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Die Filmkritik der Woche: "Richard der Storch": Der Spatz, der ein Storch sein wollte
Kultur 1 2 Min. 11.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Richard der Storch": Der Spatz, der ein Storch sein wollte

Auf der Reise nach Afrika zu seiner Storchen-Adoptivfamilie begleiten den Spatz Richard die zu groß gewachsene Zwergeule Olga und Kiki, der selbstverliebte Wellensittich mit Starallüren.

Die Filmkritik der Woche: "Richard der Storch": Der Spatz, der ein Storch sein wollte

Auf der Reise nach Afrika zu seiner Storchen-Adoptivfamilie begleiten den Spatz Richard die zu groß gewachsene Zwergeule Olga und Kiki, der selbstverliebte Wellensittich mit Starallüren.
FOTO: MÉLUSINE PRODUCTIONS
Kultur 1 2 Min. 11.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Richard der Storch": Der Spatz, der ein Storch sein wollte

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Eigentlich dachte Richard ja, dass er es bei seiner Familie richtig gut hat, doch als diese nach Afrika aufbricht und ihn zurück lässt, beginnt für ihn eine abenteuerliche Reise, auf der aus dem Spatz zwar kein Storch wird, aber Richard nicht nur Freunde, sondern auch sich selbst findet.

Von Vesna Andonovic

Einen Film zu machen, erfordert ein gewisses Handwerk, das nicht jedem gegeben ist, einen guten dazu schon richtige Kunstfertigkeit. Beides ist umso schwieriger, wenn es sich bei der Zielgruppe um ein jüngeres Publikum handelt. Aus dem einfachen Grund, dass Erwachsene nun mal (leider) irgendwann einmal vergessen, wie Kinder eigentlich überhaupt ticken.

Dem deutschen Regie-Duo Reza Memari und Toby Genkel ist dieses Kunststück jedoch gleich zwei Mal gelungen: nach „Ooops! Die Arche ist weg“, nun auch mit „Richard de Storch“.

An beiden Werken beteiligt, sind auch Mélusine Productions. Mit früheren Produktionen wie den Oscar-nominierten „Ernest & Célestine“ und „Song of the Sea“ oder dem mit dem European Film Award ausgezeichneten „The Congress“ ist das Unternehmen aus Contern, unter der Leitung von Stephan Roelants, eine hervorragende Visitenkarte für die Qualität von Luxemburgs Animationszunft.

Hier nun sind sie an einer Geschichte beteiligt, die erzählt, wie der junge Richard sich nicht einfach damit abfinden will, dass seine Storchen-Adoptivfamilie nach Afrika aufbricht und ihn einfach zurücklässt. Der selbstbewusste Spatz macht sich also auf den Weg gen Süden und erlebt dabei in Gesellschaft der zu groß gewachsenen Zwergeule Olga und Kiki, dem selbstverliebten Wellensittich mit Starallüren, so manches Abenteuer.

Kind- nicht mundgerechte Filmkost

Doch was macht es eigentlich so schwer, einem jüngeren Publikum passende Filmkost zu bieten? Einfach: Die Gratwanderung zwischen erzählerischem Anspruch und altersgerechter Präsentation ist – bei den Füßchen der Kleinen – umso schwieriger. Vor allem, wenn man mit Erwachsenenlatschen daran herangeht: Denn schnell riskiert man dabei, zum strengen, „pädagogisch wertvollen“, doch drögen Oberschullehrer zu mutieren, oder aber man frönt der Verniedlichung und gleitet so schnell ins Lächerliche ab. Kinder sind nämlich vielleicht noch nicht ganz entwickelt, doch dumm sind sie gemeinhin nicht.

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Im Gegenteil, gerade deshalb kann man ihnen also sehr wohl komplexe und schwierige Themen wie das des Andersseins, der Akzeptanz, des Verlassenwerdens, der Einsamkeit und des Überwindens von Grenzen zumuten. Bestenfalls sollte man dabei die Basis für eine generationenübergreifende Diskussion schaffen, in der sie ihre eigenen Fragen stellen, darauf Antworten suchen und sich letztlich ihre Meinungen bilden können. Wenn man das Ganze dann auch noch, so wie „Richard der Storch“, spielerisch zu verpacken und ansprechend-unterhaltsam zu präsentieren vermag, ist man auf der gewonnenen Seite.

„In der Tat sind Migration, Zugehörigkeitsgefühl und dieses ,Es ist egal, welche Federfarbe du hast, wir sind alle Vögel‘ sehr aktuell: Die Message der Zusammengehörigkeit und Toleranz ist heute sehr nötig“, erklärte Co-Regisseur Reza Memari vor der 67. Berlinale. Dort wurde der Film in der „Generation KPlus“-Reihe gezeigt. In den hiesigen Kinos läuft nun zudem eine auf Luxemburgisch synchronisierte Fassung, was den Film auch einfacher für jüngere Zuschauer zugänglich macht.

Pixar, Disney und Co. müssen sich also warm anziehen, denn haben sie vielleicht die finanziellen Mittel, so florieren die Ideen in Europa weitaus besser. Diese schrill-bunte Coming-of-Age-Geschichte in unterhaltsamer Road-Movie-Form ist das beste Beispiel dafür.


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