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Die Filmkritik der Woche: Sie tun es schon wieder
Kultur 3 3 Min. 30.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: Sie tun es schon wieder

Channing Tatum gibt sein Debüt in der "Kingsman"-Reihe.

Die Filmkritik der Woche: Sie tun es schon wieder

Channing Tatum gibt sein Debüt in der "Kingsman"-Reihe.
Foto: 20th Century Fox
Kultur 3 3 Min. 30.09.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: Sie tun es schon wieder

Sarah MÜNCHEN
Sarah MÜNCHEN
Zweite Teile erfolgreicher Kinofilme treten ein schweres Erbe an und überzeugen selten. So auch „Kingsman: The Golden Circle“.

Von Sarah München

Zweite Teile erfolgreicher Kinofilme treten ein schweres Erbe an und überzeugen selten. So auch „Kingsman: The Golden Circle“. Seichte Unterhaltung bietet der Film trotzdem und ein schauspielerisches Highlight in Gestalt von Elton John.

Die wichtigste Nachricht zuerst: Der zweite Kingsman-Teil scheint nicht der letzte gewesen zu sein. Ob das eine gute Nachricht ist, wird sich noch herausstellen. Aber schon der zweite Teil „Kingsman: The Golden Circle“ kommt nicht an die erste Version des Überraschungserfolgs „Kingsman: The Secret Service“ heran.

Aber der Reihe nach: Der Film startet actionreich von null auf 100 mit Szenen, die stark an „The Fast and the Furios“ erinnern. Geschickt wird der Zuschauer durch drei verschiedene Handlungsstränge plus einige Rückblicke geleitet. Und auch wenn es schon nach etwa 20 Minuten viele Tote gibt und das Weltuntergangsspektakel eingeleitet wird, sind die erklärenden Hintergrund-Passagen zu Beginn etwas langweilig geraten. Schon in Teil eins haben die Agenten der Londoner Schneiderei Kingsman den drohenden Weltuntergang verhindert.

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Das war nicht wirklich neu, aber unterhaltsam und lustig. Aber ein Mal Weltretten hätte dann auch gereicht. Die britischen Gentlemen, die im Film auf ihr amerikanisches Pendant Statesman treffen, tun es trotzdem wieder. Dabei spielen die amerikanischen Agenten nur eine Nebenrolle, tauchen in langen Passagen des Films gar nicht auf.

Tiefer Griff in die Klischeekiste

Drehbuchautor Matthew Vaughn hat tief in die Klischeekiste gegriffen, wenn er die Amerikaner mit Cowboyhut, Schnurrbart und lassoschwingend durch die Welt trampeln lässt, während die feinen Engländer mit Schirm, Charme und Köpfchen kämpfen.

Der gemeinsame Feind ist „The Golden Circle“, angeführt von einer Dame namens Poppy (Julianne Moore), die von einer abgelegenen Drogenfarm aus mit ihren verseuchten Mitteln die halbe Welt lahmlegt. Allen Infizierten droht der sichere Tod, wenn nicht entweder der amerikanische Präsident der Legalisierung aller Drogen zustimmt, oder die Agenten von Kingsman und Statesman das Böse besiegen.

Die Handlung ist sehr vorhersehbar. Unterhaltsam ist sie trotzdem: Dank eines teils plumpen, teils ironischen Humors, übertriebenen, trashigen Szenen und natürlich auch wegen einer herausragenden Besetzung mit oscarprämierten Schauspielern wie Halle Berry, Jeff Bridges und Colin Firth. Dabei schien Letzterer als Agent Harry Hart in Teil eins schon tot zu sein.

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Als verwirrter einäugiger Schmetterlingsforscher kehrt er zurück und findet, vor allem Dank der Hilfe des jungen Agenten Eggsy (Taron Egerto), langsam wieder zu seiner alten Form. Genial und einer der Höhepunkte des Films: der Auftritt von Elton John, der sich selbst spielt, und nicht nur ein begnadeter Sänger sondern auch ein richtig guter Schauspieler ist. In einem grellen Papageienkostüm und mit Glitzerplateauschuhen beschützt er die Kingsmen vor Poppys aggressiven Roboterhunden.

Ohrwurm-Gefahr

Gut gewählt ist auch die Musik – „Take Me Home Country Roads“ von John Denver zieht sich als roter Faden durch die Handlung und geistert dem Zuschauer noch lange nach Filmende im Kopf herum. Bis dahin wäre es ein netter Film für eine seichte Feierabendunterhaltung gewesen. Mit einer Handlung, die an der Oberfläche plätschert, Aktion, Herzschmerz und echten Männerfreundschaften.

Mit zwei Einschränkungen: Erstens wirkt die zweite Auflage von Kingsman an vielen Stellen wie ein schlechtes Remake des ersten Films, in dem krampfhaft – aber oft vergeblich – versucht wird, Teil eins zu kopieren. Zweitens versagt der Film dann, wenn er gesellschaftskritisch und tiefgründig wirken soll. Während die Agenten zu jeder Gelegenheit zu Whiskey, Scotch und Co. greifen, droht die Welt durch illegale Drogen zerstört zu werden.

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Etwas belehrend kommt der Film daher, wenn erklärt wird, dass sich das Drogenproblem durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht und sogar die Sekretärin des amerikanischen Präsidenten davon betroffen ist. Den wiederum juckt das alles recht wenig, er will dem Sterben tatenlos zusehen und hofft, so Drogenproblem in der Gesellschaft auf diese Weise selbst löst. Ein herzloser, machtgieriger Herrscher, der Parallelen zu Donald Trump aufweist, und der am Ende seines Amtes enthoben wird.

Es kommt wie erwartet: gewinnen können natürlich nur die Guten. Und wenn man denkt: Jetzt ist alles vorbei und der Abspann kommt, folgt noch ein Ende und noch eins und dann scheint Harry auch noch Teil drei anzukündigen, indem er sagt: „Das ist nicht das Ende ...“. Schade eigentlich, noch ein Kingsman-Film wären dann schon zwei zu viel.


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