trek Into Darkness“ (2013) ist das Grundthema diesmal die Beschwörung des Zusammenhalts der Mannschaft.

Und wer sich an die alten „Next-Generation“ oder „Voyager“-Serien-Folgen erinnert, weiß: Wenn es um die Mannschaft geht, wird es bei Star Trek schon mal langweilig. Auch, dass J. J. Abrams vom Regiestuhl zum reinen Produzenten wurde (er muss sich für Disney um den neuen „Star Wars“-Teil kümmern) und die Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman nicht mehr beteiligt waren, war für einige Fans ein Warnsignal.

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Immerhin hat man mit Simon Pegg von Beginn des Relaunches an ein Multitalent an Bord. Der spielt eben nicht nur „Scotty“, den Chefingenieur, sondern sorgte als erfahrener Regisseur und Drehbuchautor für das neue Skript. Mit „Fast & Furious“-Regisseur Justin Lin gewann man dazu einen mit Actionüberladenen Fortsetzungen erfahrenen Regisseur. Und was man bestellt, bekommt man dann auch: Der Fokus auf das enge Bündnis von Kirk und Spock wird verbreitert. So erfährt man unter anderem mehr über das Privatleben von Steuermann Sulu: Ohne zu viel verraten zu wollen: diese paar Szenen wurden viel diskutiert.

Doch natürlich darf die große Bedrohung nicht fehlen. Eine Hilfsmission der Enterprise endet in der Katastrophe: Das Schiff wird in herrlich großen Bildern und viel virtuellem Technikeinsatz regelrecht zerlegt. Die Mannschaft kann es nicht mehr halten und flüchtet sich auf einen Planeten.

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Verstreut, zum Teil gefangen oder verletzt, gilt es, sich nach und nach wieder zusammenzuraufen. Denn auf dieser Welt hat der Bösewicht Krall ein perfides System der Gewaltherrschaft und natürlich eine Waffe entwickelt, um der Föderation der Planeten einen großen Schlag zu verpassen (womit wir dann wieder bei einer Art Khan-Reload wären).

Wie es der Teufel will, finden sich auf dem Planeten nicht nur einige neue „Alien-Rassen“, sondern noch alte Förderationstechnik – die perfekte Ausgangslage für neue Bündnisse und die Chance auf Rettung.

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Humor gibt es obendrauf, verbunden mit einem gewissen Spiel mit den eigenen Klischees. So ist dieses Abenteuer stark selbstreferenziell, die Action übertüncht den mangelnden Tiefgang – und damit sind es eben lediglich die Effekte, die haften bleiben.

Selbstverständlich kommt Wehmut auf, wenn man dem 2015 verstorbenen „Spock“-Darsteller Leonard Nimoy gedenkt – sowohl der von ihm dargestellten Figur im Film, wie im Abspann dem zur Star Trek-Ikone erkorenen Darsteller. Bedauerlich: Die Premieren wurden vom überraschenden Tod des Chekov-Darstellers Anton Yelchin überschattet, dem das Drehbuch endlich etwas mehr Sichtbarkeit verschafft hatte.


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