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Die Filmkritik der Woche: "Justice League": Neue Helden braucht das Land
Kultur 3 Min. 18.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Justice League": Neue Helden braucht das Land

Fünf Superhelden, fünf Charaktere – und doch müssen sie als Team an einem Strang ziehen, um die Bösen zu besiegen: Batman (Ben Affleck), Wonder Woman (Gal Gadot), Cyborg (Ray Fisher), The Flash (Ezra Miller) und Aquaman (Jason Momoa) (v.l.n.r.).

Die Filmkritik der Woche: "Justice League": Neue Helden braucht das Land

Fünf Superhelden, fünf Charaktere – und doch müssen sie als Team an einem Strang ziehen, um die Bösen zu besiegen: Batman (Ben Affleck), Wonder Woman (Gal Gadot), Cyborg (Ray Fisher), The Flash (Ezra Miller) und Aquaman (Jason Momoa) (v.l.n.r.).
FOTO: WARNER BROS.
Kultur 3 Min. 18.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Justice League": Neue Helden braucht das Land

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Superman ist tot. Er hat sich geopfert, um die Welt zu retten: Ganz schutzlos ist die Menschheit trotzdem nicht.

Superman ist tot. Er hat sich geopfert, um die Welt zu retten: Ein schwarzes „S“ ziert nun die Tower Bridge, den Eiffelturm ... die Welt trägt Trauer. So ganz schutzlos ist die Menschheit trotzdem nicht. Zum Glück: Denn die Gefahr lauert nicht mehr vor der Haustür, sie ist längst ins traute Heim vorgedrungen.

Anfangs war es noch unterhaltsam, ja sogar richtig spannend, wenn Superhelden die Welt retteten. Heute ähnelt dieses Universum auf der Leinwand einem Ameisenhaufen – und das Interesse daran ist dementsprechend verwässert. „Justice League“ zeigt nun erneut, wie man es vorzugsweise nicht machen sollte, um dem Genre neuen Aufschwung zu geben.

Auf der Suche nach "Mutter"

Batman-Bruce Wayne (Ben Affleck) hat noch nicht den Tod seines Kontrahenten, der am Ende von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ zum Verbündeten wurde, überwunden, schon wartet eine neue große Aufgabe auf ihn. Er muss eine mobile Superhelden-Einsatztruppe zusammentrommeln, denn Gefahr droht von den fliegenden Dämonenscharen von Steppenwolfs (der weder etwas mit dem gleichnamigen Roman, noch der kanadischen Rockband zu tun hat).

Den neuen Bösewicht interessieren die Erdlinge und ihre Super-Beschützer ohnehin wenig: Was er will, sind drei außerirdische Würfel, die zusammengefügt die ultimative Zerstörungswaffe hergeben – bezeichnenderweise „Mutter“ genannt werden. Weil er zum letzten Showdown nicht alleine antreten kann, sucht Batman Verstärkung von Wonder Woman (Gal Gadot), Cyborg (Ray Fisher), The Flash (Ezra Miller) und Aquaman (Jason Momoa). Dabei hat die Fledermaus noch einen wahnwitzigen Plan im Sinn, der böse enden könnte.

Bösewichte und die Paradise Papers

Nachdem der Vorläufer „Batman v Superman: Dawn of Justice“ an den Kassen und in der Kritik ziemlich floppte, versucht DC Comics einen Neustart mit der vollen Ladung Superhelden. Kein Wunder demnach, dass sich bei der Superhelden-Riege neben Avengers, Guardians of the Galaxy und Suicide Squad bald kein Zuschauer mehr richtig zurecht findet, wer denn nun eigentlich wo hinzugehört. Mit „Justice League“ dringt das Publikum nun weiter in das „DC Extended Universe“ vor, das inzwischen so weit expandiert ist, dass man schnell die Übersicht verliert. Bezeichnenderweise entstand der Film unter keinem guten Stern: Der actionerprobte Regisseur von „300“, Zack Snyder, dessen Ehefrau Deborah den Film mitproduzierte, zog sich vor Beendigung des Projektes zurück – er erbat sich einen Ausstieg nach dem Selbstmord der Tochter.

Mehr noch als dieser Wechsel belastet das Werk, dass es den beiden Drehbuchautoren Chris Terrio und Joss Whedon nicht gelingt, ein Gleichgewicht zwischen Figurenzeichnung und Action herzustellen. Während etwas Generationswitz mit dem Charakter des Flash eingeflochten wird, fallen Bezüge auf Aktualitätsthemen wie Fremdenfeindlichkeit, Ökologie oder der typisch amerikanisch inbrünstige Aufruf zur Einigkeit flach aus und Humor fließt leider allzu spärlich in die Geschichte. Stattdessen wird das Geld in Spezialeffekte investiert, die dem Film schnell eine Art Spielkonsolenkämpfe-Flair verleihen, der rasch geradezu langweilt.

Paradise Papers lassen grüßen

Die Schauspieler, allen voran Affleck, wirken hölzern – abhilfe kann da weder Jeremy Irons als neuer Alfred, noch Gal Gadot bieten, die zuletzt damit Schlagzeilen machte, dass sie ihre Rückkehr als Wonder Woman mit dem Abgang des Produzenten Brett Ratner verband – gegen ihn wurden Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. „Man muss solche Typen dort treffen, wo es ihnen wehtut: am Portemonnaie“, hatte sie ihre Entscheidung kommentiert. Der Bösewicht Steppenwolf kommt aus der CGI-Dose – der irische Schauspieler Ciarán Hinds durfte ihn nur besprechen und über Motion-Capture spielen: Leider, denn live hätte er der Figur sicherlich besser getan.

So reiht sich „Justice League“ – nach zwei langatmigen Stunden – als weiteres, trauriges Glied in die Filmkette der „Operation geglückt, Patient tot“-Reihe ein.

Am Ende lässt sich nicht an den Helden, die es braucht, sondern an den Bösewichten, die es verdient, aus „Justice League“ ein Rückschluss auf die Lage der (richtigen) Welt machen, – ohne zu spoilern, hierzu ein kleiner Tipp: Die Lichter im Hintergrund schimmern monegassisch und die Paradise Papers lassen grüßen ...