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„Die Elbphilharmonie, ein Bonus“
Amanda Kleinbart freut sich, jeden Tag in der Elbphilharmonie arbeiten zu können.

„Die Elbphilharmonie, ein Bonus“

Foto: Claudia Hoehne
Amanda Kleinbart freut sich, jeden Tag in der Elbphilharmonie arbeiten zu können.
Kultur 1 5 Min. 26.03.2019

„Die Elbphilharmonie, ein Bonus“

Thierry HICK
Thierry HICK
Von Hamburg nach Ettelbrück: Luxemburgerin Amanda Kleinbart mit Quintett im CAPE zu Besuch.

Amanda Kleinbart trifft mit ihrem NDR-Orchester auf die größten Dirigenten und Solisten. Die Elbphilharmonie in Hamburg ist ihr Zuhause. Diese Woche kommt die Luxemburger Musikerin in ihre Heimat zurück: Sie wird am Sonntag mit ihrem Acelga-Bläserquintett im CAPE erwartet.

Amanda Kleinbart, warum der Name Acelga für Ihr Quintett, das 2012 gegründet wurde?

Acelga bedeutet Mangold, das auch der Name unserer Flötistin ist. Meine Mutter kommt aus Argentinien, daher ein spanischer Name.

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In einem Kammerensemble muss die Stimmung zwischen den Musikern gut sein. Wie ist es bei Ihnen?

Wir sind fünf Individualisten, und keiner will sich unterkriegen lassen. Dies macht die Sache interessanter und spannender. Aus der musikalischen Zusammenarbeit ist auch eine richtige Freundschaft entstanden. Auch wenn wir in verschiedenen Städten leben, treffen wir uns regelmäßig – nicht nur für die Musik.

Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Sie mit dem Horn: Bringen Sie das Gleichgewicht zwischen den Holzbläsern nicht in Gefahr?

Nein, das Horn ist eine Mittelstimme. Mein Instrument trägt dazu bei, den richtigen Klang für unser Ensemble zu finden.

Gibt es ausreichend Literatur für Ihre doch ungewöhnliche Besetzung?

Es gibt Originalstücke, zum Beispiel das Quintett von Pavel Haas oder die „Humoreske“ von Zemlinksy, zwei Werke die wir in Ettelbrück spielen werden. Johannes Moog hat auch ein Stück für uns komponiert. Ansonsten greifen wir auf Arrangements von anderen Werken zurück. Mozart hat nie für unsere Besetzung geschrieben.

Foto: Claudia Hoehne

Was reizt Sie an Kammermusik?

Kammermusik war und bleibt meine erste Leidenschaft. Wenn ich eine Woche lang keinen Orchesterdienst habe, so wie jetzt, genieße ich es, in kleiner Besetzung zu spielen. Kammermusik ist etwas sehr Intimes.

Und was hat Sie bewogen, Orchestermusikerin zu werden?

Auch wenn ich bei Kammermusik spontaner sein kann – was in einer großen Musikergruppe nicht möglich ist – hat Orchesterarbeit auch ihren Reiz: Mit Freunden und Kollegen zusammenzuarbeiten, einer Instrumentenfamilie anzugehören und Werke bedeutender Komponisten spielen zu können. Ich kann von Brahms- Symphonien nie genug bekommen, auch wenn wir sie dreimal in einer Woche spielen. Bei Schostakowitsch ist dies nicht der Fall. Irgendwann sag ich mir: ,Es reicht‘.

Amanda Kleinbart (M.) mit ihrem Acelga Quintett.
Amanda Kleinbart (M.) mit ihrem Acelga Quintett.
Foto: Franziska Gilli

Warum haben Sie das NDR-Orchester in Hamburg ausgesucht? Haben Sie bei Ihrer Bewerbung an die Elbphilharmonie gedacht?

