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Die Filmkritik der Woche: Liebe in Zeiten des Todes
The Fault in Our Stars

Die Filmkritik der Woche: Liebe in Zeiten des Todes

Prod.
The Fault in Our Stars
Kultur 2 Min. 20.06.2014

Die Filmkritik der Woche: Liebe in Zeiten des Todes

Ein Film über die Liebe zweier Krebskranker? Da lauert Rührseligkeit und Gefühlsduselei an jeder Ecke. Doch unsere Filmkritikerin Vesna Andonovic hat "The Faul in Our Stars" besonders wegen der darstellerischen Leistung überrascht.

Von Vesna Andonovic

Es ist wohl eine der bittersten Ironien des Schicksals, dass es die Unsterblichkeit ist, die am Ende unzählige Menschen das Leben kostet. Denn eine Körperzelle ist so vorprogrammiert, dass sie sich eine bestimmte Anzahl von Malen teilt und dann stirbt. Doch ist diese natürliche Vergänglichkeitsbarriere urplötzlich aufgehoben und kann besagte Zelle sich unbegrenzte Male teilen, dann nennt sich die Unsterblichkeit „Krebs“ und ist oft tödlich.

Einen Film vor Krebshintergrund zu machen, ist eigentlich die passendste aller Metapher für das ebenso unerbittliche wie gefährliche Damoklesschwert, das über dem Haupt jedes Erkrankten schwebt. Rührseligkeit und Gefühlsduselei, kurzum die Lächerlichkeit lauert an jeder Ecke.

In einer unfreiwillig besuchten Selbsthilfegruppe lernt die krebskranke Hazel Grace Lancaster (Shailene Woodley) den 18-jährigen Augustus Waters (Ansel Elgort), der einem Knochenkrebs seinen rechten Unterschenkel opfern musste, kennen – und lieben. Gemeinsam mit ihm und der Mutter macht sie sich auf, in Amsterdam Peter Van Houten (Willem Dafoe), Autor ihres Lieblingsbuches „An Imperial Affliction“, zu besuchen.

Das Zeug zum Kassenknüller

Aus dem 2012 veröffentlichten Roman von John Green – „vlogger“, sprich Video-Blogger, dessen YouTube-Kanal 1,88 Millionen Abonnenten zählt und der die Entstehung des Films aktiv begleitete – haben die Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber einen zeitgemäßen Film gemacht, in dem zwar soviel aus-, durch- und zerdiskutiert wird wie in einem französischen Film, der aber trotzdem durchaus das Zeug zum Kassenknüller hat, ja vielleicht sogar die „Love Story“ der YouTube-Generation werden könnte.

So der Film kommt nicht ganz drum herum, auf die Tränendrüse zu drücken – bei dem Thema wohl auch zum Teil verständlich. Doch das Aufkochen von Gefühlen, das sich in vergleichbaren Werken meist als Hindernis für Empathie erweist, wird hier durch einen heilsamen (Galgen-)Humor soweit aufgewogen, dass dem Zuschauer – wohl oder übel – sowohl die Figuren als auch ihr Schicksal ans Herz wachsen. Liebe und der Umgang mit Krankheit, Tod und Verlust werden zwar auf einem verspielt-leichten, gar sarkastisch angehauchten Ton behandelt, der menschlichen Tiefe schadet dies aber definitiv nicht.

Filmischer Balanceakt

Regisseur Josh Boone beweist in seinem zweiten Opus nach „Stuck in Love“ vor zwei Jahren einen Hang zur Nahaufnahme, die den Schauspielern buchstäblich „auf die Pelle rückt“. Zum Glück wird dies von einem glücklichen Händchen in Sachen Besetzung ausbalanciert. Spielten sie noch in Neil Burgers „Divergent“ Geschwister, so schlüpfen Shailene Woodley und Ansel Elgort hier in die Haut eines Liebespaars, dem die Sterne nicht sonderlich wohlgesinnt sind. Und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt einfach perfekt. In den Nebenrollen dürfte neben dem glaubhaften Elternpaar Laura Dern und Sam Trammell (u. a. aus der „True Blood“-Serie bekannt), vor allem Willem Dafoes Porträtierung des hemmungslos unsympathischen Schriftstellers Van Houten dem Publikum eine kurze emotionale Verschnaufpause im Wechselbad der Gefühle verschaffen.

Ein unerwartet erfreulich gut gespielter und intelligent zusammengeführter Film, der einem schwierigen Thema eine lebensbejahende Seite abgewinnt, ohne der Tragik der Krankheit selbst ihren Ernst zu nehmen. Wahrlich sehenswert – für sensible Gemüter dennoch besser mit Waterproof-Maskara und Taschentuch!