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Die „Cats”: Was für ein Katzenjammer!
Kultur 1 3 Min. 28.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Die „Cats”: Was für ein Katzenjammer!

Gewöhnungsbedürftig präsentiert sich der Anblick der pelzigen Darsteller – hier Victoria (Francesca Hayward, l.) und Munkustrap (Robbie Fairchild) –, denn wo z. B. die Neuauflage der „Planet of the Apes“ mit ihren Computer-Effekten fasziniert, wirkt „Cats“, wohl durch die Kontrastierung von Tanzeinlagen und bizarr wirkender Körperhaltungen, geradezu befremdlich.

Die „Cats”: Was für ein Katzenjammer!

Gewöhnungsbedürftig präsentiert sich der Anblick der pelzigen Darsteller – hier Victoria (Francesca Hayward, l.) und Munkustrap (Robbie Fairchild) –, denn wo z. B. die Neuauflage der „Planet of the Apes“ mit ihren Computer-Effekten fasziniert, wirkt „Cats“, wohl durch die Kontrastierung von Tanzeinlagen und bizarr wirkender Körperhaltungen, geradezu befremdlich.
Foto: Amblin Entertainment
Kultur 1 3 Min. 28.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Die „Cats”: Was für ein Katzenjammer!

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Warum Andrew Lloyd Webbers Musicalhit „Cats“ nur zum halbwegs mittelmäßigen Blockbuster taugt.

Es gibt Zeichen, die trügen nicht: Eines davon war sicher die Mischung aus hämischem Gelächter und entsetztem Raunen, das die unsichtbaren Sphären des Internets durchzog, als im vergangenen Juli der erste Trailer von „Cats“ Zuschauern Lust auf die Leinwandfassung von Andrew Lloyd Webbers Musicalhit machen sollte.

Das PR-Teasing ging nämlich nach hinten los – und statt Vorfreude zu wecken, ließ es schlimmste Befürchtungen aufkeimen. Diese bewahrheiten sich nun auch ein halbes Jahr später – zumindest teilweise: Denn der Musicalhit, der seit 1981 Tausende Zuschauer begeistert hat und auf der Gedichtesammlung „Old Possum's Book of Practical Cats“ des Schriftstellers T. S. Eliot basiert, macht nur einen – und dann auch nur gnädigerweise – mittelmäßigen Blockbuster aus. Nicht, dass es dabei an Potenzial gefehlt hätte. 

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Die Geschichte der Jellicle-Katzensippschaft, aus der von Old Deuteronomy (Judy Dench als Queen Victoria artige Matriarchin) alljährlich ein Stubentiger auserwählt wird, um buchstäblich in den Himmel aufzusteigen, taugt durchaus zur unterhaltsamen und allegorisch ansprechenden Thematisierung ganz menschlicher Charakterzüge. Und auch die Musik von Starkomponist Lloyd Webber steht, entsprechend dessen musikalischem Können, für melodische Wirkkraft. Und trotzdem: „Cats“ will einfach nicht so funktionieren, wie es angesichts seiner Bestandteile eigentlich sollte.

Dass der Regisseur bis knapp 36 Stunden vor der Premiere seines Films noch an dessen Fertigstellung feilte und sogar nach dem offiziellen Filmstart in den USA eine überarbeitete Kopie buchstäblich „nachschoss“, dürfte veranschaulichen, dass auch er nicht wirklich zufrieden mit dem Endresultat war. Schließlich setzt Tom Hooper, als gestandener Macher von Filmen wie „The Danish Girl“ und „The King's Speech“, der ebenfalls die Leinwandadaptation von „Les Misérables“ übersah, hier vor allem seinen guten Namen aufs Spiel. Und genau dieser rettet wahrscheinlich, was eigentlich so nicht zu retten ist.

Die Kraft der Bühne ist die Schwäche der Leinwand

Denn was live auf der Bühne für Musicalfans ein Erlebnis ist, wird durch die räumliche Trennung der Leinwand zum unüberbrückbaren Hindernis: Nervöse Kameraarbeit und Schnitt bei den Tanzszenen lassen dem Publikum keine Zeit, sich auf das Geschehen vor seinen Augen einzulassen, sodass man sich beim Zuschauen fast ein Schleudertrauma holt. Dies ist umso bedauerlicher, da es den Effekt der Choreografien ebenfalls abschwächt. 

Foto: Amblin Productions

Seine Stärke, die das Fehlen einer kohärenten Erzählweise mit dosiertem Spannungsbogen zumindest momentweise wettmacht und den Film letztlich davor bewahrt ein kompletter Reinfall zu sein, entfaltet „Cats“ dann auch in den Momenten, wo er auf alle Kunstgriffe verzichtet und seinen Darstellern die Möglichkeit bietet, ihr Können zu zeigen. 

Wenn Jennifer Hudson als Grizabella „Memory“ anstimmt, kommt man nicht umher, von ihrer eindrucksvollen Stimme getragen auch emotional ein Stück weit mitgerissen zu sein. Leider sind diese Augenblicke allzu selten und genügen auf Dauer nicht, um der kommerziellen Hochglanzverpackung mit Dekor bedingtem „Honey I Shrunk the Kids“-Feeling etwas Seele einzuhauchen. 

Hier der erste, sehr umstrittene Trailer:

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Trotz eines Staraufgebots mit publikumsträchtigen Namen wie Taylor Swift (Bombalurina) oder Idris Elba (als der Bösewicht-Zauberer Macavity), präsentieren sich diese computergenerierten Katzenwesen als mehr denn gewöhnungsbedürftig; ja, der Zuschauer kommt gar soweit, die Affen von „Planet of the Apes“ zu vermissen. Zumindest gelingt es an dieser Stelle gestandenen Schauspielern wie Judi Dench (Old Deuteronomy) und Ian McKellen (Gus, die Theaterkatze), dem Film etwas von der dringend notwendigen darstellerischen Tiefe zu verleihen.

Man hätte diesem „Cats“ gewünscht am Ende mehr als nur ein „Vull fir d'Kaz“ zu sein, denn immerhin wurden 95 Millionen Dollar hineingesteckt – wobei es der Produktion sicherlich gut getan hätte, über weniger Mittel zu verfügen und sich eingängiger damit zu beschäftigen, wie man eine Geschichte erzählt und die Fantasie beflügelt, statt lediglich auf Rumtata-Augenwischerei zu setzen. 

Auch wenn sie so manches ihrer sieben Leben hier aufbraucht, irgendwie landet die Katze zum Schluss doch immer wieder auf ihren Pfoten. Diesen sogenannten Drehreflex hat sie wohl mit der Traumfabrik gemein ...