Absolut nicht! Ich habe vorgespielt und wurde aufgenommen. Erst später wurde mir bewusst, dass wir mit der Elbphilharmonie ein neues Zuhause bekommen würden. Das Gesamtpaket stimmt: Hamburg ist eine der schönsten Städte Deutschlands, international, nicht zu groß, nicht zu klein, die Lebensqualität ist optimal, ich kann in einem der besten deutschen Orchester mit den größten Dirigenten und Solisten spielen. Und dazu, die Elbphilharmonie, als Bonus.

Haben Sie als Orchestermitglied Kontakt mit den eingeladenen Musikern?

Ich habe das Glück eine Facebook-Gruppe des Orchesters zu moderieren, so treffe ich Dirigenten und Solisten zu Gesprächen. In Hamburg halten sich die formalen Distanzen zwischen Chefs und Musikern in Grenzen. Dazu trägt eine Tradition des Orchesters bei: Solisten und einige Musiker treffen sich regelmäßig nach den Konzerten im Kiez Club, nicht weit von der Reeperbahn, und spielen dort für ein Publikum, das nicht zu unseren Konzerten kommt. Joshua Bell mit einem Gin Tonic zu genießen, ist dann möglich.

Die Elbphilharmonie wurde am 11. Januar 2017 eingeweiht. Welche Erinnerung haben Sie an diesen Abend?

Es war schon besonders aufregend. Wir hatten das Gefühl, dass die ganze Welt uns beobachten würde. Es war ein positiver Stress.

Sie haben einmal im Interview gesagt, ein Konzertsaal würde sich mit der Zeit entwickeln. Wie ist dies zu verstehen?

Ein Konzerthaus ist wie eine neue Wohnung und entwickelt sich. Das Parkett der Bühne hat bereits viele Kratzer, das Holz lebt. Mit der Zeit füllt sich die Geschichte eines Saals, so wie beim Concertgebouw in Amsterdam.

Wenn Sie morgens aufstehen und Sie denken beim Frühstück an Ihren Beruf: Auf was freuen Sie sich ganz besonders und was gefällt Ihnen nicht oder macht Ihnen Sorgen?

Ich freue mich, mit netten Kollegen zusammenzuarbeiten, dass man endlich eine besondere Partitur spielen kann, dass unsere Konzerte im Live-Streaming gesendet werden. Oder ganz einfach, dass ich jeden Tag in der Elbphilharmonie zur Arbeit gehen kann. Natürlich gibt es auch Dirigenten, die zu viel reden, Kollegen, die man nicht so mag, Stücke, die schwierig sind...

Haben Sie nie daran gedacht, sich beim Orchestre philharmonique du Luxembourg zu bewerben?

Meine Mutter hat in diesem Orchester gespielt. Ich habe einmal vorgespielt, wurde aber nicht genommen.

Verfolgen Sie einen Karriereplan? Können Sie sich vorstellen nach Luxemburg zurückzukehren und hier zu arbeiten?

Ich bin jetzt 32 Jahre alt. Ich kann nicht ausschließen, einmal in Luxemburg zu arbeiten. Ein Kammermusikfestival in Luxemburg zu starten und gestalten, würde mich schon interessieren, denn ich bedauere, dass dies bei den Echternacher Festspielen nicht mehr möglich ist.

Am kommenden Sonntag spielen Sie mit Ihren Freunden in Ettelbrück. Wird es ein besonderes Erlebnis?

Meine Familie, meine Freunde, meine ehemaligen Lehrer werden dabei sein: Es wird sicher etwas Besonderes werden.

Wenn Sie nicht arbeiten, welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

An sich wenig Klassik. Eher Hip-Hop oder verschiedene Podcasts. Nach einem Konzert muss ich jedoch dafür sorgen, die Ohren ausruhen zu lassen.

Konzert des Acelga-Quintetts am Sonntag, dem 31. März, um 18 Uhr im Ettelbrücker CAPE. Tickets: 21 Euro (Jugendtarif: 10,50 Euro). Platzreservierungen am Telefon: 26 81 26 81,e-mail: billetterie@cape.lu. Weitere Infos auf: www.cape.lu



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