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Die Filmkritik der Woche: "Guardians of the Galaxy Vol. 2": Der Apfel fällt (nicht) weit vom Stamm
Kultur 3 Min. 29.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Guardians of the Galaxy Vol. 2": Der Apfel fällt (nicht) weit vom Stamm

Die "Guardians of the Galaxy" haben für ihr Vol. 2 nichts an Humor eingebüßt.

Die Filmkritik der Woche: "Guardians of the Galaxy Vol. 2": Der Apfel fällt (nicht) weit vom Stamm

Die "Guardians of the Galaxy" haben für ihr Vol. 2 nichts an Humor eingebüßt.
Foto: Marvel Studios/Disney Studios
Kultur 3 Min. 29.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Filmkritik der Woche: "Guardians of the Galaxy Vol. 2": Der Apfel fällt (nicht) weit vom Stamm

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Die „Guardians of the Galaxy“ sind so etwas wie die Bravo-Hits der Kinoleinwand: Mit ihren Ohrwurm-Beats gehen sie nicht nur runter wie Butter, sondern klingen sogleich vertraut. Un Vol. 2 hält genau was es verspricht.

von Vesna Andonovic

Die „Guardians of the Galaxy“ sind so etwas wie die Bravo-Hits der Kinoleinwand: Mit ihren Ohrwurm-Beats gehen sie nicht nur runter wie Butter, sondern klingen sogleich vertraut. Nun legen die schrägen Vögel, die in Teil 1 zu Helden wurden, ein Vol. 2 hin, das Fragen beantwortet und eine neue Folge ankündigt.

Liebenswerte Helden, wie sie im (Comic-)Buche stehen: Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), ...
Liebenswerte Helden, wie sie im (Comic-)Buche stehen: Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), ...
Foto: Marvel Studios/Disney Studios

Genau so mag man sie ja, die neuen Helden: frisch, frech, fröhlich. Eine bunte Truppe schräg-schriller Individualisten, die plötzlich zu einer „urban family“, dieser emotionalen Familie, bei der man sich seine (Wahl)Verwandtschaft selber zusammenstellen darf, werden – und so ganz nebenbei auch noch das (ganze) Universum retten.

Denn hatten Peter Quill alias Star-Lord und seine Gefährten Rocket (gesprochen von Bradley Cooper), Gamora (Zoe Saldana), Baby Groot (Vin Diesel) und Drax (Dave Bautista) im ersten Film 2014 einen der zerstörerisch-mächtigen „Infinity stones“ aus den Händen des psychopathischen Massenmörders Ronan gerettet, so müssen sie sich in Folge 2 nun einer nicht minder kleinen Aufgaben stellen: der Herausforderung des Alltag eines Familien(zusammen)lebens.

..., Rocket (gesprochen von Bradley Cooper)....
..., Rocket (gesprochen von Bradley Cooper)....
Foto: Marvel Studios/Disney Studios

Dabei werden eine Reihe Fragen, wie die um Quills Vater beantwortet und die emotionale Tiefe der einzelnen Figuren ausgebaut.

Wie gewohnt orchestriert Regisseur James Gunn dies mit eindrucksvollen technischen Mitteln, setzt jedoch in seinem Film auf das bewährte Rezept einer Mischung aus 1980er-Nostalgie (Walkman, Kurt Russell und Sylvester Stallone lassen grüßen!) und zuweilen ziemlich unflätigen Humors. Dies funktioniert dann auch hier wieder perfekt, dank u. a. der Figur des Drax, auch wenn der verzaubernde Überraschungseffekt verständlicherweise etwas verpufft ist.

... Gamora (Zoe Saldana)...
... Gamora (Zoe Saldana)...
Foto: Marvel Studios/Disney Studios)

Bei der Lichtgeschwindigkeit mit der die Expansion der einzelnen Comicheldenuniversen von Fantastic Four, Avengers, Suicide Squad und Co. dürften selbst Experten so langsam den Überblick über Zusammenhänge und Querverbindungen verlieren. Doch zum Glück kann man ja jede Geschichte einzeln genießen und sich von ihr unterhalten lassen.

„Who's your Daddy?“

Dienten früher Sagen und Märchen dazu, dem Zuhörer bzw. Leser eine für sein eigenes Leben und dessen Wandel wichtige Moral mit auf den Weg zu geben, so kann im Jahr 2017 eine Comic-Adaptierung durchaus auch als ähnliche Lektion entschlüsselt werden.

Denn was steht eigentlich im Zentrum dieses SciFi-Films und verbirgt sich hinter seiner überwältigenden Technik? Etwas ganz und gar Banales, geradezu Spießiges: die Familie. Und alle Helden haben hier ganz allein ihr Kreuz zu tragen.

...Baby Groot (gesprochen von Vin 
Diesel)...
...Baby Groot (gesprochen von Vin 
Diesel)...
(Foto: Marvel Studios/Disney Studios)

Peter Quill alias Star-Lord muss sich endlich dem Verlust seiner Mutter stellen und auch noch mit einem Vater (Kurt Russell), der seinem Namen „Ego“ alle Ehre macht und nicht wirklich der liebevolle Daddy ist, den man sich so wünscht, fertig werden. Labor-Waschbär Rocket muss lernen Vertrauen in andere zu fassen. Killermaschine Gamora muss Frieden mit ihrer schmerzlichen Kindheit und der Schwester Nebula schließen. Drax muss den Tod seiner Familie akzeptieren lernen. Und Baby Groot muss seine ersten eigenen Schritte in diesem bedrohlichen Universum machen.

Apologie der Familie

Doch Hollywood wäre bekanntlich nicht Hollywood, wenn sie nicht alle – und in der neuen Gemeinschaft dieser Patchworkfamilie, genau die Stabilität und Kraft finden würden, die es ihnen erlaubt, sich von der Vergangenheit zu emanzipieren und über sich selbst hinauszuwachsen: ein doppeltes „Coming of age“ demnach.

...und Drax (Dave Bautista).
...und Drax (Dave Bautista).
(Foto: Marvel Studios/Disney Studios)

Am Ende ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ nichts anderes als die Apologie der Familie und ihrer Werte. Dadurch bedient der Film ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: wahnwitzig atemberaubende Abenteuer aus dem Komfort unseres bequemen Sessels erleben.

Das Fazit lautet demnach: Mission erfüllt – nun auf zu neuen Taten, denn Teil Drei der „Guardians of the Galaxy“, erneut unter dem Kommando von James Gunn, ist bereits in Vorbereitung. Und davor gibt es nächstes Jahr noch einen Gastauftritt in „Avengers: Infinity War“.